Junge . Groß und königlich , wie er gelebt hatte , starb er , als ein tapferer Held , der weiß , daß er zu seines Gottes Freude gelebt hat , und daß er zu den Helden kommen wird . Mit einem Lachen auf den Lippen versank er , denn er sah einen glänzenden , neuen Kutter mit leuchtenden , weißen Segeln und bunten Kränzen in den Toppen vor sich , der stolz dahinsegelte , und am Ruder stand ein lachender Junggast , sein Junge , sein Störtebeker ... grüßend winkte er mit der Hand ... fahr glücklich , Junge , fahr glücklich , sieh zu , daß du dein fröhliches Herz behältst , fahr glücklich ! Guten Wind und moi Fang , mien Jung ! ... Dann ging die gewaltige Dünung des Skagerraks über ihn hinweg . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Thees , der Segelmacher , hat es nachher oft genug erzählt , wie es an demselben Tage unsichtbar an dem Segel gerissen hätte , bei dem er gerade zu tun hatte . Als er genau zusah , war es Klaus Mewes ' Fock , an der unsichtbare Hände wie in höchster Not zerrten . Thees sah eine Weile zu , dann fragte er erschüttert : » Brukst du dat Seil , Klaus ? Is de anner Fock di woll tweireten ? « und versuchte , das Tuch glatt zu ziehen , als das aber nicht gehen wollte , legte er die Arbeit hin und ging hinaus . Der Wind blies wie nichts Gutes , und die hochflutende Elbe ging wie eine breite See in Schaum und Gischt . In Seestiefeln und Ölzeug , den Südwester im Nacken , liefen die Seefischer hin und her und steuerten der gemeinen Not : sie zogen die Boote und Jollen auf den Deich , damit sie nicht voll Wasser schlügen , sie kämpften sich nach den Ewern und Kuttern hinaus , auf denen niemand an Bord war , und steckten mehr Ketten aus , damit die Fahrzeuge nicht vertrieben , sie schleppten Sandsäcke herbei und verstopften die Löcher im Deich , damit das Land keine Havarei hätte . » Is Klaus Mees bihus ? « fragte der Segelmacher . » Ne , de is buten « , erwiderte Jan Lanker , der lustige . » Denn weet ik genog « , sagte Thees nickend und ging langsam nach seinem Boden zurück . Als er das Segel wieder übers Knie legte , lag es ganz still , - das Zerren hatte aufgehört . » Brukst du dat Seil nu ne mihr , Klaus ? « fragte er leise und wollte weiternähen , aber da brach ihm die Nadel ab . Seine Augen weiteten sich , als wenn er etwas sähe , dann stand er auf , rollte das Segel schweigend zusammen , legte es in die Ecke und ging an Hinnik Külpers Besan . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gesa stand in der Küche hinter der Waschbalje und rubbelte Störtebekers Kleibüxen , die voll Schlick und Schmeer saßen und gar nicht rein zu kriegen waren . Ihr Herz war voll Angst und Sorge , und sie horchte bange auf den Sturm , der das Haus vom Deich werfen wollte , denn sie wußte nicht , ob Klaus einen Hafen hätte oder ob er draußen sei . Wie wehte es ! Plötzlich fuhr sie zusammen und drehte sich jäh um , denn an der Tür hatte es gescharrt , sie hatte es deutlich gehört . Stand der Hund , der Seemann , draußen und begehrte Einlaß ? war er davongelaufen , und kam Klaus nach , lag der Ewer schon am Bollwerk ? Hastig trocknete sie die Hände ab , um die Tür zu öffnen , da stand ihr das Herz still , und ihre Knie bebten , denn die Tür war von selbst aufgegangen , und auf der Schwelle stand ihr Mann , als wäre er dem Wasser entstiegen . Sein Gesicht war totenweiß , sein Haar war wirr , und seine Augen waren müde und glanzlos . Niemals hatte Gesa ihn so gesehen . In starrer Angst sah sie ihn an . Sie wollte ihm entgegengehen und ihm die Hand geben , aber sie vermochte nicht , die Füße voreinander zu setzen , sie wollte ihn fragen , ob etwas passiert wäre , ob er Havarei gehabt hätte , aber ihre Zunge war gelähmt , und sie konnte keinen Laut herausbringen . » Gesa « , sagte die furchtbare Gestalt leise und hob die Hand , da schrie Gesa laut auf und sank zu Boden . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Störtebeker hatte es hild : er war mit den andern Jungen am Westerdeich zugange , mit einem großen Knüppel bewaffnet , und schlug die Ratten und Mäuse und Maulwürfe tot , die angeschwommen kamen , als das Wasser den niedrigen Katendeich überflutete und das weite Land des Neßbauern überschwemmte , der auf seiner Wurt wie auf einem Eiland saß und im Kuhstall Fische fangen konnte . Diese Rattenjagd war etwas für Störtebeker , dazu hatte er Lust . Eifrig lief er am Deich auf und ab und befreite ihn von den Plagegeistern . Junge , Junge , dat wür wat ! Just stand er auf dem Feekstreek und lauerte auf eine Ratte , die gleich mit dem Stubben , auf den sie sich geflüchtet hatte , zu Wasser mußte , da rief es mit einem Male hinter ihm : » Höh , Störtebeker