auf meinen Entdeckungsreisen im Frühjahr übersehen haben ? « » Offenbar , sonst hätten Sie es gemietet . Auf einem Rasenplatz , nah am Gartenzaun , steht eine kleine Figur aus Ton . « » Kann mich nicht erinnern . Aber wissen Sie , Therese , es ist wirklich nett , daß Sie sich auch für uns bemüht haben . Mehr als nett . « Bei Ihrer aufreibenden Tätigkeit , wollte er hinzusetzen , unterdrückte es aber . » Warum wundern Sie sich « , fragte Therese . » Ich habe Anna sehr gern . « » Wissen Sie , was ich einmal über Sie habe sagen hören ? « bemerkte Georg nach einer kleinen Pause . » Nun , was ? « » Daß Sie entweder auf dem Schafott enden werden , oder als Prinzessin . « » Das ist ein Ausspruch vom Doktor Berthold Stauber , er hat es mir selbst auch einmal gesagt . Er ist sehr stolz darauf , aber es ist doch ein Unsinn . « » Jetzt stehen die Chancen allerdings mehr auf der Prinzessinnenseite . « » Wer sagt Ihnen das ? Der Prinzessinnentraum ist bald zu Ende . « » Traum ? « » Ja , ich fange sogar schon an zu erwachen . Es ist ungefähr , wie wenn Morgenluft ins Schlafzimmer hereinwehte . « » Und dann fängt wohl der andere Traum an ? « » Wieso der andre Traum ? « » Ich stell mir das so bei Ihnen vor . Wenn Sie wieder in der Öffentlichkeit stehen , Reden halten , sich für irgendeine Sache opfern , dann kommt Ihnen in irgendeinem Moment wieder das wie ein Traum vor , nicht ? Und Sie denken , das wahre Leben , das ist wo anders . « » Das ist nicht einmal so dumm , was Sie da sagen . « In diesem Augenblick wandten sich Demeter und Anna , die schon am Gartentor standen , nach den beiden um , und nahmen gleich die breite Allee zum Eingang des Hotels . Auch Georg und Therese gingen weiter , ungesehen , außerhalb des Gitters , im finstersten Schlagschatten . Plötzlich ergriff Georg die Hand seiner Begleiterin . Diese wandte , wie erstaunt , sich zu ihm , und beide standen sich nun gegenüber , von Dunkel umhüllt und näher als sie verstehen konnten . Sie wußten nicht wie ... sie wollten es kaum , und ihre Lippen ruhten aufeinander , einen kurzen Augenblick , der mehr erfüllt war von der wehen Lust der Lüge als von irgend einer andern . Dann gingen sie weiter , schweigend , unbeglückt , verlangend , und durchschritten das Gartentor . Die beiden andern vor dem Hotel wandten sich jetzt um und gingen ihnen entgegen . Rasch sagte Therese zu Georg : » Selbstverständlich fahren Sie nicht mit uns . « Georg nickte leicht . Nun standen alle in der breiten , ruhigen Helle der Bogenlampen . » Es war ein wunderschöner Abend « , sagte Demeter und küßte Anna die Hand . » Also auf Wiedersehen in Wien « , sagte Therese und umarmte Anna . Demeter wandte sich zu Georg . » Ich hoffe , wir sehen uns morgen früh auf dem Schiff . « » Es wäre möglich , aber ich will nichts versprechen . « » Adieu « , sagte Therese und reichte Georg die Hand . Dann wandte sie sich mit Demeter zum Gehen . » Wirst du mit ihnen fahren ? « fragte Anna , während sie durchs Tor in die Halle gingen , wo Herren und Damen saßen , rauchten , tranken , plauderten . » Was fällt dir ein « , erwiderte Georg , » ich denke nicht dran . « » Herr Baron « , rief plötzlich jemand hinter ihm . Es war der Portier , der ein Telegramm in der Hand hielt . » Was ist denn das ? « fragte Georg etwas erschrocken und öffnete rasch . » O « , rief er aus , » wie entsetzlich . « » Was ist denn ? « fragte Anna . Er las ihr vor , während sie in das Blatt schaute . » Oskar Ehrenberg hat heute früh im Wald bei Neuhaus einen Selbstmordversuch verübt . Schuß in die Schläfe , wenig Hoffnung , sein Leben zu erhalten . Heinrich . « Anna schüttelte den Kopf . Schweigend gingen sie die Treppen hinauf und ins Zimmer , das Anna bewohnte . Die Balkontür war weit geöffnet . Georg trat ins Freie . Aus der Dunkelheit heraus drang ein schwerer Duft von Magnolien und Rosen . Vom See war nichts zu sehen . Wie aus einem Abgrund gewachsen ragten die Berge . Anna trat zu Georg . Er legte seinen Arm um ihre Schulter und liebte sie sehr . Es war , wie wenn das ernste Geschehnis , von dem er eben Kunde erhalten , seinen eigenen Erlebnissen das Gefühl ihrer wahren Bedeutung aufgezwungen hätte . Er wußte wieder , daß es nichts Wichtigeres für ihn auf der Welt gab , als das Wohl dieser geliebten Frau , die mit ihm auf dem Balkon stand und ihm ein Kind gebären sollte . Sechstes Kapitel Als Georg aus dem kühlen Stadtrestaurant , in dem er seit einigen Wochen mittags zu speisen pflegte , auf das sommerheiße Pflaster trat und den Weg nach Heinrichs Wohnung einschlug , war sein Entschluß gefaßt , die Reise ins Gebirge schon in den nächsten Tagen anzutreten . Anna war ja darauf vorbereitet , hatte ihm sogar selbst zugeredet , auf ein paar Tage wegzufahren , seit sie fühlte , daß die eintönige Lebensweise der letzten Zeit ihm Langeweile und innere Unruhe zu verursachen begann . Vor sechs Wochen , an einem lauen Regenabend , waren sie nach Wien zurückgekehrt , und Georg hatte Anna geradenwegs von der Bahn in die Villa gebracht , wo in einem großen , aber ziemlich leeren Zimmer mit schadhaften , gelblichen Tapeten , beim trüben Schein