und rückte den Kopf ein wenig aufwärts . Der Kosak , der die nachlassende Straffheit des Zügels empfinden , wohl auch das Nahen eines Gegenstandes bemerken mochte , machte eine Bewegung mit der Hand , öffnete die Augen , verstorbene , lebensmüde Augen , öffnete den Mund - Da fühlte Valerius den Zügel seines Pferdes von einer raschen Hand gehalten , der Kosak verschwand plötzlich von seinem Gaule , es erschien ein anderer Reiter darauf , und ehe er sich ermuntern konnte , sah er sich auf dem Rückwege zu seinem Zuge . Der Schmied von Wavre ging neben ihm , ein junger polnischer Bauer ritt zu seiner andern Seite auf dem Kosakenpferde . Mit Grauen sah er bei den nachleuchtenden Feuern , wie der alte Kosak mit einer Schlinge um den Hals von dem Bauer nachgeschleift wurde . Das Pferd des plötzlich Erwürgten trug ebenso geduldig den neuen Reiter , der es so schnell von seinem vorigen befreit hatte . - 11. Valerius war in jener Nacht nur auf kurze Zeiträume aus seiner Träumerei zu wecken gewesen . Er machte sich die lebhaftesten Vorwürfe über diese gefährliche Schwäche , als ihm Magyac am andern Morgen die Begebenheiten der Nacht erzählte . Das ist jenes törichte Leben in die Weite , in die Ferne , das den Baum vor Augen nicht merkt , bis er sich kund gibt durch einen heftigen Stoß . Das ist jenes Räsonieren ins Ungemessene hinaus , jenes deutsche Komponieren der nächsten weltgeschichtlichen Epochen , worüber die Gegenwart und das zeitig Notwendige unbenützt vorüberstreicht , das ist jenes unpraktische Wesen , das sich so gern und so leicht mit höheren weiteren Zwecken entschuldigt , das gepriesen sein möchte als weitsichtiges , höheres Element , und das doch übertroffen wird von jenem kleinen Buben , der das Pferd tränkt , da es eben dürstet . Auf den nächsten Schritt soll man achten und dem Augenblick leben , der eben da ist , den Gegenstand ergründen , der just neben uns steht . So schalt er sich , während Magyac erzählte . Der Schmied hatte das Biwak umstellt , und während die Schläfer mit wildem Geschrei überfallen worden , waren die Wagen in größter Schnelligkeit ungehindert die Lichtung passiert . Nur das gnädige Fräulein , die bis zum Augenblick des Überfalls fest geschlafen , sei , erweckt von dem plötzlichen Lärmen , aus dem Wagen gesprungen und in den Wald hinein gelaufen ; Joel , der ihr nachgeeilt , habe sie zwar eingeholt , aber die Wagen seien längst auf und davon gewesen , und so habe man das Fräulein hierher ins Haus gebracht , wo sie jetzt noch ruhig schlafe . » Aber wie bin ich denn hierher gekommen , Thaddäus ? « » Ja , was weiß ich , Herr , du sagtest ja zum Schmiede , daß du seine Bekanntschaft machen wolltest . « » So ? « Valerius befand sich auf einer ähnlichen Waldlichtung , wie er heut ' nacht gesehen , in seinen Mantel gehüllt lag er an einem verglimmenden Feuer , hinter ihm ein langer starker Baumstamm . Dieser hatte ihm zum Kissen gedient , wie er vermutete , denn der Nacken schmerzte ihm gewaltig von dem kurzen Schlafe . Magyac saß vor ihm an der Erde und scharrte einige Kartoffeln aus der Asche , die er zum Frühstück geröstet hatte . Dann zog er ein Stück Schwarzbrot aus der einen Tasche seines Pelzes und eine Schnapsflasche aus der andern , und legte alles vor Valerius hin , indem er ihn mit einem halb verschmitzten , halb schmerzlichen Lächeln aufforderte , sich des Frühstücks zu bedienen . Valerius nahm lächelnd einige Bissen Brot . » Trink getrost , Herr , « sagte Thaddäus , » es ist Wein vom Grafen , im Lärm der Abreise hab ' ich meine Flasche leer und wieder voll gemacht - der alte Schurke , wenn nicht seine Mutter wäre , die der heilige Adalbert erhalten möge . « » Wo ist Joel ? Und wo sind wir eigentlich ? « Thaddäus deutete auf einen Winkel des Gebäudes , unter dessen Dache sie sich befanden - da lag der arme Junge zusammengekrümmt unter seinem Mantel und schlief . Mit der Hand und einem bunten Tüchlein hielt er sich einen Teil des Gesichts verdeckt - Valerius kannte das Tuch von jenem Abende , es war Hedwigs . Thaddäus hatte die zweite Frage nicht beantwortet ; eh ' sie Valerius wiederholte , sah er sich um , ob er sie vielleicht selbst beantworten könnte . Er erkannte nicht ohne Anstrengung , daß er sich mit seinen Gefährten unter einer sogenannten Wildraufe befände , wie man sie für strenge Winter zur Atzung des Wildes anlegt . Einige alte zerfallene Krippen und Raufen , die umherlagen , erinnerten in ihren Trümmern daran . Solche Wildraufen bestehen eigentlich nur aus einem schiefen Dache , das sich auf eine Bretterwand und einige Pfosten stützt . Die drei übrigen Zugänge sind offen , und da die offene Seite nach Morgen lag , so schien die Sonne freundlich auf die Gruppe und erheiterte wie immer den deutschen Wallfahrer , wie er sich manchmal nannte . Der Fichten- und Kieferwald glänzte mit den Funken des gerinnenden leichten Schnees , der den Abend vorher gefallen und jetzt größtenteils schon wieder verschwunden war . Es begann einer jener Wintertage , in deren Mundwinkeln schon ein Frühlingslächeln schwebt , ein lauer Tauwind zog langsam über die Fläche . Solch ein Wind ist wie der Hauch eines jungen Mädchens , wenn er uns zum ersten Male berührt , und wir empfinden , welch eine Lust es sein müsse , von den Lippen geküßt zu werden , über welche dieser Atem flog . Frühlingsahnung , Ahnung einer schöneren Zeit zieht damit in unsere Brust . Auch Valerius sagte lächelnd : » Es wird noch alles gut werden - weiter , weiter . « Einer der Seitenausgänge dieser Wildraufe war aber verschlossen durch ein Bretterhäuschen , das sich daran lehnte , und