. Und wie ein Festzug aus ihrem Gefühl ihre Losgebundenheit von allem . Obwohl sie immer leise und lieblich sprach , nicht laut . Solche seltsame Gehaltenheit drang aus ihr auf . Aus ihren Träumen manchmal , auch aus bloßen Träumereien oft , die Einhart und Poncet gleich unbarmherzig anrührten wie eisige Geschenke . 16 Und solche sonderbare Zeichen kamen immer mehr . Johanna war gegen den Frühling viel wach mit weiten Augen . Sie redete viele Dinge ohne alle Scheu . Das war für Einhart allmählich noch eine rechte Prüfung . Wenn Johanna Einharts Hände manchmal in ihre schlanken , bleichen , kaum noch schweren Hände nahm , sann sie allerlei Geheimnis nach , besonders dem Laufe ihres eigenen Lebens . Sie war in solchen Momenten eigentümlich streng . Sie fragte dabei nach niemand , der hinter ihren Erkennungen zurückblieb . Einhart hatte jedesmal , wenn in Johanna solche Anwandlungen aufkamen , ein Gefühl , wie wenn eine ganz Unbekannte und Fremde vor ihm läge . Ihre Hände hielten sich bleich und heiß in seiner Hand , und die Pulse hämmerten sichtlich in den feinen , weißen Schläfen . Einmal hatte sie zu erzählen begonnen und hin und her zu sprechen von Poncet . » Am Meere hat es begonnen , « sagte sie ganz hart . Einhart hatte nur gedacht , daß sie die Krankheit meinte . Wie sie es an Einhart merkte , weil sie jetzt außerordentlich schwach war , daß er die Worte nur gleichgültig hingenommen , versuchte sie lauter und deutlicher zu sein . » Nicht doch ! « sagte sie ein wenig unwillig . » Ich meine das Jahr vorher ! Die Nacht ! Ich meine doch die Nacht , wo du mich einsam am Meere gelassen . Wo du auf den Felsen stiegst , um zu malen . Wo ich mutterseelenallein auf dem Dünenhügel stand und dann ans Meer ganz nahe herantrat , wo die tausend Blutzungen nach mir leckten . « - - » Hu ! « sagte sie noch , wie sie eine Weile geschwiegen . Einhart wußte noch immer nicht recht . » Du kannst es mir glauben , daß es erst damals begonnen ! « sagte Johanna jetzt ganz eindringlich . » Ja , ja , an den Abend erinnere ich mich , « sagte Einhart beteiligt . » Ich weiß schon . Wo ich die Skizze in Purpurfarben malte und dann zu dir ans Meer kam . « » Nein , nein , du kamst nicht . Du kamst ewig nicht . Das war es . Das düstere Meer war unsäglich in seiner Pracht . Unsäglich in seiner herandrängenden Begehrlichkeit ! « » In einer gräßlichen , blutigen Begehrlichkeit , « sagte sie in sich hinein fröstelnd . » Alles war blutig und eintönig herandrängend und eindringend . Ich wäre schließlich doch zu dir geflohen , wenn mich nicht jemand im letzten Aufschrei der Seele gegriffen und meine Lippen lebendig geküßt hätte , bis ich wieder eine Menschenseele ganz fühlen konnte . O ! « Einhart war ganz stumm geworden . » Einhart , « sagte Johanna , » wußtest du das ? « » Nein , « sagte Einhart . » Sei mir nicht böse , Einhart ! « sagte Johanna zärtlich . » Damals war ich noch gesund , « sagte sie in demselben Tone . » Du dachtest nie an solche Not , « redete Johanna dann lächelnd weiter . » Du warst immer nur aufs Verklären aus . Auf die Arbeit . Auf die Kunst . Poncet stand hinter mir . « » Ja , wer kann sagen , warum es mir so süß dünkte , dich zu betrügen mit seiner Liebe ? « sagte sie flüchtig hin . » Ach , Johanna ! « sagte Einhart . » Weißt du . Betrügen ist ein dummes Wort , « sagte Johanna heiter . » Nein , nein , das kann ich dir mit aller Bestimmtheit sagen , daß ich Poncet beständig ersehnt und begehrt hatte . Meine Seele hatte ihn an dem Abend ohne Namen tausendmal gerufen . Er hatte gar keine Schuld . Nicht die geringste . Ich hatte ihn gerufen . Wie ich diese wundersamen Düsternisse anstaunte , die mich blendeten und gräßlich schreckten , hatte ich nach Einem gerufen , der wie ein Räuber furchtlos sein , mich stark anfassen und mich sicher forttragen würde durch die tausend züngelnden Höllenfeuer . Mich ! Mich ! Mich ! « Johanna schwieg lange , ehe sie leise lachte . » Ha , ha , ha , ha , damals war ich noch gesund , « sagte sie vor sich hin . » Poncet mußte mich gehört haben . Mußte es gehört haben , daß ich beständig so gerufen hatte . Er stand zu rechter Zeit hinter mir und preßte seine heiße Glut auf meinen verbleichenden Mund und hüllte seine Seele wie einen Mantel um meine Seele . « » Ja , Einhart ! « sagte Johanna leise . Dann redete Johanna noch leise Worte . » Deshalb war ich immer heimlich an Poncet gebunden in allen Ängsten . Du hast mich damals nicht gehört , Einhart . Du kamst viel später , « sagte sie ganz zärtlich , und als wenn sie nichts gesprochen hätte als arglose Dinge . Sie ließ auch Einharts Hände nicht los . Sie zog die Hände an ihre weiche , fast vergangene Brust . Einhart sah heimlich erschüttert ins Auge dieser wunderlichen Erzählerin , die unter ihren Lebensgeheimnissen hinwandelte und alle verhangenen Bilder in den Sälen ihrer Erinnerung wie gleichgültig enthüllte . » O , du , « sagte Johanna einmal ganz plötzlich , » glaube mir , Einhart , du und Poncet seid aus zwei verschiedenen Himmelsstrichen . Du konntest mir nie zu Hilfe kommen . Aber einmal wird sich dein Kreis auch vollenden , « sagte sie seherisch . » Wer weiß , auf welche Art ? « Zu Poncet war Johanna immer gleich sanft .