wahre Pracht , wie willig das schöne Fahrzeug jeder Silbe gehorchte , welche er in das Sprachrohr hauchte . Die See war heute ziemlich unruhig , aber diese » Yin « machte sich nichts daraus ; sie nahm die Wogen mit solcher Leichtigkeit , daß von einer Erschütterung ihres Körpers fast nichts zu spüren war . Man pflegt , wenn man von Penang nach Uleh-leh geht , nach Durchquerung der Malakkastraße in Edi , Lo-Semaweh und Segli anzulegen . Das sind Militärstationen , welche an der fieberhauchenden Küste angelegt sind , um bei den Kämpfen gegen den Herrscher von Atjeh den kriegerischen Vorstößen in das Innere als Stützpunkte zu dienen . Infolge dieses dreimaligen Anlegens sind zwei Tage notwendig , um von Penang nach Uleh-leh zu kommen . Unsere kleine » Yin « aber konnte die direkte Linie nehmen , und da sie pro Stunde zehn Knoten mehr als die » Coen « meines Freundes machte , so brauchten wir nicht einmal einen vollen Tag , um hinüberzukommen . Das Wetter war geradezu herrlich ; die Luft stand fest ; die See ging in langgestreckten Wogen , von denen die eine genau der andern glich . Unsere » Yin « lag ein wenig auf die Seite geneigt und ging so leicht , so frei , so scharf wie der zur Wirklichkeit gewordene Wunsch ihres Besitzers über die Straße . In jenen Gegenden , so nahe dem Aequator , wird es regelmäßig kurz nach sechs Uhr Nacht . Als sich nach zweistündiger Fahrt die Sonne zum Untergange neigte , stieg Mary Waller die Stufen empor , welche auf die Decke ihres Salons führten . Ich befand mich in ihrer Nähe , und sie winkte mir , ihr zu folgen . Da oben , beim Marmorkopfe » Yins « sitzend , konnte man den Uebergang des Tages in die Nacht am besten beobachten . Wir sprachen zunächst über ihre Freude , Tsi so ungeahnt hier wiederzusehen . Sie war gerührt von seiner , kein Opfer scheuenden Bereitwilligkeit , sofort mit nach Uleh-leh zu gehen , vermied es aber , viele Worte darüber zu machen . Dann beschrieb sie mir ihre jetzige Wohnung . Sie tat dies mit wahrem Entzücken und erklärte mir , so Etwas noch nie gesehen zu haben . Die Einrichtung sei echt chinesisch , reich aber schön , voller köstlicher Gedanken , ein Gedicht , unbedingt von einem chinesischen Weibe gedichtet , so klar im Ausdrucke und im Reime so rein , keine Silbe zu viel und aber auch keine zu wenig , jede Falte ein wohlklingendes Wort , jeder Sessel ein traulicher Vers , jeder einzelne Gegenstand ein Zeichen höchsten Geschmacks und in seinem Verhältnisse zum Ganzen ein Beweis zwar angeborener , aber durch die Ausbildung auch vollendeter Künstlerschaft . » Ich möchte die Frau kennen , welche diese wunderbare Wohnung , die ihres Gleichen nicht findet , gedichtet hat ! « wünschte Mary am Schlusse ihrer Beschreibung . » Sie muß ein schönes , wonniges , harmonisch empfindendes und aber doch scharf und ernst denkendes Wesen sein ! « » Tapezierer ! « warf ich hin . » Diese Arbeiten machen in China die Männer , welche sogar waschen und plätten . « » Tapezierer ? « wiederholte sie mein Wort . » Ich begreife allerdings , daß Sie das sagen können ; aber kommen Sie , und sehen Sie ; dann werden Sie anders sprechen . Ich halte es zwar nicht für unmöglich , daß es ein Tapezierer so weit bringt , in Möbelstoff , in Sammet oder Seide dichten zu können ; hier dieses Gedicht aber ist so deutlich fühlbar das Werk einer echten , reinen , edlen Weiblichkeit , daß es fast wehe tut , nur daran zu denken , ob von einem Verfasser anstatt einer Verfasserin , also von einem männlichen Wesen die Rede sein könne . « Jetzt berührte die Sonne das Meer , und da flutete in einem einzigen Augenblicke eine solche Fülle goldenen Lichtes auf den Wassern zu uns her , als ob der Ball dort im Westen sich aus Liebe aufzulösen beginne . » Erinnern Sie sich noch des Sonnenunterganges auf dem Dschebel Mokattam damals ? « fragte Mary . » Den Sie gar nicht gesehen haben , « antwortete ich . » Sie ritten zu zeitig fort . Das war die Folge des bösen Wüstenwindes . « » O nein , sondern die Folge von etwas ganz Anderem . Ich fühlte ihn ja nicht . « Sie blickte in die golddiamantene Glut , welche den ganzen Westen bis zu uns her überflammte . Dann sah sie mir mit ihren lieben , ehrlichen Augen so offen und herzlich in das Gesicht und fügte hinzu : » Wollen Sie mir jetzt eine Bitte erfüllen ? « » So gern ! « » Aber gleich ? Ganz gewiß ? Ohne sich zu weigern ? Ohne zu fragen und zu zögern ? « » Ja . « » Nehmen Sie sich eine Zigarre aus dem Etui , welches ich da in Ihrer Tasche sehe . Bitte , brennen Sie an ! « Es war ihr ein Herzensbedürfnis , in Erinnerung an das damalige Verhalten ihres Vaters diese Bitte auszusprechen . Dennoch entgegnete ich : » Da steht die See in Sonnenglut . Denken wir nicht an das Glühen eines Tabakblattes ! « » Und doch ; grad jetzt ! Ich bitte Sie ; Sie haben es mir versprochen . Es liegt in meinem Wunsche kein Gegensatz zu dieser Schönheitsfülle , die wir sehen ! « Ja , wahrlich nicht ; sie hatte Recht ! Wie leicht und doch wie schwer ist ein Frauenherz zu verstehen ! Was uns Männern als Widerspruch erscheint , kann schönste Harmonie bedeuten , und was wir für oberflächlich halten , stammt vielleicht aus der tiefsten , verborgensten Seelenfalte . Das Weib weiß es selbst wohl nicht , wie also kann der Mann es wissen ! » Jetzt brennt es , « lächelte sie so liebenswürdig zufrieden ,