tut nur mir gegenüber so selbstgewiß , sonst ist er nur zu bestimmbar . Darf ich auf dich rechnen , Mann ? « » Du beabsichtigst vielleicht , einen Bankdirektor aus ihm zu machen ? « lächelte Georges verbindlich , » auch das Geschäft nährt seinen Mann . « Die gequälte Frau sah ihn an . Für einen Augenblick verkörperte sich ihr in diesem gelben , grinsenden Gesichte alles Widrige , Verwerfliche , Hassenswerte , das sie wußte . Alle Qual , alle Ratlosigkeit ihrer Lage spiegelte sich wie in einer trüben Lache in diesen matten roten Augen . » Ja , ja , « sagte der Mann aufseufzend , » das Leben ist halt schwer . « Sie hob den Kopf , die Verzweiflung übermannte sie . Suchte sie hier Hilfe ? » Und weil es schwer ist , laß uns zusammenstehen , « sagte sie verwirrt , » laß uns in dieser Sache zusammenstehen , Georges . Tu nichts gegen mich ! « Sie streckte ihm die Hand hin . Über seine gelben Backen lief ein schwaches Rot , er berührte ihre Hand und murmelte : » Nein , nein . « » Du bist sein Vater , Georges . « » Leider . « » Hältst ihn etwa für verloren ? « » Nein , aber du , Séfine . « » Ich hol ihn , « sagte sie entschlossen , drückte dem Manne die kalten , widerstrebenden Finger und machte sich bereit . Georges bot ihr sogar seine Begleitung an . Verlegen lehnte sie ab und fuhr allein . Aus dem heißen Coupé , das sie schläfrig und schwer gemacht , sprang sie auf den nassen , schmutzigen Perron hinab . Josefine war in Basel . Es regnete schon , seit sie eingestiegen war . Ihre Unruhe verstärkte sich in dieser jetzt stillen , wie ausgestorbenen Stadt , über der eine dunkle Schwüle lag . Nur auf der Rheinbrücke ging ein frischer Wind und warf ihr die Kleider so um die Glieder , daß sie mühsam vorwärts kam . Der Rhein brauste im Regen - sie blieb einen Augenblick stehen und sah ihn ziehen , geheimnisvoll wie den Strom der Unterwelt , glanzlos und farblos . Sie dachte flüchtig an Sommertage voll Duft und Glanz , da sie über diese Brücke gegangen , über den jungen , grünen , schäumenden , herrlichen Rhein . » Wäre ich nie geboren ! wäre ich doch nie geboren , « sagte sie voll Bitterkeit . Es schlug elf Uhr , als sie vor dem Hause stand , in dem Hermann ein Zimmer gemietet hatte . Es war ein kleines Hotel ; unten , in der Bierstube wurde laut gesprochen , eine keifende Frauenstimme zankte mit einer dumpfen , weinerlichen . Man hörte Gepolter , Geschirr klapperte . Josefine zog die Glocke , und sogleich erschien , mit gerötetem , zornigem Gesicht , die Frau aus dem Gastzimmer , die Wirtin . Mißtrauisch betrachtete sie die Fremde , die hier nach ihrem Sohn fragte . » Weiß nit , ob er daheim ist . « Ein Trupp Gäste unter triefenden Regenschirmen kam in den Flur . Mit erheiterter Miene wandte sich die Wirtin ihnen zu ; gleichgültig , über die Schulter weg , rief sie nach dem Mädchen , daß es die Dame hinaufbegleite . Hermanns Tür war verschlossen , kein Klopfen half . » Er ist jedenfalls noch nit daheim , « sagte das Mädchen , ein hübsches , junges Ding mit verweinten Augen und trotzigem Munde , und ohne viel Umstände stellte sie den Leuchter auf ein halbrundes Tischchen , nahe der Tür , knixte » Sküsi « und rannte wieder hinunter zur Bedienung der Gäste . Josefine verlangte ein Zimmer . Es war alles besetzt bis auf eine Mansarde , droben , neben Hermanns Stübchen . » So ist ' s am besten , « sagte die Mutter erfreut , » ich werde hören , wann er kommt . Kommt er oft spät heim ? « machte sie hastig . Das Mädchen blinzelte mit den schweren Augenlidern . » I könnt ' s gewiß nit sagen - ' s sind halt junge Herre . Wünsche Sie no öppis ? « Da saß sie nun neben dem Stearinlicht auf dem Stuhl und wartete auf ihren Sohn . Sie hatte Regenmantel und Hut abgelegt , fröstelnd drückte sie die Arme an den Leib , hielt sich steif aufrecht , um wach zu bleiben . Langsam verrann die Zeit . Sie legte ihre Uhr vor sich auf den Tisch , horchte auf jedes Geräusch . Manchmal kam es über die Treppen , eine Tür wurde aufgeschlossen . Dann sprang sie auf und starrte hinaus , aber es war niemand ins Nachbarzimmer gegangen . Der Regen floß in breiten , ölartigen Streifen an den kleinen Scheiben hinunter - die Kerze , die einen Bruch in der Mitte hatte , fiel bald auf die eine , bald auf die andere Seite und tropfte schnell ab , stand schon in einem weißen See ... Ich bin ganz kopflos hierher gekommen , ich hätte schreiben sollen vorher , dachte sie . Es war halb zwei jetzt . Weiß Gott , wo der sich herumtreibt . Man muß nur die Ruhe nicht verlieren - mit Heftigkeit geht es nicht - ich werde ganz ruhig - Langsam begann sich das Licht zu vergrößern - wurde undeutlich , wurde wieder groß - die Stube drehte sich - das Fensterchen , von dem ein Stück fehlte , weil die schräge Wand da hinunterschnitt - Ha - a - a - a - a - h. Sie schreckte plötzlich auf , erschreckt durch ein Geschrei , ein Sprechen und Winseln ! Sie setzte sich aufrecht auf dem Sofa - wie kam sie hierher ? - dieser erstickende Qualm , diese Dunkelheit - dieses Geschrei ? Durch die Wand , an der sie saß , hörte sie es wieder , grob und heiser : » Usse ! 13 usse !