brummte Willy , während Schipper sich duckte und das rote Tuch verschwinden ließ . » Aber junger Herr ! Was haben S ' denn gmacht ! Warum haben S ' denn net gschossen ? So an Bock auslassen , Mar ' und Josef ! « Zwischen den beiden entwickelte sich ein mit Flüsterstimmen geführter Disput , den der Hall eines Schusses unterbrach . Drunten auf dem Hauptstand wurde Graf Egge durch diesen Schuß aus seinem regungslosen Spähen und Lauschen geweckt ; als er hastig das Gesicht gegen die Höhe wandte , auf welcher Robert seinen Stand hatte , sah er den Pulverdampf über die Latschen gleiten und einen verendeten Gemsbock mit schlagenden Läufen über den steilen Grashang herunterrollen . Wütend , mit übereinandergepreßten Zähnen , lachte Graf Egge vor sich hin . » Natürlich , jetzt hat er das Geld ! Wenn es für ein Telegramm nicht schon zu spät wär ' , ich möcht ' ihm einen Strich durch die Rechnung machen ! « Über das weite Latschenfeld herunter klang der Juchzer eines Treibers . Graf Egge schien die Bedeutung dieses Rufes zu verstehen ; ein Ruck ging durch seine Gestalt , seine Hände schlossen sich fester um die Büchse , und die funkelnden Augen hefteten sich auf ein Gehäng , auf dem die Hauptwechsel des Triebes zusammenliefen . Zwischen dem fernen Grün sah er einen rötlichen Schimmer gleiten ; mit vorsichtiger Bewegung hob er den Feldstecher , und der Blick , den er durch das Glas warf , steigerte seine leidenschaftliche Erregung . Über den Büschen sah er die Kronen eines mächtigen Hirschgeweihs erscheinen und wieder verschwinden . Schon hörte er , näher und immer näher , das leise Brechen der Äste . Er atmete tief und legte die Büchse an die Wange , um schußfertig zu sein , wenn der Hirsch aus der Dickung träte . Da krachte auf Roberts Stand der zweite Schuß , eine Gemse mit baumelndem Vorderlauf schleppte sich über den Grashang , und vor dem Hauptstand im Dickicht schwankten die Äste , während die Sprünge eines flüchtenden Wildes sich entfernten . Zornröte goß sich über Graf Egges Gesicht , und mit einem Fluch setzte er die Büchse ab . In der Treiberkette erhob sich wirres Geschrei , aus dem eine einzelne Stimme herausschallte : » Obacht , rückwärts ! Ruckwärts ! « Franzl , der mit Tassilo am Saum eines steilen Lärchenwaldes saß , spitzte bei diesem Ruf die Ohren und flüsterte : » Passen S ' auf , Herr Graf ! « Im gleichen Augenblick sah er schon , noch außer Schußweite , den flüchtigen Hirsch zwischen den Latschen auftauchen und stammelte : » Heilige Dreifaltigkeit ! Der Sechzehnender von gestern ! Sie haben a Glück , so was gibt ' s nimmer ! « Auch Tassilo hatte den Hirsch schon gewahrt und hob die Waffe . » Jetzt halten S ' aber sauber hin ! Wann wieder a Malör passiert , gibt ' s den ärgsten Verdruß mit Ihrem Herrn Vater . « Das schien auch Tassilo zu befürchten , und dieser Gedanke machte ihn unruhig . » Nehmen Sie Ihre Büchse , « sagte er leis , » und wenn der Hirsch mit meiner Kugel weitergeht , so geben Sie einen Fangschuß ab ! « » Gut ! Aber treffen müssen S ' ihn ! Sonst komm ich in die schönste Suppen eini , wenn ich schieß ! « Dem Jäger zitterte vor Erregung die Hand , mit der er lautlos den Hahn seiner Büchse spannte . Steine klapperten im Dickicht , laut krachten die brechenden Äste , eine stäubende Erdscholle wirbelte in die Luft , und mit zurückgelegtem Geweih , die Vorderläufe eingezogen , sauste der Hirsch aus den Latschen hervor , mit herrlichem Sprung eine tiefe Wasserrinne übersetzend . Da krachte der Schuß . Tassilo ließ die rauchende Büchse sinken und sah den Hirsch mit jagenden Sprüngen den Saum des Waldes gewinnen . Wohl hatte Franzl seine Waffe an die Wange gerissen , doch es schien , als wollte er sie unschlüssig wieder sinken lassen . » Aber so schießen Sie doch ! « stammelte Tassilo . Da reckte sich Franzl , und in seinem Gesicht , das er an den Kolben der Büchse drückte , spannte sich jeder Zug . Gleitend folgte der blinkende Gewehrlauf dem Weg des Wildes - hallend blitzte der Schuß - mit einer steilen Flucht quittierte der Hirsch den Empfang der tödlichen Kugel und verschwand in einer Senkung des Waldes . Lachend setzte Franzl die Büchse ab . » Der muß liegen , Herr Graf , der hat mein Schuß mitten auf ' m Blatt . Aber wo meinen S ' denn , daß der Ihrige stecken könnt ? « Tassilo zuckte die Achseln . Der Jäger wurde unruhig . » Um aller Heiligen willen Sie werden ihn doch troffen haben ? « » Ich glaube . Wenigstens hab ' ich Rot gesehen , als mir der Schuß brach . « » Gott sei Dank , da kann ' s ja so weit net fehlen ! Aber setzen S ' Ihnen nieder ! Wir dürfen vom Stand net weg , eh ' s Treiben net aus is . « Sie nahmen ihre Plätze wieder ein , und immer weiter entfernten sich die Rufe der Treiber . Es fiel kein Schuß mehr . Noch ehe die Treiberwehr sich aufzulösen begann , hatte Graf Egge schon die Büchse auf den Rücken genommen und stapfte ungeduldig vor seinem Stand umher , als wäre er lange Stunden in grimmiger Kälte gesessen und wollte sich nun die Glieder warm machen . Dabei brannte sein Gesicht in dunkler Röte , und immer wieder fuhr er mit zuckenden Fingern durch die Bartsträhne . Als er Robert über den Berghang herunterkommen sah , drehte er ihm den Rücken . Robert lächelte und ging auf den Vater zu . » Ich habe zwei gute Böcke , Papa ! « Die Antwort ließ auf sich warten . » Natürlich ! Hast sie mir