, ihre Mutter soll aber irgend von altem Griechenboden , aus Thessalien herstammen . « » Ganz glaublich ! Und auch in diesem Falle noch eine Rarität ! Viel Vergnügen , Herr Salander ! « Die Worte des Künstlers und Kenners bewirkten eine seltsame Aufregung im innern und äußern Martin ; sie machten sein Herz klopfen und seine Augen glänzen , während sie zugleich seine Schritte lähmten , daß er sich auf eine im Gehölze befindliche Bank niederlassen mußte . Welch eine Bestätigung seines Schönheitsgefühles ! Wie wurde sein dunkler Trieb aufgehellt , noch eine Strecke Weges im Strahle echter Schönheit zu wandeln , und er ahnte nicht , wie echt pedantisch es war , durch Aussagen eines andern , eines Kenners , sich bestärken zu lassen . Er nahm sich aber zusammen , von Stimmen nahender Leute geweckt ; es waren die Wohlwendschen , die ihn aufsuchten . Mit verändertem Wesen , wie einer , der einen Geist gesehen hat , voll inneren Staunens über den Reichtum des Lebens und zugleich in ernster Zurückhaltung befangen , schritt er mit ihnen nach dem Garten zurück , wo eine Abendkollation bestellt war . Dort verharrte er , wenig sprechend , an Myrrhas Seite , die er ungesucht gefunden , und überließ ihrem Schwager das Wort , der den Frauen und Knaben allerlei Unterricht erteilte und zuweilen unversehens den Freund Salander mit einem » Ist ' s nicht so ? « überraschte und ihn dabei aufmerksam betrachtete . Unterdes sammelten sich noch andere Gäste , die zu Pferde oder im Wagen ankehrten und den schönen Abend noch rasch genießen wollten , darunter Leute , die dem Herrn Wohlwend nicht gefielen , weil es wahrscheinlich alte Gläubiger waren . Sie erkannten ihn zwar nicht , und wenn es auch geschehen wäre , so hätte es nichts zu sagen gehabt ; denn es liefen manche Geschäftsleute herum , welche ein oder mehr Male sich abgefunden , ohne deswegen belästigt zu werden . Allein es war ihm jetzt nicht angenehm , zumal er bemerkte , daß die Herren fleißig nach dem Fräulein Myrrha Glawicz zu blicken anfingen , und aus diesem gleichen Grunde war es auch Martin Salander recht , aufzubrechen . Sie ließen also einspannen und fuhren mit angehender Dämmerung ab . Als sie die Stadt erreichten , war es Nacht . Martin brachte die Familie Wohlwend in ihre Straße und begab sich dann zu Fuß nach Hause , langsamen Schrittes , bald gesenkten Hauptes , bald nach den Gestirnen ausschauend , welche einzeln und zu zweit hie und da in der Höhe über die Gassen zogen , ebenso säumig , wie der Mann in der Tiefe . Die alte treue Magdalene , die seiner geharrt , öffnete die Haustüre , erfreut , daß der Herr kam , nachdem sie den ganzen Tag allein im Hause gewaltet . » Habt Ihr auch ordentlich gelebt ? « fragte er ; » ich will wetten , es war Euch alles zuviel ! « » Mir ? Da kennen Sie mich schlecht , Herr Großrat ! Ich habe getan , was mich gut dünkte ! Mittags hab ich einen dicken Pfannkuchen und einen Salat gehabt , wie ein Fuder Heu , mit heißem Speck angemacht , Herr Großrat ! und abends kochte ich eine Milchsuppe , wie meine selige Mutter sie machte , es ist lang her ! mit Brot und Pfeffer drin ! Dazwischen hab ich alles Messing in der Küche geputzt und mir dazu extra einen Schoppen Wein im Keller geholt ! « » Ei , warum nicht gar ! « » Freilich , vom letztjährigen , der im Sommer gut für den Durst ist , wenn Sie ihn schon nur Purrligeiger nennen ! Aber haben Sie denn auch zu Nacht gegessen , Herr Großrat ? Soll ich Ihnen nicht Tee machen und etwas Kaltes dazu ? « » Gar nichts brauch ich ! « » Nur der Sympathie wegen ! Denn die Frau sitzt im Lautenspiel gewiß noch mit den Kindern zusammen und sie plaudern und tun sich gütlich ! Die armen Kinder ! Wie haben sie sich gebettet ! Aber Jugend hat eben keine Tugend , und ich Esel mußte noch mithelfen ! Glücklich , wer darüber hinaus ist , über das böse Wesen , und kein unruhiges Herz mehr hat ! « Martin Salander hörte nicht mehr und schickte die Magd zu Bett . Erst als sie aus dem Zimmer gegangen , hörte er nachträglich die Worte : » Glücklich , wer kein unruhiges Herz mehr hat , « wie man öfter in der Zerstreutheit eine Rede vernimmt , die schon verklungen ist wie ein Ruf im Felde . Aber er achtete nicht darauf , sondern ergriff das Licht und schritt in das Schlafzimmer hinüber , wo es still war , wie in einer Gruft . Der Spiegel seiner Frau warf ihm den Schein der flackernden Kerze entgegen , welche teils von seinen starken Schritten , teils von einem leisen Luftzuge unruhig brannte . Salander stellte sich vor den Spiegel , und das Licht emporhaltend , begann er prüfend sich selbst zu beschauen ; allein es beschlich ihn eine Scheu , es ward ihm zumut , als ob Marie Salander ihm mit ernsten Augen über die Schulter blickte und erblassend verschwände . Seine Aufregung verwünschend , ging er in das Besuchzimmer , wo ein großer wohlgeschliffener Spiegel hing , und stellte sich vor diesem auf . Martin Salander war nie ein Liebhaber seines Gesichtes gewesen und bewunderte es im Spiegel so wenig als in den Bildern , welche die Sitte der Zeit ihm abrang . Er ging nun im fünfundfünfzigsten Lebensjahre ; zwar nicht älter erscheinend als die meisten seiner Altersgenossen , die sich leidlich erhalten , sah er doch keineswegs so jung aus wie einer jener Glücklichen , die immer Zweiundvierziger bleiben ; das noch volle und sogar buschige Haar , sonst blond , war so bezuckert wie ein Ährenfeld , auf das der späte Reif gefallen ist , ebenso der