Männer sich unversehens grüßend anriefen , dann schäkerte und tollte sie erst noch eine Weile mit dem Kinde , ehe sie ihr flammend rotes Gesicht der Hütte zukehrte . Für die Sternsteinhofbäuerin kamen nach den bösen Tagen keine guten ; wohl war sie wieder auf die Füße gekommen , aber diese erwiesen sich als gar schwach , und bei recht üblem Wetter versagten sie fast ganz den Dienst und erlaubten ihr nur , sich morgens vom Lager zum Sorgenstuhle zu schleppen ; für sie , die dann den langen Tag über , in denselben gebannt , saß und grübelte und sich trüben Gedanken hingab , benamte er sich mit Recht so und nicht in dem freundlichen Sinne , der auf das müde Alter anspielt , das in ihm , die Sorge anderen überlassend , ausruht . Sie hatte vollauf Zeit , ihren Gedanken nachzuhängen , und diese führten immer hartnäckiger zu quälenden Vermutungen . - Ob ihr nicht lieber gewesen sein sollte , der Bauer hätte in seiner Ungeduld und Ungebühr gegen sie beharrt ? Es war das doch erklärlich ; worin aber hatte seine plötzliche Freundlichkeit ihren Grund ? - Der Mann sah und fragte ihr nach , aber er sah sie dabei kaum an und wartete auf manche Frage die Antwort gar nicht ab . Er sprach mit ihr wie mit jemandem , mit dem man sich öfter zwischen denselben Wänden zusammenfindet , Verträglichkeit halber , gleichgültig . - War denn dann das Stiften des Votivbildes ein Liebeswerk ? Und wem zuliebe wohl ? - Bringt er nun nicht seine meiste Zeit bei den Leuten da unten zu . Oh , und die soll schön sein , die da unten ! Was führte die alte Hexe - man hatte ihr wohl gesagt , wer die wäre - so häufig herauf , was läßt sie mit einmal wegbleiben ? - Erreicht war ' s ! Eingedrängt hatte sich eins an ihre Stelle . Sie erwehrte sich aus aller Macht dieses Denkens , sie klagte es vor sich selbst als eine leere Einbildung an , die nur durch die von ihrer Krankheit herbeigeführte Verlassenheit und Verdrossenheit entschuldigt werden könne ; aber es kam eine Nacht , wo die argen Vermutungen zur Gewißheit wurden und diese den Glauben , den das arme Weib bisher aufrechtzuerhalten versuchte und sich mit ihm , den Glauben an die Neigung des Mannes , erbarmungslos hinwegtilgte . Sie hatte stundenlange schlaflos gelegen , da begann plötzlich der Bauer drüben in seinem Bette zu murmeln und halblaut im Traume zu reden . Sie reckte erst den Hals und horchte , hierauf erhob sie sich leise und schlich mit schwanken Schritten ganz nahe hinzu ; sie beugte sich zu dem Schläfer herab , um kein Wort zu verlieren . Eine Weile stand sie lauschend , dann rang sie die Hände krampfhaft ineinander und brach in die Knie . So lag sie noch , als es schon lange in der Stube wieder stille geworden . Mit einmal kam Leben in sie , sie erhob sich rasch von der Diele , begann sich hastig vom Kopf bis zum Fuß anzukleiden und verließ die Stube . Erst als sie an der Treppe anlangte , stieß sie den bis jetzt mit übermenschlicher Anstrengung zurückgepreßten Schrei aus . Es klang gar eigentümlich heiser und schrill durch das nächtlich ruhende Haus . Dann tastete sie sich Stufe für Stufe die Stiege hinunter . Im Hofraume angelangt , stand sie einen Augenblick und sog tief Atem in sich , dann bog sie hurtig um die Ecke und strebte , beinahe laufend , dem Ausgedingehäuschen des Alten zu . Es war unverschlossen ; sie stieg nach dem Stockwerk empor und pochte dort an der Türe . Der alte Sternsteinhofer schlief einen gesunden Schlaf , eine geraume Frist verstrich , bis sie ihn innen murren hörte : » Eh , was gibt ' s ? « Auf erneuertes Pochen erst fragte er völlig ermuntert : » Wer is denn da ? « » Ich bin ' s , die Sali . « » Die Sali , ei , du mein . « Ein Schüttern der Bettstelle , dann ein hastiges Umherfegen , und der Alte , der Beinkleider und Joppe übergetan , erschien unter der sich öffnenden Türe . » Herr du mein Gott ! ' s wird doch kein Unglück auskommen sein ? ! Sali , was is ' s ? Was hast denn ? « Das Weib war in lauthalses Schluchzen ausgebrochen . » Komm hrein , komm hrein ! « Er faßte sie an der Hand und zog sie in die Kammer und nötigte sie auf einen Stuhl . » Fein gscheit , Sali , fein gscheit ! So verstehn wir sich nit . Nimm dich zsamm . Soll ich was erfahren , mußt auch reden . Nimm dich zsamm . Ich mach derweil Licht . « Wenige Augenblicke hernach saßen beim Scheine der flackernden Öllampe der alte Mann und das bleiche Weib sich gegenüber . Der Bauer starrte die Klagende mit emporgezogenen Brauen an , sie sprach in abgerissenen Sätzen und mit schüttelnden Gebärden , und sooft sie die Rede unterbrach , mit der Rechten die Schürze aufgreifend und darunter schluchzend , während die Linke über dem Tische zuckte , faßte der Alte mit seinen breiten Tatzen nach dieser kurzfingerigen Hand und drückte und streichelte sie . - - Es war gegen Morgen , als der alte Sternsteinhofer die Bäuerin nach dem Hause zurückgeleitete . Er blieb unten an der Treppe lauschend stehen , als sie dieselbe hinangestiegen war . Oben rührte und regte sich nichts . Er lugte scharf um sich ; auch vom Gesinde ließ sich keines verspüren . Er kehrte nach seinem Ausgeding , kopfnickend und die geballten Fäuste vor sich schüttelnd . Als nach des nächsten Tages Arbeit Toni wieder seinen gewohnten Weg gegangen war , berief die Bäuerin die alte Kathel zu sich , daß diese ihr beim Ankleiden behilflich wäre , es gelte einen Besuch . »