es nicht nur dir ermöglicht , sondern es ist auch ihm eine Satzung des Blutes , die Pflichten für die Vergangenheit den Aufgaben für die Zukunft zu einen . Bedarf ich deines bindenden Wortes , Lydia , daß du für deine Mutter und deine Geschwister Sorge tragen wirst nach wie vor als für deine eigensten Angehörigen , wenn ich von ihnen gegangen bin ? « » Nein , Vater , « antwortete Lydia , indem sie seine Hand an ihr Herz drückte , » nein , es bedarf keines ausdrücklichen Versprechens , um mich in irgendeiner Lage an das Gesetz der Treue gegen die Menschen , welche bis heute meine nächsten waren , zu mahnen . Aber vergib , wenn ich in diesem Betracht deine Auffassung meines Verhältnisses zu Max nicht begreife . Denn auch seine zweifelhafte äußere Lebensstellung war ein Grund , um dessentwillen ich an deiner Zustimmung verzagte . Er dankt seine Ausbildung fremder Unterstützung , er ist durch diese Unterstützung , die er fortan entbehren wird , verwöhnt , ist sorgloser Gemütsart . Es wird Jahre währen , bevor er irgendwelches Amt , irgendwelche Verwertung seiner mannigfachen Anlagen erringen kann . Und du baust auf ihn als den Schützer deiner Familie ? du nennst ihn einen begüterten Mann ? « » Er wird es in der Kürze sein , « versetzte der Propst mit sichtbarem Zwang . » Sein Großvater ist noch ein rüstiger Mann , « entgegnete Lydia unerschrocken , da Klarsehen ihr jetzt zu einer Pflicht geworden war . » Seine Familie ist ihm gänzlich entfremdet ; und zwischen dem Großvater und dem Enkel steht die Mutter . « » Nun denn , Lydia , - « sagte Herr von Hartenstein nach einem tiefen Atemzuge , » ich hätte diese Erörterung dir und mir erspart gewünscht , da du mich aber zu derselben drängst , so wisse , daß ohne Zweifel Max der Erbe von Werben ist . « » Der Erbe von Werben - Max - , Vater ? « fragte Lydia betroffen . » Zuverlässig , Lydia . Deine Mutter stand der Besitzerin verwandtschaftlich näher , aber sie stand ihr äußerlich wie innerlich fern . Wenn ich nun das Wesen der wunderlichen Greisin von Grund aus überdenke , so suchte sie für ihr altes Geschlecht einen Stammhalter , auf den sie wohl selbst seinen Namen überträgt ; und dürfen wir uns darüber täuschen , wie weit an Glanz der Gaben , die sie über alles schätzte , unser Martin gegen seinen Vetter zurücksteht ? Philipp , der ihm einmal ähnlicher zu werden verspricht , lag noch in der Wiege , als sie ihren letzten Willen abfaßte und niemals änderte . Dazu das nahe Verhältnis zu Sidonie , die ihrer Sache gewiß scheint . Es ist so ; es kann kaum anders sein ; - aber - ich fühle mich erschöpft . Geh , Lydia , hole Max - und dann laßt mich ruhen . « Lydia ging , aber nicht beflügelten Schrittes wie eine , der sich ein entzückendes Hoffen erfüllen soll . Ein Nebelflor hatte sich plötzlich zwischen ihr Auge und den Sonnenschein gedrängt . » Max und Lydia sind verlobt ! « mit diesem Jubelruf trat am anderen Morgen Sidonie in die Pfarre ein . Pastor Blümel fuhr erschrocken , wie vor einer Hiobspost , zusammen , und auch seiner Hanna , die doch sechs Töchter mit so gutem Glauben unter die Haube gebracht hatte , wollte der Glückwunsch gar nicht flott vom Herzen gehen . Röschen und Dezimus dahingegen waren wohl erfreut , aber gar nicht überrascht . Sie hatte schon am Bestattungsabend ein Liebesvögelchen über dem Schlosse zwitschern hören ; er hatte ja von jeher an eine Konjunktion des herrlichen Jupiter und der holden Venus geglaubt . Die hausbackene Folgerung von Hochzeit und Herdfeuer wie bei gemeinen Sterblichen wollte ihn freilich hier ganz kurios bedünken . » Sie sind füreinander prädestiniert ! « rief Sidonie in ihrer Herzensfreude . » Wer hat schon ein so vollkommenes Menschenpaar gesehen ? Ach , die Schönheit gibt doch das einzige Frauenrecht auf Glück ! Beide reinster Hartensteinscher Typus und doch Gegensätze , auch seelisch . Hier übersprudelnde Fülle ; einsaugende , sammelnde Stille dort ! Und daß auf diese Weise ein natürlicher Ausgleich für getäuschte Erbaussichten bewerkstelligt wird , auch das ist mir lieb ; denn verdrießlich ist solch ein Vorzug unter Gleichberechtigten allemal . Schade , daß Sie ihnen nicht die Traurede halten dürfen , Papa Blümel . Der Propst wird sich diese natürlich nicht nehmen lassen . Ich möchte um meines Mäxchens willen , sie wäre schon überstanden . Das Hochzeiten müßte eigentlich aus dem Stegreif ganz in der Stille betrieben werden . Den Trauermonat muß man natürlich anstandshalber respektieren . Dann aber auch keinen Tag zwecklosen Sehnens mehr . Die Brautreise gönne ich den Glücklichen allein , wohin und so lange es ihnen beliebt . Geht es aber an das Hüttenbauen , so hausen wir zu dreien , und der Welt wird ein Exempel vorgeführt werden , daß es sich mit einer Schwester weit behaglicher als mit einer Schwiegermutter wirtschaften läßt . « Max täuschte weder seine Braut noch sich selbst , wenn er sie seine erste Liebe nannte . Wohl war er kein Neuling in der Frauenhuld , er hatte seit den Knabenjahren Knospen und volle Rosen mancher Art umflattert . Eine Blüte so rein und eigenartig wie diese hatte sich aber ihm noch niemals erschlossen , und wie vor einem ungeträumten Gebilde dem Künstler plötzlich ein höheres Ideal aufgeht , so ergriff sein Gemüt der Zauber dieser keuschen , heiligen Schöne . Zum ersten Male blickte er zu einem Menschen empor . Dennoch war Lydia noch glücklicher als er . Sie , der Emporblicken eine Gewöhnung war , sie fühlte zum ersten Male die Wonne des Umfangens . Ihr innerlichster Kelch öffnete sich dem warmen Sonnenstrahl . War sie im eigentlichen Sinne niemals ein Kind gewesen , nun erst , da das Weib in ihr die Hülle