den Fenstern ; aber da ist nichts als der finstere Wald und der Sternenhimmel . - Was sollten sie ansonsten denn noch sehen ? Der Alte guckt schmunzelnd nach links und nach rechts , wie viel er wohl Zuhörer habe . Sonach stellt er sich mitten in die Stube hin , pocht mit dem Stocke mehrmals auf den Fußboden und hebt so an zu reden : » Da steh ich allein draußen auf der Heid , und schau ' schläfrig herum weit und breit , und treib meine Schäflein zusamm ' ; hab ' dabei gehabt ein wutzerlfeist ' s Lamm . Und wie ich das anschau eine Weil , da hör ich ein G ' hetz und ein G ' schall , grad hoch in der Luft , es ist wahr , und sie musizieren sogar . Ich hab nit g ' wußt , was das bedeut ' t , und wer denn da tobt voller Freud . Die Lämmlein sein g ' sprungen drauf eins nach dem andern auf ; das feiste hat so lieblich plärrt , wie es das Wunder hat g ' hört . Drauf seh ' ich - hab g ' meint , ' s ist ein ' Mär - kleine Bub ' n fliegen in Lüften umher . - Ein Engel fliegt grad auf mich zua , den frag ich : was gibt ' s denn heut , Bua ? Da schreit er gleich lustig und froh : Gloria in excelsis Deo ! - Das kunnt ich , mein Eid , nicht versteh ' n : Geh ' , Bübel , mußt deutsch mit mir red ' n ; ich bin ein armer Hirt in der G ' mein , und die Lämmlein können auch nit Latein . - So mach ' sich der Hirt nur geschwind auf und geh ' er nach Bethlehem drauf , dort wird er finden ein neugebor ' n Kindelein ; ja gar ein wunderschön Kind liegt zwischen Esel und Rind . Nicht in einem Königssaal , nur in einem Ochsenstall liegt unser eing ' fatschter Gott , der uns hilft aus aller Not . « Das ist des alten Sängers » Botschaft « , die er während der Weihnachtszeit in allen Häusern verkündet . Wir haben ihm einen kleinen Botenlohn gegeben , da sagt er noch ein paar heitere Sprüche und humpelt wieder zur Tür hinaus . Die Leute sind ganz schweigsam und andächtig geworden ; und erst als die Kirchenglocken zu läuten anheben , werden sie wieder lebendiger und verlassen , unbeholfen in Worten und Gebärden , die Stube . Ich habe das Licht ausgelöscht , das Haus verlassen und bin in die Kirche gegangen . Das ist die Nacht , in welcher vom Orient bis zum Okzident die Glocken läuten . Ein Freudenruf schallt durch die Welt und die Lichter strahlen wie ein Diamantgürtel um den Erdball . - Auch in unserer Kirche ist es licht , wie am hellen Tage , nur zu den Fenstern schaut die schwarze Nacht herein . Jeder hat ein Stück Kerze , oder gar einen ganzen Wachsstock mitgebracht , denn in der Christnacht muß er seinen Glauben und sein Licht haben . Die Leute drängen sich zum Kripplein , das heute an der Stelle des Beichtstuhles aufgerichtet worden ist . Ich habe vor mehreren Jahren aus Linden- und Eschenholz die vielen kleinen Figuren geschnitzt und sie zur Versinnlichung der Geburt Christi zusammengestellt . Es ist der Stall mit der Krippe , mit dem Kindlein mit Maria und Josef , mit Ochs und Esel , es sind die Hirten mit den Lämmlein , die heiligen Könige mit den Kamelen ; es sind ferner spaßhafte Gestalten und Gruppen , wie sie Freude , Wohltun und Liebe zum Christkinde nach der Leute Auffassung ausdrücken sollen . In der Luft hängen die Engel und die Sterne und im Hintergrunde ist die Stadt Bethlehem . Was der Rüpel weiß zu sagen in Worten , das will ich durch diese Bilder erzählen . Und die Leute erbauen sich baß an dieser Darstellung . Aber sie halten sie , Gott sei Lob , eben nur wie ein Bild , von dem sie wissen , daß es nichts bedeuten und nichts wirken kann , als die Erinnerung . Mit einem Heiligenbilde auf dem Hochaltare wäre das anders ; das hätten sie Jahr um Jahr und in allen Lebenslagen vor Augen , das täten sie wohl zum Herrgott selber machen . Auf dem Chore ist in dieser Nacht Unheil gewesen . Der Pfarrer stimmt schon das ambrosianische Loblied an , ich sitze an der Orgel und ziehe zur hohen Festfreude alle sechs Stimmenzüge auf - da platzt jählings der Blasebalg und die Orgel stöhnt und pfaucht und gibt keinen einzigen klingenden Ton . Meiner Tage bin ich nicht in solcher Verlegenheit gewesen , als in dieser Stunde . Ich bin der Schulmeister , der Choraufseher , ich muß Musik machen ; und die Musik ist ja eigentlich das Fest und ohne Musik gibt es in der Kirche gar keine Christnacht . Aller Leut ' Herzen hüpfen , aller Leut ' Ohren spitzen sich der Musik entgegen , da schürft mir der Teuxel jetzt den Blasbalg auf . Ich habe meinen Kopf in die Hände genommen , hätte ihn am liebsten zum Fenster hinausgeworfen . Vergebens hüpfen meine Finger alle zehn über die Tasten hin ; taubstumm ist das ganze Zeug und wie maustot . Der Paul Holzer , sein Weib und die Adelheid von der Schwarzhütte , die auf dem Chore neben mir sitzen , merken wohl meine Pein , aber sie rücken nur so her und hin und hüsteln und räuspern sich und heben an in hellen Stimmen zu singen : » Herrgott , dich loben wir all ! « Das ist mir wie Öl ins Herz gegangen . Aber das Lied wird bald aus sein und danach kommt das Hochamt , und da muß Musik , Chormusik sein um alle Welt . Holpert der alte Rüpel die