sich jetzt ruhig und kalt an den verdutzt Dastehenden , » er kann jeden Augenblick hier sein ... Sie werden sicher nicht wünschen , daß ich ihn bitte , mich von Ihrer Begleitung zu befreien ; ich rate Ihnen deshalb , freiwillig den Rückweg anzutreten . « Wirklich blieb er feige stehen , während sie sich mit dem Hunde entfernte , aber er stampfte wütend mit dem Fuße auf und verwünschte seine rasende Leidenschaft , die ihn unvorsichtig gemacht hatte . Daß er dem jungen Mädchen in Wirklichkeit einen Widerwillen einflößen könne , das fiel ihm nicht im entferntesten ein , ihm , dem Vielbegehrten , von dem ein karges Wort , eine Aufforderung zum Tanze in der gesamten L.schen Damenwelt Sensation machte und oft zur Fackel der Zwietracht wurde . Ihm konnte ein solcher Gedanke gar nicht kommen . Es lag viel näher , daß die Forstschreiberstochter eine Kokette war , die ihm die Eroberung so schwer wie möglich zu machen suchte . An die jungfräuliche Reinheit der Seele , die Elisabeths ganze Erscheinung so unwiderstehlich machte , und deren Zauber gerade auf ihn , wenn auch von ihm unverstanden , hinreißend wirkte - an jenes keusche , unentweihte innere Leben glaubte er nicht , und deshalb konnte er auch nie zu dem Schlusse gelangen , daß das junge Mädchen instinktmäßig vor seiner inneren Zerrüttung und Verdorbenheit zurückbebe . Er machte sich heftige Vorwürfe , zu plump und stürmisch gewesen zu sein , wodurch er das heißbegehrte Ziel selbst wieder in unbestimmte Ferne gerückt hatte . Ueber eine Stunde lief er im Walde umher , um Herr seiner Aufregung zu werden , denn die dort drüben auf dem Festplatze , von welchem die heiteren Klänge der Tanzmusik zu ihm herüberschallten , durften ja nie erfahren , daß hinter der interessant kalten , verschlossenen Außenseite ein solcher Vulkan tobte . Elisabeth war scheinbar festen Fußes schnell weiter geschritten . Sie hütete sich jedoch , rechts oder links zu sehen , in der Furcht , sein verhaßtes Gesicht könne plötzlich wieder neben ihr auftauchen . Endlich wagte sie es , stehen zu bleiben und sich umzusehen - er war verschwunden . Aufatmend lehnte sie sich an einen Baumstamm , um vorerst ihre Gedanken zu sammeln , während Hektor ruhig und mit klugem Blicke vor ihr stehen blieb , als wisse er genau , daß er heute die Rolle ihres Beschützers spiele . Er hatte ohne Zweifel einen Spaziergang auf eigene Faust durch den Wald gemacht , denn von seinem Herrn war keine Spur zu sehen . Elisabeth fühlte jetzt erst , wie ihre Kniee zitterten . Ihr Schrecken , als Hollfeld gewagt hatte , sie zu umschlingen , war ein unbeschreiblicher gewesen . In ihrer unschuldigen Seele war nicht einmal der Gedanke an eine solche Roheit aufgetaucht ; deshalb hatte der plötzliche Angriff sie momentan starr gemacht vor Entsetzen . Sie vergoß schmerzliche Thränen der Scham , als Herrn von Waldes Bild vor ihr aufstieg , nicht mit dem milden Ausdrucke der letzten Stunden , sondern in seiner ganzen Strenge und Unnahbarkeit ; sie glaubte , nicht zu ihm aufblicken zu dürfen , weil jener Mensch sie berührt hatte . Ihre ganze Glückseligkeit lag zertrümmert zu ihren Füßen . Die unselige Begegnung mit Hollfeld hatte sie schonungslos in die Gegenwart zurückgeführt ; seine Aeußerungen über Herrn von Walde , wenn auch niederträchtig und verleumderisch , hatten doch vieles wieder wachgerüttelt , was sie sich einst als Steuer gegen ihre wachsende Neigung eingeprägt ... Sie dachte an seinen unerschütterlichen Ahnenstolz , an die sich selbst vergessende Liebe zu seiner Schwester und an die Meinung aller , daß er ein völlig kaltes Herz habe gegenüber dem anderen Geschlechte ... All die bunten , schimmernden Träume , die sie umflattert hatten auf dem Wege durch den stillen Wald , sie legten jetzt die Flügel zusammen und starben einer nach dem andern unter dem prüfenden Blicke des erwachten Auges ... Sie war sich ja jetzt nicht einmal klar , worin jene Glückseligkeit bestanden . Daß er heute eine wunderbar weiche Stimmung ihr gegenüber gezeigt und sie gegen den Hochmut seiner Verwandten hochherzig in Schutz genommen hatte , konnte dies nicht alles aus dem Gefühle einer strengen Gerechtigkeitsliebe stammen ? Hatte er nicht auch Miß Mertens geschützt und großmütig das Unrecht auszugleichen gesucht , das ihr unter seinem Dache widerfahren war ? Und der Glückwunsch ... an den Glückwunsch und an sein noch ungelöstes Ende durfte sie freilich nicht denken , wenn nicht alle Traumleichen ein fröhliches Auferstehen feiern sollten . Als sie in die Thür des Forsthauses trat , kam ihr Sabine mit angstbleichem Gesichte entgegen . Sie deutete stumm auf die Wohnstube . Der Onkel sprach drinnen laut und heftig , und man hörte deutlich , wie er dabei mit starken Schritten auf und ab ging . » Ach , ach , « flüsterte Sabine , » da drinnen geht ' s schlimm her ! ... Die Bertha ist dem Herrn Oberförster in den letzten Wochen immer geschickt aus dem Wege gegangen ; vorhin aber hat sie hier in der Hausflur gestanden und hat nicht gemerkt , daß er durch die Hofthür hereingekommen ist ; das war ihm gerade recht . Er hat nicht lange Federlesens gemacht , hat sie von hinterrücks bei der Hand genommen und in die Stube gezogen . Sie sah aus wie eine geweißte Wand vor Schrecken , aber all ihr Sperren und Zerren hat nichts genutzt , sie hat mit gemußt ... Herr meines Lebens , bei dem Herrn Oberförster möchte ich auch nicht zur Beichte gehen ... « Ein lautes Aufschluchzen , das fast wie ein erstickter Schrei klang , unterbrach Sabines Geflüster . » So recht ! « hörten sie jetzt den Oberförster mit bedeutend milderer Stimme sagen , » das ist doch ein Zeichen , daß du nicht gänzlich verhärtet und verdorben bist ... Und nun sprich auch . Denke , daß ich hier an Stelle deiner braven Eltern stehe ... Hast du einen Kummer ,