geht , ehe ich sie entbehren kann ! Wird sie mir das versagen ? Nein , o nein , gewiß nicht , mein alter theurer Freund , mein lieber Vetter , rief die Herzogin , als überwältigten sie das Zartgefühl und die Großmuth des Barons , aber gewähren auch Sie mir eine Bitte ! Befehlen Sie , theure Freundin ! Ihnen einen Wunsch zu erfüllen , wird mich glücklich machen ! Nun denn , Baron , gönnen Sie es mir , die Vermittlerin zwischen Ihnen und den Wünschen unserer lieben Angelika zu machen . Die fromme Seele hat ihr Herz einmal an den Bau der Kirche in Rothenfeld gehängt , geben Sie ihr darin nach . Sie wünschen die Gute ein wenig leichtlebiger , ein wenig fügsamer zu finden ; gehen Sie ihr mit gutem Beispiele voran und fordern Sie Nachgiebigkeit um Nachgiebigkeit . Wie gern , meinte der Baron , nur daß wir eines schönen Effectes entbehren , wenn wir den Vortheil nicht benutzen , welchen der Bau auf der Höhe uns bieten würde . O , Cousin , das ist Monsieur Herbert ' s Sache ! Sie rühmen sein Genie , seine Erfindungsgabe ; er wird einen anderen Vorschlag machen , er wird da oben eine Capelle , ein Kreuz errichten , und wenn die gute Angelika sich in ihrem heiligen Eifer genug gethan hat , nun , so wird sie allmählich auch ihren Sinn mehr den Freuden des Lebens und ihres Alters zuwenden und das beschämende Gefühl von unseren Häuptern nehmen , daß wir jünger , o , weit jünger sind , als unsere liebe junge Schwärmerin . Sie lachte und wandte ihr Haupt ab ; ihr Nacken und ihr Ohr waren noch zierlich und sehr hübsch . Wie haben Sie es gemacht , Cousine , so jung zu bleiben ? fragte der Baron . Ich habe meine Freiheit nicht darangegeben , nachdem ich sie durch den Tod des Herzogs einmal wiedergewonnen hatte , entgegnete sie . Der Baron antwortete ihr nicht darauf , aber sie glaubte ihn seufzen zu hören . Am Abende erklärte der Freiherr seiner jungen Gattin , daß er sich hinsichtlich des Baues ihren Ansichten und Wünschen füge . Sie war davon gerührt und überrascht . Aber sie ahnte nicht , daß sie die Gewährung ihres Verlangens einer fremden Frau verdankte , die wohl wußte , was sie damit gethan , als sie dem Freiherrn seinen und seiner Gattin Lebenswege als zwei von einander abweichende Pfade bezeichnet hatte . Zweites Buch Erstes Capitel In dem grünen Parke von Schloß Richten hatten die zahmen Rehe und Hirsche sich bereits gewöhnt , das Brod aus den Händen des kleinen Renatus zu nehmen , wenn die Wärterin ihn an das Gitter des Geheges führte , und in Rothenfeld stieg die Kirche schon stattlich aus der Tiefe hervor , als die Kriegstrommel durch das Land rasselte , weil der Feldzug , mit welchem man dem bedrängten Könige von Frankreich zu Hülfe kommen wollte , nun eine beschlossene Sache war . Ueberall im Lande gab es Truppenmärsche , in allen Häusern hatte man Einquartierung ; auch das große , schön gelegene Haus des Juweliers Flies war natürlich nicht davon verschont . Angenehme Gäste waren diese , von Werbern aus allen vier Weltgegenden zusammengebrachten Truppen , diese Söldlinge , welche nur mit Gewalt bei der Fahne erhalten werden konnten , eben nicht , und der Kriegsrath Weißenbach hatte es von dem Juwelier Flies als einen Freundschaftsdienst gefordert , daß dieser die auf das Haus gewiesenen Gemeinen in sein Quartier nahm und dem Kriegsrathe die beiden Offiziere überließ , mit denen doch ein Verkehr und ein anderes Auskommen möglich war . Der Kriegsrath , dem der Caplan vor einigen Jahren auf den Vorschlag des Juweliers den Sohn Paulinen ' s übergeben hatte , stand aber auch mit seinem Hausherrn immer auf dem besten Fuße . Herr Weißenbach war ein Mann , der seine Ruhe liebte , der seine festen Gewohnheiten hatte und der für das Muster eines ruhigen und fleißigen Beamten galt . An jedem Morgen ging er um die bestimmte Stunde in sein Bureau , an jedem Mittage kehrte er um die gleiche Stunde heim , und eben so regelmäßig pflegte er dann in den Laden des Juweliers zu treten , der schon lange neben seinem Gold- und Juwelenhandel ansehnliche Bankgeschäfte machte und von dem Gouverneur der Provinz , wie von dem hohen Adel mit mannigfachen Geld-Operationen beauftragt wurde . Dadurch war er meist wohl unterrichtet über alles , was in den Familien des Adels und des Bürgerstandes vorging . Der Kriegsrath seinerseits , obschon er sehr gewissenhaft über seinen Amtseid dachte , wußte doch immer Dies und Jenes von den Maßregeln der Regierung zu erzählen , was er freilich nur als Muthmaßungen bezeichnete , was aber dem scharfsichtigen und gut zusammenreimenden Kaufmanne gelegentlich doch zu Nutz und Frommen gereichte , und da man auf diese Weise für einander zugleich unterhaltend und förderlich war , so liebten beide Männer es , alltäglich ein Viertelstündchen zusammen zu verplaudern . Sie sprachen daneben vor Fremden auch günstig von einander , und befestigten und steigerten auf diese Weise gegenseitig ihren guten Ruf und ihren Credit , ohne daß sie deshalb einen eigentlichen gesellschaftlichen Verkehr unterhalten hätten . Denn die Flies ' sche Familie zu sich einzuladen , fand die Kriegsräthin nicht passend ; aber sie verschmähte es deßhalb nicht , sie hier und da einmal allein zu besuchen , von ihr jeden Dienst zu fordern und anzunehmen , welchen dieselbe zu leisten nur irgend geneigt und im Stande schien , und beide Theile glaubten nicht , sich damit etwas zu vergeben . Der Kriegsrath , wie weit er auch von der höchsten Stufe der Macht entfernt war , fühlte sich doch als einen Theil der Beamtenwelt , die in des Königs Namen das Land regierte , und der Juwelier , welcher seinen Schwerpunkt in seinem wachsenden Vermögen hatte , gönnte dem Kriegsrath seinen Beamtenstolz und sein gemessenes feierliches Wesen . Konnte er