, sagte Hortense , bei der Baronin auf dem Sopha Platz nehmend ; er hat in den letzten sechs Wochen fast ausschließlich mit seinen Reitknechten und Förstern verkehrt . Und mit Dir , mein Schatz , nicht zu vergessen ! rief Herr von Barnewitz überlaut lachend . Na , Hortense , brauchst nicht so bös zu werden . Ein Scherz muß unter Eheleuten erlaubt sein . Wie sieht es denn bei uns aus ? fragte Anna-Maria , der Unterhaltung eine andre Wendung zu geben . O , es geht ; sagte Herr von Barnewitz . Das Winterkorn steht im Allgemeinen gut ; stellenweise haben die Mäuse Schaden gethan . Der Sommer war gar zu heiß . Ich denke , daß die Nässe sie jetzt ein bischen mürbe machen wird . A propos Nässe , Grenwitz ! Wir müssen die Grabenangelegenheit endlich einmal reguliren . Wir ersaufen sonst , bei Gott , gelegentlich noch alle miteinander . Ich habe vor einigen Tagen auch mit Oldenburg gesprochen . Er gehört durch sein Vorwerk Cona mit zu unserer Feldmark . Er war auch der Meinung , daß die Sache wo möglich noch in diesem Herbst in Angriff genommen werden müßte . Ei , seit wann bekümmert sich denn der Baron um die Landwirthschaft ? Das ist ja ganz was Neues , sagte Anna-Maria . Ganz was Neues , gnäd ' ge Frau , bestätigte Herr von Barnewitz , das Allerneueste , seitdem er von seiner letzten Reise zurück ist ; also ungefähr seit vierzehn Tagen . Ich glaube , er schnappt nächstens über . Oder heirathet Ihre Cousine Melitta , sagte die Baronin lächelnd . Sollte das nicht auf dasselbe herauskommen ? warf Hortense dazwischen . Aber , liebe Hortense , wer wird so satyrisch sein ! sagte die Baronin , der spottsüchtigen Blondine schalkhaft mit dem Zeigefinger drohend . Bist eifersüchtig , Schatz ; bist eifersüchtig ! rief Herr von Barnewitz ; hast ihr stets ihre Pousseurs beneidet , weil sie immer an jedem Finger einen hatte ! Es ist eine rechte Kunst , von den Herren gefeiert zu werden , wenn man kein Mittel der Koketterie unbenutzt läßt , sagte Hortense , ihre Mantille so weit fallend lassend , daß ihre weißen Schultern zum Vorschein kamen . Na , so schlimm ist sie nun auch nicht , meinte der Gatte . Hortense zuckte die weißen Schultern . Schlimm ist ein relativer Begriff . Melitta hat in ihrem Leben so viel Anlaß zum Skandal gegeben , daß man es bei ihr allerdings nicht so genau nimmt . Dasselbe dürfte aber auch bei Baron Oldenburg der Fall sein , meinte Anna-Maria . Möglich , sagte Hortense ; ich kenne Oldenburg nicht näher - Hier mußte der Fuchsjäger nothwendig sein Taschentuch ziehen und sich mit großem Geräusch schnäuzen . Nicht näher , wiederholte Hortense , die irgend eine mysteriöse Verbindung zwischen ihren Worten und dem Schnäuzen ihres Gemahls entdecken mußte , mit Nachdruck : aber wenn er sich über Melitta ' s letzte Affaire wegsetzen kann , so muß er allerdings - viel vertragen können . Letzte Affaire ? sagte Anna-Maria , ihre Augenbrauen in die Höhe ziehend ; ei , ei ! das ist ja das Erste , was ich höre . - Geschwätz , gnäd ' ge Frau , Geschwätz ; sagte Barnewitz , der sich erinnerte , daß Melitta seine leibliche Cousine sei , und daß er als Junge von siebzehn Jahren das schöne zwölfjährige Mädchen angebetet hatte ; nichts als Geschwätz von einigen alten Kathenweibern . Alte Kathenweiber haben oft noch recht unbequem scharfe Augen , bemerkte Hortense mit einem aufmerksamen Blick nach den Stuck-Ornamenten der Zimmerdecke . Sie machen mich in der That neugierig , sagte Anna-Maria , sich in ihrer Sophaecke zurechtrückend . Es ist dummes Zeug , gnäd ' ge Frau , ich versichere Sie , sagte Barnewitz ärgerlich . Ein paar alte Weiber aus unserm Dorfe , die Nachts im Berkower Forst Holz stahlen - ich wüßte sonst nicht , was sie um die Zeit da zu thun hätten - erzählen , daß Melitta in ihrem Waldhäuschen heimliche Zusammenkünfte mit Gott weiß wem ? gehabt hat . Das ist ja eine sehr pikante Geschichte , sagte Anna-Maria . Ja , und sie wird noch dadurch pikanter , sagte Hortense , die unverwandt die Augen nach der Decke gerichtet hielt , daß der glückliche Gott weiß wer ? stets auf dem Wege von Grenwitz gekommen ist und sich auf demselben Wege wieder entfernt hat . Anna-Maria ' s Augen wurden bei dieser Nachricht so groß , wie sie überhaupt werden konnten . Wann soll dies geschehen sein ? fragte sie streng . Ich will nicht hoffen - O , beunruhigen Sie sich nicht ! unterbrach sie Hortense ; Felix ist erst sehr viel später gekommen . Es war um die Zeit , als wir den Ball gaben und Oldenburg , der mit Karl die Tischzettel vertheilte , meine Cousine von Ihrem Doctor Stein zu Tisch führen ließ und ihn hernach in seinem Wagen nach Hause brachte ; - eine rührende Aufmerksamkeit , die in diesem Fall etwas unwiderstehlich Komisches hat ; ebenso wie die Wärme , mit der sich Oldenburg hernach Herrn Stein ' s annahm , als ihr Neffe Felix die fatale Geschichte mit ihm hatte ! O , es ist wirklich zu lustig ! Aber das muß man meiner Cousine lassen , sie versteht ' s unter ihren - Freunden Freundschaft zu stiften . Der alte Baron hatte während dieser Unterhaltung schweigend und , wie es schien , vollkommen theilnahmlos dagesessen . Um so mehr überraschte die Heftigkeit , mit der jetzt , den grauen Kopf unwillig schüttelnd , sagte : Frau von Berkow ist eine liebe Dame , die ich schätze ; Baron Oldenburg ist ein Ehrenmann ; ich habe ihn stets und kürzlich , als ich in wichtigen Geschäften mit ihm zu thun hatte , als solchen kennen gelernt . Es thut mir weh , meine Herrschaften , daß ich Sie in dieser