gegen das Reich der alten Schlange genügt nicht ; er muß auch innerlich gegen die Revolten der Selbstsucht geführt werden - und das ist schwer ; das ist die ächte , wahre , heilige Reaktion gegen das Böse , die das Fundament jeder anderen sein müßte . Und ultramontan bist Du noch nicht , weil Du Deinen Katechismus auswendig weißt . O nein ! Nur wer ein in Glauben und Werken lebendiges Glied ist des mystischen Leibes Christi , der sein sichtbares Haupt zu Rom im Stellvertreter Gottes , dem heiligen Vater , hat - und wer sich bestrebt zu leben , wie es sich ziemt für ein Kind des Reiches Gottes : der nur darf sich die Benennung ultramontan als einen Ehrennamen ausbitten . Dazu aber brauchen wir recht sehr den Gnadenbeistand Gottes . « Corona küßte errötend des Onkels Hand und gestand sich heimlich , daß ein solcher Ultramontanismus seine Schwierigkeiten habe . Levin schlug einen Spaziergang vor . Der Graf war nach der Besitzung gefahren , wo früher Gratian gelebt hatte ; man wollte ihm entgegen gehen . Die Sonne stand schon zum Untergang , aber die Hitze war den Tag über so drückend gewesen , daß man sich nicht im Freien hatte aufhalten können und daß man sich gegen die Einwendung der Baronin , welche nicht für Spaziergänge auf der Landstraße in der Dämmerung war , einstimmig aussprach . Sie ging nicht mit ; Levin , Ernest , Regina und Corona machten sich auf den Weg und freuten sich des lieblichen Abends , der sich recht wie eine Gabe Gottes , mit seinem heiteren Frieden und stillen Segen über die Welt legte und all ' deren Aufregungen und Leidenschaften für ein paar Stunden zur nächtlichen Ruhe brachte . Dann schlafen sie alle , die armen Menschen ! dann sind sie alle hilflos , gebunden , still , auf gleicher Stufe , in gleicher Unfähigkeit , ohnmächtig hingesunken in die Hand Gottes , die ihnen die Erquickung des Schlafes spendet und sie dann erweckt für einen neuen Tag , der ihnen neue Gnaden bringt und in den sie ihren Unfrieden , ihren Haß , ihre Unruhe , ihren Hader bringen . Aber diese friedvollen Seelen dachten an keinen Hader ! Ernest mußte erzählen von seinen Reisen , von seinem Aufenthalt in fremden Ländern , von der wilden Schönheit des Hochgebirges und den zauberischen Reizen der südlichen Natur . Regina wollte wissen , ob wohl ein Punkt auf der Erde so schön sei , daß man darüber die Sehnsucht nach dem Himmel vergessen könne . Corona versicherte , sie fasse nicht , daß es irgendwo schöner sein könne als gerade hier um das liebe Windeck herum , hier - wo man Wasser und Berge , Fluren und Wälder beisammen habe . » Wasser und Berge schön und gar freundlich gemischt , « entgegnete Ernest . » Indessen muß ich doch bekennen , Komteßchen , daß mir die mit Kaktus , Aloe und Myrthen umsäumten Felsenküsten der leuchtenden Meere des Südens - und die Granit- und Gletscherpyramiden des Hochgebirges mit ihren pyrenäischen Tälern und ihren Schweizerseen - großartiger , mannigfaltiger und malerischer erscheinen , als der kleine Main und als die Ausläufer des Odenwaldes hüben und des Spessarts drüben . Im Ganzen genommen haben Sie aber gar nicht unrecht ! die Elemente der Naturschönheit sind überall dieselben , und das , was sie erst recht schön macht , die wundervolle Weisheit und Allmacht des Schöpfers , strahlt auch überall aus ihnen hervor . « » So bin ich denn ganz gerechtfertigt in meiner Vorliebe für mein Windeck ! « sagte Corona . » Ich weiß nun , daß es gewissermaßen alle Schönheit in sich faßt . « - Sie ging vor den übrigen her und zwar rückwärts nach Kinderart , um alle ansehen zu können , mit denen sie sprach . Plötzlich stieß sie einen kurzen Schrei aus , denn sie sah einen Stein von der Seite durch die Luft fliegen , und in demselben Augenblick sank Levin mit dem dumpfen Seufzer Jesus Maria ! zu Boden . Sie hielten ihn für tot und knieten mit grenzenlosem Schmerz und Entsetzen neben ihm nieder . Der Stein hatte ihn dicht über der Schläfe verletzt und hätte leicht die gefährliche Stelle treffen können , da er , nach seiner Gewohnheit , den Hut abgenommen hatte und in der Hand trug . Das Blut strömte aus der Wunde . Regina suchte es mit Taschentüchern zu stillen , Corona unterstützte das Haupt des lieben Onkels Levin ; beide zerschmolzen in Tränen . Ernest hatte auch Tränen in den Augen . Er hätte gern nach dem Frevler umhergespürt , aber er konnte die jungen Mädchen nicht verlassen und es dämmerte stark . » Was fangen wir an ? « wehklagte Corona . » Wir warten auf den Vater , der ja bald kommen muß , « sagte Regina , » da er nie die Teestunde versäumt und es nicht weit von neun Uhr sein kann . « Da schlug Levin die Augen auf und sagte : » Ach , es ist nichts , liebe Kinder ! Wir wollen Tücher um den Kopf binden und heimgehen . « Er stand auf . Indem ließ sich das dumpfe Rollen hören , das auf einer Chaussee die Ankunft eines Wagens schon in großer Entfernung anzeigt . » Gott Dank ! da kommt der Graf ! « rief Ernest . » Nun werd ' ich ausschauen , wer diese Untat verübt hat . « » Nicht doch , Herr Ernest , « sagte Levin , » das war ein Zufall ! seien Sie ganz ruhig ! « » Ja , ein Zufall - der nur Ultramontane trifft ! « rief Ernest empört . » Genug , es bleibt bei dem Zufall ! « entgegnete Levin . Der Wagen kam näher . Ernest eilte ihm entgegen und erkannte bald mit unbeschreiblicher Freude die offene Kalesche des Grafen . Er winkte dem Kutscher Halt zu und des Grafen Erstaunen über