, weiß wenigstens ihr damaliges Schicksal - o sag ' t mir , wo sie weilt , damit ich mir von ihr die langersehnte Kunde hole . « » Das ist unmöglich , « antwortete der Propst . » Meine Schwester ist Nonne im Kloster der heiligen Klara hier in Nürnberg , Du wirst sie niemals sehen und sprechen . Ich selbst darf sie nur einmal im Jahr besuchen . - Gebt es auf , nach Dingen zu forschen , die unerforschlich sind und deren Enthüllung Euch keinen Gewinn bringen würde . Laßt das Vergangene und die Todten ruhen , es thut nicht gut , in die Gräber zu blicken und die Särge wieder zu öffnen - es könnte ein Pesthauch von ihnen in ' s Leben strömen und es vergiften . Leb ' t Eurer Kunst und geh ' t in Gottes Namen dahin , wo Ihr immer ihr dienen könnt . Forschet nichts Unnützes , am wenigsten bei dem Bruder Amadeus - er hat nur zuweilen klare Augenblicke , auf seine irren Reden könnt Ihr nimmer etwas geben . Meidet ihn lieber ganz . Wenn Ihr aber zurückkommt und mir beichtet , was er mit Euch gesprochen , so will ich Euch seine unglückliche Lebensgeschichte erzählen , durch die er in diesen wüsten Zustand gekommen - jetzt ist dazu keine Zeit . Und nun gehab ' t Euch wohl , meine Gäste harren auf mich . Die Ordensregel verlangt , daß Ihr nicht mit den Mönchen sprecht ; wenn Ihr Euch dawider vergeht , wird man Euch im Kloster bestrafen und es in Eure Zeugnisse schreiben , daß sich die Strafe in der Hütte wiederhole . Aber nicht mit einer Drohung will ich scheiden : der Herr segne Euch und gebe Euch Frieden ! « Damit war Ulrich entlassen . Als er in die kalte Winternacht hinaustrat , war es ihm , als ob sich das ganze Firmament mit ihm drehe . Sie flimmerten und glitzerten auch gar so hell diese Millionen von Sternen , und es war , als suchten sie einander an Schimmer und Glanz zu überbieten . Ulrich blickte hinauf und wünschte in den Sternen zu lesen . Gleich den Meisten seiner Zeitgenossen war er erfüllt von dem Gedanken , daß sie eine Sprache redeten , welche die Wissenschaft erlernen könne und daraus das Geschick des Menschen deuten . Indem er so fragende Blicke zu dem funkelnden Firmament emporrichtete , mahnten ihn die sechszackigen Sternlein an das doppeltgenommene Dreieck und das heilige Sechsort seiner Kunst - da ward plötzlich seine aufgeregte Seele groß und stille und er fühlte wieder begeistert , daß es für ihn keine höhere Aufgabe geben könne , als dieser Kunst zu leben , die auch berufen war , erhabene Werke zu schaffen auf der Erde , welche würdige Abbilder waren jener Wunderwerke des Himmels und gleich ihnen die Augen der Menschen tröstend und freudig zu ihm emporführten . Fünftes Capitel Reichstag Anfang Februar war der Reichstag zu Nürnberg anberaumt worden , der erste , auf dem König Max daselbst erschien , obwohl noch von seinem greisen Vater begleitet . Kaiser Friedrich nahm wie gewöhnlich seine Wohnung auf der Veste , und der Burggraf Friedrich von Zollern war schon einige Tage vor ihm erschienen , um ihm das Quartier würdig zu bereiten . König Max hielt Wort und sandte seine Boten an Herrn Christoph Scheurl , ihm zu melden , daß er in seinem Hause um ein Stübchen bitte . Herr Hans von Tucher , der diese Ehre gern für sich in Anspruch genommen , wählte nun den edlen Kurfürsten Friedrich von Sachsen , der sich bereits von seinen Zeitgenossen den wohlverdienten Beinamen des Weisen erworben , zu seinem Gaste . Die geistlichen Herren von Mainz , Worms und Trier sollten in der Propstei bei Anton Kreß wohnen , der Bischof von Eichstädt bei dem Rath Pirkheimer einkehren , dem er den Sohn Willibald mitbrachte - und so hatte der Rath von Nürnberg lange Sitzungen zu halten , bis er glücklich für alle Kurfürsten , Pfalzgrafen , Bischöfe , Fürsten und Herren , ihre Gesandten wie ihre Begleiter die passenden Wohnungen aufgesucht und bestimmt hatte . Es war dies keine Kleinigkeit , sondern eine Verhandlung , die zu vielen Reibungen der Patrizier wie der Geschlechter führte . Den allgemein geachteten Kurfürsten von Sachsen wollte Jeder gern bei sich haben , ebenso den Herzog Georg von Baiern mit dem Beinamen : der Reiche ; denn die Nürnberger achteten nach Kaufmannsweise den gar hoch , der Schätze zu erwerben oder die schon überkommenen zu wahren verstand . Auch den Grafen Eberhard von Würtenberg , der von sich sagen konnte , daß er , wenn er ganz allein durch sein Land gehe und ermüdet sei , getrost sein Haupt in den Schooß jedes Würtenbergers könne schlafen legen ; so wie den Kurfürsten Johann von Brandenburg , den man auch als bürgerfreundlich und für das Wohl seines Landes im Innern sorgend kannte , wünschte man als Gast - aber der meisten andern Fürsten und Herren , die theils als Wüstlinge , theils als rohe Tyrannen oder nur auf Kriegsruhm und Ländervergrößerung , oder als Schützer des Adels und seiner Rauf- und Raublust dem fleißigen Bürgerstand gegenüber bedacht waren , hätte sich Jeder gern in seiner Wohnung verwehrt . Da es darüber in der Rathsstube selbst zu keiner Einigung kommen wollte , sondern die sonst so ruhigen Herren in diesem Streite sich immer mehr erhitzten bis er endlich sogar in das Gebiet der Schimpfworte , Grobheiten und Thätlichkeiten gerieth : so kam Hans von Tucher , um die Würde der Versammlung zu retten , auf den Einfall , das Loos entscheiden zu lassen , da auf eine andere Weise keine Einigung zu erzielen war . Als Belohnung für seinen Rath und weil er und Herr Holzschuher als oberste Loosunger sich doch als Häupter der Stadt betrachteten , behielt er sich aber vor , daß der Kurfürst von Sachsen bei ihm und bei jenem Herzog Georg der Reiche