welchen die Weiber nicht Gix nachsagen wollen , wenn sie Gax vorgesagt , und Hausweiber , welche Zeter schreien , wenn der Mann nicht alle anspuckt , welche ihns angrännen . Um Politik bekümmerte sich nun Uli nichts , aber der Wirbel hatte ihn doch erfaßt , der Wirt hatte die Verbindung vermittelt . Darum war er diesmal um so teilnehmender und meinte : » Jä , ja lueg , es ist mir auch schon lange bange und es freut mich , daß es dir auch kömmt . « Nun mußte Vreneli freilich sich erläutern , und das ist nicht leicht bei solchen Umständen und bedarf einer zarten Hand . Indessen diese hatte Vreneli , und indem es Ulis Bangen nicht schnöde und radikal zurückwies , sondern in seinem Werte gelten ließ , fand es auch mehr oder weniger Geltung für das seine , fand ein schönes Neujahrkindlein , fand eine freundliche Verständigung , hatte einen milden Tag , und doch wollte die Beklommenheit nicht von ihm weichen , das Weinen war ihm immer zuvorderst . Es war ihm , als sollte es von jemand Abschied nehmen , und wußte nicht von wem . Hatte es das kleine Vreneli auf dem Schoße , so meinte es , es gelte dem , und küßte es , bis auch ihm das Weinen kam . Hatte es den Johannes , so war es ihm ebenso und es machte es ihm gleich . Es ging ihm mit der Base so , ließ sie aber nicht , bis Beide die hellen Tränen weinten und die Base endlich sagte : » Nimm dich zusammen und tue es aus dem Kopf ! Du machst mir sonst Angst , solches bedeutet manchmal etwas und manchmal nichts , aber was nützt es , wenn man vorher so ängstet und sich grämt ? An der Sache macht man doch nichts . Am besten ists immer , man sei zweg auf alles und nehme unterdessen , was kömmt , mit Dank . Komm , ich habe ein Kaffee zweg , nimm ein Kacheli , es bessert dir dann ums Herz . « Es ist wohl nichts auf der Welt und von der Welt , was einem Weibsbilde so wohl macht und so guten Trost gibt , als ein Kacheli guten Kaffee . Vierzehntes Kapitel Von Verträgen und allerlei Künsten und Kniffen Drei Jahre waren bald verflossen , seit Uli die Pacht angetreten hatte . Der Akkord war ziemlich vorsichtig geschlossen , dank dem Bodenbauer , welcher in solchen Dingen Erfahrung hatte . Es ist wohl nichts schwerer , als solche Akkorde so abzufassen , daß nicht jeder Artikel ein Tor zu Mißhelligkeiten oder zu einem Prozesse wird . Es gibt Spitzbuben von Lehenherren , hohe und niedere , welche eine eigene Kunstfertigkeit im Abschließen solcher Verträge haben , eine Kunstfertigkeit ähnlich der , welche Katzenhändler haben sollen . Es soll nämlich solche geben , welche so geschickt eine gekaufte Katze zu enthäuten wissen , daß dieselbe lebendig davonläuft und unversehens ihren frühern Eigentümern vor der Türe sitzt . Also Pachtherren gibt es , welche regelmäßig alle ihre Pächter enthäuten , so daß diese sich noch glücklich preisen , wenn sie endlich mit dem nackten Leben entrinnen können . Solche Pachtherren hat man nicht bloß in Irland , sondern auch in der Schweiz , und zwar Liberale von Farbe ! Kurios ! Oder aber der Akkord wird in holdseliger Stimmung geschlossen . Man ist gut Freund oder verwandt oder hat sich endlich gegenseitig gefunden in süßer Liebe . Der Pächter sagt dem Lehnsherrn , er sei ein Engel , der Lehnsherr sagt dem Pächter , er sei ein halber Engel , sie reden vom ewigen Frieden ; und nicht selten ists , daß sie wirklich zu singen anfangen , und wenn sie auch nicht singen wie die Engel im Himmel , so meinen sie es doch . In einer solchen Stimmung findet man hundert Dinge nicht nötig auf das Papier zu bringen . Bald sagt der : » Das versteht sich von selbst , ich müßte mich ja schämen , « bald sagt es der Andere . Ja es würde nichts zu Papier gebracht , wenn es nicht wäre wegen dem allgemeinen Gebrauch oder wegen Leben und Sterben , was aber Beide nicht zu erleben hoffen , wie sie sagen . Ja , aber Stimmungen sind veränderlich , besonders wo Weiber dabei sind und eine Pacht im Spiel , wenn allerlei Produkte zu entrichten sind und allerlei Vettern und Basen ab- und zugehn . Stimmungen sind gar wunderlich ; was uns lieblich dünket in einer Stimmung , kömmt in einer andern uns schauerlich vor , der Mensch , mit dem wir sangen in himmlischer Harmonie als wie die Engel , kann uns später als das bockfüßigste Untier erscheinen , mit Lastern gespickt ärger als der alte Hiob mit Eiterbeulen . Dann geht erst das Jammern an . » Ei nein aber , dem hätte ich es doch nicht angesehen , wie man sich doch täuschen , wie ein Mensch sich verstellen kann ! Ei nein aber , das hätte ich doch niemand geglaubt ! « Nach dem Jammern kömmt das Zanken und endlich das Prozedieren . Wo liegt der Fehler Gewöhnlich auf beiden Seiten , wie man zu sagen pflegt . In ihrer holdseligen Stimmung hatte jeder dem Andern das Beste verheißen , im Grunde aber jeder auf des Andern Gutmütigkeit spekuliert , von ihr viel größern Vorteil erwartet als von geschriebenen Bedingungen ; der ganzen schönen Geschichte lag also eigentlich Eigennutz zugrunde , freilich Vielen unbewußt , und wenn Eigennutz an Eigennutz wächst , so gibt es Reibungen , Zank , und endlich geht es ans Prozedieren . Nun , auf solch wandelbarem Fundamente ruhte Ulis Akkord nicht , aber nicht durch seine Schuld , sondern der Bodenbauer hatte Vorsehung getan . Einen Punkt hatte er jedoch nicht umgehen können , den Joggeli ausdrücklich begehrte und wider den Uli nichts hatte , weil er ihn für sich selbst vorteilhaft erachtete .