es ebenso wichtig wenn das im Wort zum Vorschein kommt als durch Handlungen . « » Sie setzen innere Herrlichkeiten voraus - Perlen und Korallen unter den Wellen des Busens ; ich leugne sie nicht ! nur sind sie umschlungen von wüsten wirren Thier- und Pflanzengebilden , und abschreckende Ungeheuer verdecken sie oft gänzlich . Wenn der Mensch genau wüßte , wie es in der Seele seines Geliebtesten aussieht - so würde er sich von unüberwindlichem Schauer ergriffen fühlen . Nicht von Abscheu , Entsetzen oder Verachtung - obgleich auch das vorkommen könnte ! Nein ! nur von Schauer über die maßlosen Zerrüttungen und Verwilderungen , über die stillen Unsinnigkeiten einer sogenannt schönen , edlen , reinen Seele . Es ist sehr gut daß die Brust mit ihrem gleichmäßigen stummen Wellenschlage die schauerlichen Geheimnisse der Tiefe zudeckt , und sehr verwegen sie durch irgend eine magische Beschwörung hervorlocken zu wollen . « » Und doch glauben wir daß Gott die dunkeln Abgründe unsers Wesens kenne ohne sich von uns abzuwenden . « » Gott ist barmherzig und gnädig : das ist die Essenz seiner Liebe . Bei dem Menschen aber geht in Gnade und Barmherzigkeit häufig die Liebe unter - die Liebe welche ihn beseligt hat . « » Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde . Ich habe diesen Ausdruck der bilderreichen Sprache des Orients nie anders verstehen können , als daß ein Hauch seines Wesens auch uns beseele - auch uns befähigen solle den Reflex der göttlichen Liebe warm und licht in uns zu bewahren ; folglich kann unsre Liebe in der Barmherzigkeit nicht untergehen , Meister Fidelis . « » Gott ist barmherzig , der Mensch nur mitleidig , theure Sibylle ! nämlich der gewöhnliche Mensch von dem wir sprechen , der seine Selbstsucht mit sich herumschleppt , welche das Bild nach welchem er geschaffen ist in ihm verdunkelt . Der Heilige , der unselbstische Mensch , kann allerdings auch barmherzig sein , weil in ihm jene Flut göttlicher Liebe wogt , die ohne Anfang , ohne Steigerung , ohne Ende ist . « » Ohne Ende ! ja Fidelis , das ist das Wort des Geheimnisses unsrer Qual . « » Es könnte auch das Wort : ohne Anfang ! sein . « Ich sah ihn befremdet an . Er hatte mit einem seltsamen Ausdruck gesprochen , wie bebend von zurückgehaltenem Schmerz . » Ohne Anfang .... wie das Keimen und Aufblühen unsrer Gedanken , wie die Manifestation unsers Willens , wie die Entwickelung unsrer Neigungen - was Alles schon im Wiegenkinde zum Vorschein kommt ! - fuhr er fort . Und so finden wir auch in uns Richtungen , Bestimmungen , Schicksale , die fertig und mächtig in uns aufstehen , und die - wenn wir zitternd fragen : Woher kommst du ? - gelassen entgegnen : wir waren immer bei dir ! - » Glückseliger ! rief ich ; o dreimal Glückseliger , der ewig im Tempelhain seiner Gottheiten geblieben ist . Die Unseligen sind nur die , Fidelis , welche einem ewigen Abfall unterliegen , und den Rubin , welcher nach jener Sage purpurflammend vom Himmel in die Kaaba fiel , vor ihren Augen in kohlenschwarz verwandeln sehen . Die sind unselig , denn sie können nicht lieben , nicht hoffen , nicht einmal leiden ! sie wissen daß der Karfunkel der Liebe , der Hofnung , der heiligen Schmerzen , in eine todte Kohle sich verwandelt , weil etwas so Entzauberndes an ihrer Hand ist , daß dieselbe , wohin sie streift , Farben erbleichen , Blüten fallen , Licht erlöschen macht . Sie wissen daß das Ende kommt , die Harpye in deren Erwartung die Gegenwart zunicht wird so daß ein Chaos daraus entsteht worin nichts hausen mag und kann als Chimären . O Sie sind glücklich ! was Sie auch bedrücken möge weil es ohne Anfang ist - es ist nicht so schwer als die Last der Erkenntniß .... daß Alles ein Ende hat ! « Ich ließ seinen Arm los , umschlang mit beiden Armen einen Baum und rief : » Sehen Sie ! der Baum erquickt mich ! er hat keine Seele - drum weicht und wankt er nicht . Was Seele hat .... wankt ! Irrthum , Täuschung , Wankelmuth , Verlust , Tod - umspinnt uns von Außen und Innen - die ganze Masse dieses Gewebes heißt Leben , und mit demselben sollen wir uns befreunden indem wir Vernunft , Entschlossenheit , Resignation und Frömmigkeit zu unserm Trost herbeirufen . Aber es ist ja ein Elend sich zu trösten , Fidelis ! es ist ja ein Elend abzufallen von unsrer Liebe , unsrer Zuversicht , unsrer Erinnerung , und dann mit gelassener Nüchternheit zu sprechen : Nun ja ! ich hab ' mich geirrt .... und irren ist menschlich ! - Oder : Gott hat mir gnädig einen Ersatz meines Verlustes geschenkt ! - Und so sprechen doch die Vernunft und die Frömmigkeit , und das wird von Andern sehr verehrt - während es mir jämmerlich vorkommt ! Ich ' hab es ebenso gemacht , mich auch beruhigt , mich auch getröstet - aber ich gehe an diesem Ersatz und diesem Trost zu Grunde .... denn jeder Wechsel ist ein Abfall .... und weiter nichts . « Ich preßte meine Stirn an die Rinde des Baumes , als wolle ich mich durch äußern Schmerz gegen die Gedanken betäuben . Sedlaczech sprach langsamer : » Eine immense Seele .... aber leer ! « » Das haben Sie schon einmal von mir gesagt ! rief ich . Ich bin ' s ja nicht allein die so beschaffen ist wie ich es beklage ! alle Anderen sind ja ebenso .... nur daß sie sich die Schmach zur Ehre rechnen , und die traurige Naturnothwendigkeit Product ihrer Vernunft , Philosophie oder Religiosität nennen - zur Jämmerlichkeit die Lüge gesellend ! Alle Anderen halten mir ja ebensowenig Farbe und Stich als ich mir selbst . Fände ich nur einen Menschen ,