bei Therese . Wenn Du Deine Arbeiten so schlecht machst , als in dieser Woche , gehst Du gewiß nicht hin . Der Knabe wurde roth , und sehr verlegen hing er sich an Theresen ' s Arm , die begütigend Besserung für ihn verhieß . Als er bald darauf , von Agnes gerufen , zu dieser ging und die Gesellschaft sich in den Eßsaal verfügte , sagte Julian , der besorgt Theresen gefolgt war , als sie mit Frau von Reichenbach sprach , und nun die Letztere zur Tafel geführt hatte : Mir scheint es unrecht , gnädige Frau , daß Sie den Knaben öffentlich tadeln . Er hat ein reges Ehrgefühl , Sie thun ihm wehe damit und bessern Nichts . Der Meinung bin ich auch ! bestätigte Alfred . Es kommt überhaupt durch zu vieles Erziehen nichts Kluges zu Stande . Man künstelt und biegt an der menschlichen Natur zu einer Zeit , in der noch alle Anlagen wie die Blume in der Knospe verhüllt sind . Dabei kann man zu leicht störend eingreifen und verderben , statt zu fördern . Wenn man die Kinder nur vor schädlichen Einflüssen bewahrt , so thut in den meisten Fällen die Natur das Nöthige und Alles , was sich aus dem Individuum selbst entwickelt , ist ihm angemessener , als wir es zu machen verstehen . Es haben allerdings viele bedeutende Männer ihre Erziehung selbst gemacht , wie die Geschichte uns lehrt , sagte Therese , die sich zwang , wenigstens mit einer gleichgültigen Phrase an der Unterhaltung Theil zu nehmen . Was die Geschichte lehrt , weiß ich nicht , entgegnete Caroline , gereizt durch die abweichende Meinung der Uebrigen . Ich habe leider in meinem Leben nicht die Muße gehabt , mich viel mit Studien zu beschäftigen . Meine eigne Erfahrung und meine Beobachtungen haben mir aber gezeigt , daß Kinder , die man nicht streng erzieht und beständig überwacht , verwildern und misrathen . Darin ist die Einsicht einer Mutter , wie ich glaube , sicherer als die Geschichte . Es lag eine solche Bitterkeit , ein solcher Spott in ihren Worten , daß es Allen , die sie hörten , auffiel . Wie kann man so unliebenswürdig sein , sagte Agnes ganz erschrocken zu Theophil , der ihr Nachbar war : Ich fürchte mich vor der Frau , obgleich sie eigentlich schön ist , und ihr Mann und Felix thun mir immer leid . Ich weiß nicht , was es ist , aber sie hat etwas Zurückstoßendes . Zurückstoßend ? meinte Frau von Barnfeld , die gute Reichenbach ist ja heute ganz charmant ; was wollen Sie denn , Agnes ? Ich habe sie schon ganz anders gesehen . Daß sie ewig von ihrer Würde als verheirathete Frau und von ihrer Kindererziehung spricht , wie ein pensionirter General von seinen Feldzügen , das wollte ich ihr gern verzeihen , das ist nur langweilig . Mich verdrießt und betrübt es aber , daß der liebenswürdige Alfred seine ganze Heiterkeit eingebüßt hat und für uns ganz verloren ist , seit der Ankunft seiner Frau . Er ist nicht mehr derselbe Mann . Es ist allerdings das unpassendste Paar von der Welt , sagte Theophil , und ein Fremder , der die letzten Worte gehört hatte , fragte : Sprechen Sie von Graf Alten , der die Tochter eines Kaufmanns heirathet ? Nein , sagte Theophil , es war von einem andern Verhältnisse die Rede . In der Heirath des Grafen finde ich nichts Auffallendes . Seine Braut ist ein schönes , gebildetes Mädchen und es ist eine vieljährige Liebe von beiden Seiten . Die Braut ist aber sehr viel jünger als der Graf , wendete Jemand ein , er ist mehr als vierzig Jahre alt und hat ganz graues Haar . Liebt man denn einen Mann um seines Haares willen ? Ich habe nie daran gedacht , wie alt ein Mann sei , wenn ich ihn liebenswürdig fand , rief Eva dazwischen . Und wenn es wahr ist , daß wir nur in der Welt sind , das Leben der Männer zu verschönen , so müßten wir ja gerade auch mit unserer Jugend das Alter eines Mannes schmücken . Sie hatte die Worte mit ihrer gewohnten Lebhaftigkeit gesprochen . Nun es geschehen war , flog ein brennendes Erröthen über ihr reizendes Gesicht und sie fragte in anmuthigster Verwirrung ; Merken Sie , Herr von Reichenbach , daß Ihre Gegenwart mir poetische Bilder eingibt ? Es würde mich nicht wundern , wenn die Grazien einmal die Leier der Musen borgten , erwiderte Alfred , und der Präsident sagte : Ich finde die Bemerkung unserer schönen Wirthin vollkommen wahr . Es gibt keine Altersverschiedenheit zwischen Menschen , die sich lieben . Liebe gleicht jeden Unterschied der Jahre und des Standes aus . Das sagen Sie , fragte eine Dame , der noch vor wenig Monaten erklärte , er würde nie eine Bürgerliche heirathen ? Ziehen Sie daraus die Lehre , meine Gnädige , daß des Menschen Gesinnung wandelbar ist , versetzte der Präsident . Uebrigens glaube ich nicht , daß ich jemals den sündhaften Gedanken gehabt habe , den Sie mir zumuthen . Nein ! sagte Alfred , das ist gewiß ein Misverständniß . Wer wie der Präsident durchdrungen ist von den Ideen unserer Zeit , wer so fest an die Rechte des Menschen glaubt , der - - Der kann dennoch , trotz aller unwiderleglichen Theorien von den heiligen Rechten des Menschen , es praktisch finden , eine Frau aus denjenigen Familien zu wählen , welche schon im Besitz dieser Rechte waren , ehe man sie in Frankreich den großen Massen zuerkannte , sagte lächelnd der Präsident . Aber ich glaube selbst nicht , daß ich jene freventliche Gesinnung gehegt habe . Ich kann mir nicht denken , daß ich alle die zärtlichen Seufzer meines Herzens vergessen haben sollte , welche in meiner Jugend oft genug den schönen blühenden Töchtern des gesegneten Bürgerstandes galten . Mein Herz ist zu