durch einen Brennspiegel mit den Strahlen des Erhabenen , Ewigen über uns das kleine Hoffnungsleben des armen Menschenherzens verzehrt ! Wenn seine ganze reiche Vergangenheit , all die bunten Elemente des Glücks seiner Zukunft , plötzlich wie ausgebrannt , schwarz verkohlt vor ihm da liegen , wenn in Minutenenge lange Jahre einer ganz leer gewordenen und doch noch zu durchlebenden Zeit drohend aneinander sich drängen ! - solche innere Erlebnisse , solche Vernichtung des Erdenmaßes , mit dem wir sonst unsere Tage messen , hat manch braunes Haar in unbegreiflicher Geschwindigkeit gebleicht , manch glanzlichtes Auge ausgelöscht , daß es fortan ganz farblos die Gegenstände zurückstrahlte , manch junges Blut haben sie stocken gemacht , als habe es der Eisfinger des Alters berührt , - aber , ach ! getödtet haben solche Augenblicke nie . Gotthard hatte die ganze Nacht hindurch über seine Stellung zu Kronberg nachgesonnen ; es war ihm klar geworden , daß diesem sein sich stets wiederholendes Entgegentreten in allen engeren Lebensbeziehungen unleidlich qualvoll sein müsse , daß eine fast übermenschliche Kraft dazu gehöre , es zu dulden , nachdem Roderich seine und Anna ' s Neigung zu einander erkannt - und konnte Gotthard zweifeln , daß dem so sei ? Unbarmherzig riß er den Schleier selbst mitleidiger Täuschung entzwei ; er war entschlossen , seiner Carrière eine andere , neue Richtung zu geben , von Annen sich zu trennen . Seit gestern schauderte ihm vor der Tiefe seiner eigenen Leidenschaft ; er hatte die Unmöglichkeit empfunden , sie in jedem Augenblicke zu zügeln . Anna ' s Kummer hatte ihn der Kraft beraubt , sich selbst zu widerstehen . Er wußte , daß Kronbergs Charakter kein unedler , daß dessen Eitelkeit und Wankelmuth die Folge eines gewaltsam aus seinen Fugen herausgerissenen frühen Gefühls sei ; er fühlte alle diese Gedanken , diese ernsten stillen Mahner mit tödtendem Entsetzen , denn sie verurtheilten ihn . Er konnte sich ' s nicht leugnen , dem Grafen das Unerträgliche aufgebürdet zu haben : die Superiorität eines Nebenbuhlers . Und plötzlich , wie eine Verkörperung des eigenen Innern stand Kronberg selbst vor ihm , ruhig , edel in Anstand und Ausdruck . Gotthard war einen Augenblick zu Muthe , als komme jener , ihn zu fordern auf Leben und Tod . Der Graf hatte sich gefaßt ; er fragte ihn ganz einfach nach dem ihm vielleicht bekannten Zusammenhang der Zahlung einer Spielschuld seines Schwagers , die dessen Mittel zu überwiegen scheine und dennoch abgetragen sei . Sie fühlen , setzte er hinzu , daß ich der Gräfin einen großen Schreck verursachen würde , wenn ich sie direct darum befragte . Ich zweifle , daß sie um die Sache weiß , erwiderte Gotthard . Er erzählte eben so einfach , wie St. Luce erwähnt , daß Louis , obschon genesen , von Tag zu Tag seine Abreise verschoben hätte , wie er selbst darauf ihn besucht , des jungen Mannes Vertrauen gewonnen und mit ihm zu Abtragung der Schuld eine Uebereinkunft getroffen . Ich brauche Ihnen , Herr Graf , setzte er verbindlich hinzu , nicht erst zu sagen , daß eine solche von Männern gegeneinander übernommene Verpflichtung kein Gegenstand des Gesprächs mit einem Dritten sein darf . Kronberg schwieg ; an der Marmorglätte dieses reinen festen Willens brach abermals seine Kraft . Aber , fuhr Gotthard fort , fürchten Sie keinen Flecken auf Ihres Herrn Schwagers Ehre ; alles Nöthige ist von ihm selbst im Voraus besorgt und die am Total fehlende Summe wird noch heute in Gondi ' s Händen sein . Kronberg stutzte . Gotthard sah völlig gleichgültig aus . Hier war nur eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten : Gotthard war mit seiner Gemahlin im tiefsten , innigsten Einverständnisse , oder Louis hatte in rasendem Stolz sein Erbtheil verpfändet ; es konnten aber Monate , Jahre vergehen , ehe das aufzuklären war . Sie haben Sicherheit ? fragte er kurz . Vollkommne , erwiderte Gotthard . Aber nun , Herr Graf , gestatten Sie mir die Gunst Ihres frühen Besuchs zu benutzen . Mich hat ein Vorschlag , eine Bitte nach Wien zurückgeführt , deren Erfüllung ich Ihnen sehr ernstlich danken würde . Seine Unterlippe bebte convulsivisch , seine Stirn blieb klar . Die Hauptfragen beim hiesigen Gouvernement sind erledigt , dem eigentlichen Juristen bleibt für den Moment wenig Bedeutendes mehr zu thun . Man hat uns hier den größern Theil der gewünschten Aenderungen zugestanden , in den alten Provinzen fordern dagegen die Gesetzentwürfe zu Einführung ständischer Verfassungen meine Gegenwart und der Vorschlag des Vertrags mit Rußland bedarf einer strengen Revision - ich kam hierher , Sie zu bitten , Baron Stein vorläufig an meiner Statt die hiesigen Arbeiten zu übertragen , die etwaigen Memoires aber nach Berlin oder dahin mir nachzusenden , wohin das Ministerium mich beordert , wenn wir meine hiesige Aufgabe als vollendet ihm melden . Mit unnachahmlicher Klarheit und unsäglich wehmüthiger Ruhe legte nun Gotthard dem Grafen seine zum Beschluß gereiften Geschäftspläne für sich und seinen Stellvertreter vor . Es lag ein fast heiliger Ernst in seinen Worten und eine so tiefe Besonnenheit , daß Roderich , zur unwillkürlichsten Bewunderung hingerissen , zauderte , ihm zu antworten . Dies Anerbieten des edeln jungen Mannes überraschte ihn mit zermalmender Gewalt ; er fühlte , daß , was auch Gotthard sagen möge , die Willkürlichkeit seiner Entfernung von Wien ihm künftig unübersteigliche Schwierigkeiten bereiten und hemmend in seine Thätigkeit eingreifen könne . Noch schwieg er , da öffnete sich die Thür , St. Luce trat aus einem Nebenzimmer herein . Ohne aufzusehen , reichte ihm Gotthard die Hand . General , sagte er , ich habe bereits dem Grafen meine Wünsche eröffnet . Eine ungeheure Erschöpfung breitete ihr fahles Grau über seine Züge , es war eine Leichenfarbe , als habe der Tod ihn berührt . Als endlich Roderich ihn verließ , stürzte er an des alten Freundes Brust ; die innere Erschütterung hatte ihn jedes Ausdrucks seines Schmerzes beraubt . Der General blieb den ganzen