Eltern waren nicht erfreut über den Entschluß des Sohnes . » Das ärmste Mädchen , nur unbescholten , wäre mir eine liebere Tochter , « sagte Gräfin Mengen ; und der Vater sprach : » Nach Deiner Beschreibung muß sie eine Circe sein ! Hast Du Dich fangen lassen , mein armer Mario ? « Mario lächelte . Der absichtlosen , nachlässigen Faustine wär ' eine planmäßige Eroberung unmöglich gewesen . Seine Schwestern warfen sich entzückt in seine Arme , als sie seine Verlobung erfuhren . » Welch ein unbegreifliches Glück für Dich , Mario ! « rief Matilde , und Marie flog zu Cunigunden , um ihr diese Jubelbotschaft mitzutheilen . Dann mußte Cunigunde kommen , und den Eltern all das Gute und Schöne von Faustine erzählen , was sie den beiden Schwestern erzählt hatte , und Mario war gerührt von der tiefen Freudigkeit , mit der sie es that . » Sie hat mich getröstet , gestärkt und erhoben , als Alle mich niederbeugten ; sie hat mir zugelächelt , als Niemand von mir wissen mogte , und in dem entscheidenden Moment , wo thätige Hülfe mir noth that , hab ' ich sie bei ihr gefunden . « Weit mehr noch erzählte Cunigunde von Faustinens Schönheit , Anmuth und Talenten , und sagte zuletzt : » Ich bin einmal darüber ausgelacht worden , dennoch muß ich sie stets mit dem » Mädchen aus der Fremde « vergleichen ; ich kenne sonst Niemand , der ihr ähnlich wäre , oder der mich an sie erinnerte . « » Ach Gott , « seufzte Gräfin Mengen , » wie soll ein so extraordinäres Geschöpf in den Familienkreis passen ? « » Wie die Sonne in die Welt , gute Mutter , « sagte Mario . » Mario ist aber einmal verliebt ! .... ganz erschrecklich verliebt ! « flüsterte Marie heimlich Matilden zu . » Liebt Dich Faustine in demselben Maße , wie Du sie liebst ? « fragte ihn der Vater . » Die Liebe läßt sich nicht messen und wägen , « antwortete Mario lächelnd , » und bei Niemand weniger , als bei Faustinen . Ihre Liebe fliegt . « » Und fliegt davon , mein Sohn ! « warf die Mutter ein ; » solche Frauen - genial , ungewöhnlich , über dem Alltäglichen , und wie man sie nennen mag ! haben so selten die Klarheit , Ruhe , Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue , mit denen man einzig und allein glücklich sein und machen kann . « » Vor drei Monaten , liebe Mutter , hab ' ich mir und Faustinen selbst das Alles gesagt . Aber ich liebe sie - und wie sie nun einmal ist , so beglückt sie mich . « » Und so soll sie uns willkommen sein ! « sagte der alte Mengen , und gab dem Sohn die Hand . Mario küßte sie und rief : » Ich wußt ' es , Vater ! « Faustine saß vor der Staffelei und that die letzten Pinselstriche an einem meisterhaften Gemälde . Es war dasjenige , welches sie sich einst in Mainz ausgedacht hatte : ein junger Mann ging an einem Fenster vorüber , hinter dessen Gitter ein Mädchen saß , die Katze , die Kapuzinerkresse , die Arbeit - nichts fehlte . Mario sollte kommen ; sie wollte ihn mit diesem Bilde erfreuen , denn eifrige Arbeit - das wußte er - war stets ein krampfstillendes Mittel für sie . Clemens trat ins Cabinet und hinter ihren Stuhl . » Das Bild würde mir außerordentlich gefallen , « sprach er , » wenn der Mann nicht dem Graf Mengen ähnlich wäre . « » Graf Mengen hat ein so frappantes Gesicht , daß ein Malerauge es gern auffaßt und darstellt . « » Ich will es nicht leugnen ! nur paßt es nicht in diese gothische Umgebung ; - er sieht ganz tatarisch aus . « » Tatarisch ! Clemens ! Sie haben wirklich kein Urtheil . « » Und Sie ein Vorurtheil . « Faustine zuckte schweigend die Achseln . Nach einer Pause fragte sie : » Werden Sie denn nie nach Oberwalldorf heimkehren , Clemens ? « » Bin ich Ihnen lästig ? « fragte er bitter . » Zuweilen - durch Ihre bizarren Launen - ja . « » Sie waren in Prag , nicht wahr , da oben auf dem Wisserad über der Moldau , wo man das Badezimmer der Libussa zeigt ? « » Ja , ja ! aber ich sprach von Oberwalldorf . « » Wissen Sie , was in jenem Badezimmer geschah ? « » O ja ! die Königin Libussa , stolz auf ihre Unabhängigkeit , wollte keinen Mann Einfluß über sich gewinnen lassen , und , wenn auch aller Schwäche des Weibes unterliegend , nie schwach erscheinen und immer frei bleiben . Deshalb ließ sie die Männer , denen sie eine momentane Gunst geschenkt , aus jenem Gemach in die Moldau stürzen . « » Sie sind die Königin Libussa im modernen Gewande , ohne die wilde Sinnlichkeit , ohne die blutige Grausamkeit . Hört eine Persönlichkeit irgendwie auf Ihnen homogen zu sein , und hätte sie Ihnen das Innerste des Lebens dargebracht - Sie lassen sie in die Moldau stürzen . « Bitterer Schmerz durchbebte Faustine ; sie gedachte Andlaus und rief : » Das ist wirklich nicht ganz unwahr . « » Aber ich lasse mich weder in die Moldau noch nach Oberwalldorf schleudern , « fuhr Clemens aufgeregt fort . » O , Sie ! « sagte Faustine und sah ihn verwundert an , » für Sie bin ich nicht die Königin Libussa gewesen . Ihnen hab ' ich keine Liebesverheißung gegeben - « » Vielleicht auch Andern , « unterbrach Clemens sie gereizt , » aber mir gewiß ! Sie haben mich in Ihr Leben aufgenommen ! wenn eine Frau wie Sie das thut , so ist es eine Liebesverheißung , denn Sie müssen fühlen , daß