Fennimor vorschlagen , da bemerkte er , daß sie von seiner Seite in das Nebenzimmer geschlüpft war , und in demselben Augenblicke rief sie ihn von daher zu sich : » O , Leonin , komm ' geschwind , und sieh ' , was ich hier Reizendes gefunden habe ! « Er eilte ihr nun nach und trat in das düstere Schlafgemach der Königin , in dessen Hintergrunde das riesige Himmelbett mit dunkelrothsammetnen Vorhängen stand . Ihm entgegen aber trat Fennimor und hielt einen schönen goldenen , mit Edelsteinen verzierten Becher in der Hand . - » O Leonin , « rief sie , » welch ' ein Kunstwerk ! Sieh ' , wie herrlich das gemacht ist ! O , laß ' ihn mir , ich will ihn zum Andenken behalten und täglich daraus trinken ! « In demselben Augenblick setzte sie ihn an die Lippen , als versuche sie ihn . » Großer Gott , erbarme Dich ! « schrie der alte Kastellan , und ehe noch die Lippen den Rand des Bechers umschlossen , riß er ihn aus Fennimor ' s Hand und stellte ihn dann schaudernd nieder , als habe er sich daran verletzt - aber zur Besinnung kommend , hatte er einige heftige Worte von seinem sichtlich beleidigten jungen Herrn zu bestehen , und beschämt beugte der alte Mann sein Knie vor seiner jungen Gebieterin und flehte um ihre Verzeihung . » Ich habe mich schwer vergangen , Euer Gnaden , aber vielleicht vergebt Ihr mir um der Veranlassung willen . - Sehen Euer Gnaden den trüben Grund des Bechers ? - Als er zuletzt gefüllt ward , ist Gottes herrliche Gabe zum Frevel benutzt worden , und der helle Wein der Bourgogne ward mit Tropfen tödtlichen Giftes gemischt - niemals hat ihn seitdem das heilige Wasser gespült , und er ist erblindet , wie Ihr ihn hier sehet . « Schaudernd wendete sich Fennimor ab , und St. Albans winkte den Grafen bei Seite , und setzte schnell und ängstlich hinzu : » Der Herr Marquis Spinola folgte hieher seiner Geliebten , der Frau Königin Katharina - aber sie hatte Neigung , ihn los zu werden , und es fand sich dazu ein Großer ihres Hofes , den sie bevorzugte . Obwol nun der Dolch in seinem Schlafgemache auf ihn harrte , so fürchtete Katharina doch den Widerstand des muthigen Marquis ; als er sie am Abend verließ , reichte sie ihm selbst diesen Becher , dessen schnelle Wirkung sie noch an der plötzlich gebrochenen Kraft des Unglücklichen beobachtete , und entließ ihn dann . Aber er ahnete das Geschehene , und als der erste Dolchstoß ihn traf und der tödtliche Schmerz des Giftes ihn zugleich zerriß , stürzte er in das Schlafzimmer der Königin zurück , von seinem Mörder verfolgt - und schrecklich hier das Geschlecht Beider verfluchend , schleuderte er der Königin den Becher an den Kopf , daß er weit hin zur Erde rollte - dann verschied er auf ihrem Bette , Bäche von Blut vergießend , so daß die Frau Königin , von seinen Flüchen verfolgt , aus diesem Bette nicht entfliehen konnte , ohne bis an die Knöchel in Blut zu waten . - Da reiste sie zur selben Stunde aus dem Schlosse , und Alles , wie von Geistern gejagt , hinter ihr her , und nie betrat sie es wieder , Niemand durfte je seinen Namen vor ihr nennen . Den Becher aber rührte Keiner wieder an - es war der Königin Lieblingsbecher , darum verfluchte der Herr Marquis Jeden , der daran die Lippen setzen würde . « Der Graf hörte mit tiefem Schauer die schnelle Mittheilung des Greises und sah sich hastig nach seinem jungen Weibe um , das zuerst den schrecklichen Bann überschritten hatte . Sie lehnte sich bleich und erschüttert gegen das Bett der Königin , und als Leonin zu ihr eilte und sie liebevoll in seine Arme schloß , erleichterte sie ein Strom von Thränen . Doch der Alte war ihnen nachgeschlichen und zupfte mit trauriger Miene den Grafen am Kleide . » O , führet die gnädige Herrschaft hier fort ! « sprach er leise , indem er , von Fennimor unbemerkt , auf die großen dunkeln Flecke am Fußboden zeigte ; und Leonin fühlte , das sie auf dem Blute des Spinola standen , der hier das Geschlecht der Crecy verfluchte ; denn was der alte Kastellan aus Ehrfurcht verschwieg , war Leonin zufällig bekannt und bezeichnete in dem erwähnten Mörder den Grafen Theophim von Crecy . Sanft strebte er , die zitternde Fennimor aus diesem traurigen Bereiche zu ziehen , willig folgte sie ihm , und der Kastellan , der schnell die Thüren dieser Unglückszimmer mit Schlössern und Querbalken wieder verwahrte , öffnete in dem Banketsaale eine Seitenthür , die nach einer offenen Gallerie führte . Wenn auch noch älter an Ursprung , war sie doch in diesem Augenblicke eine wahre Erquickung , da die Herbstsonne warm und duftig auf sie schien , und die zierlich gemauerte und vielfach durchbrochene Einfassung mit Moos und niederhängenden Eibenbäumchen durchflochten war , welches Alles dem unschuldigen Leben der Natur näher führte ; obwol hier das Zeichen des überhand nehmenden Verfalls , von dem die Vegetation mit ihren vielfach anmuthigen Mitteln sogleich Besitz nimmt , deutlicher hervortrat . Hier beruhigte sich Fennimor , und ihr trübes Auge gewann seinen vollen Glanz wieder , und Lippen und Wangen ihre Farbe . » Wo sind wir denn jetzt ? « - frug sie , auch sogleich zu ihrer alten Neigung zurückkehrend und die Fensterreihe hinter sich prüfend , wovor diese Gallerie entlang lief . » Dies waren die verschiedenen Zimmer der Hoffräulein « - sprach der Kastellan ; » sie sind ohne Werth , und haben eine besonders feuchte und kalte Luft . « - » Aber jener Thurm , an dessen Thüre sich diese Gallerie endigt , wo führt er hin ? - O , sieh ' doch , Leonin , wie reizend dort