und der Esel über seine Füllen . Darum befehle ich Dir zu gehorchen und abzulassen von dem Scheusal , das einherschleicht , wie ein Engel in Lichtgestalt und doch ist ein Teufel , gehüllt im Pelz der Unschuld . Oskar nennet sich dieses Ungethüm , sein wahrer Name aber ist Legion , das heißt : Teufel ohne Zahl ! « Mir ward drehend . Lucie tobte vor Ungeduld und Zorn gegen sich selbst . Unter ihren Händen lockerte sich das Haar und wiegte sich entfesselt in glänzend schwarzen Locken ohne Zwang auf den Schultern . An der Wand hing eine Reitgerte . Schnell riß sie Lucie herunter , schlug nach dem Spiegel , der ihr ein zornglühendes Gesicht entgegenhielt und klirrend stürzten die Stücke zu Boden . Da ward die Thür geöffnet und wunderbar sanfte Töne zogen , wie um Friedend bittend , durch das Zimmer . Auf der Schwelle stand Friedrich mit seiner dämonischen Geige . Das leere Lächeln des Blödsinns dehnte sich gemächlich aus auf seinen markirten , aber geistlos verworrenen Zügen , der zergriffene Filzhut hing nur lose auf dem ungeordneten Haar und der Mensch selbst schien bei seinem Spiel ohne alle Theilnahme zu sein . Lucie sank schwer aufathmend in ' s Sopha , Steinhuder aber ging dem Geiger entgegen und führte ihn freundlich herein . » So recht , spiele was , Friedrich , « redete er den Blöden an . » Es ist zwar keine Gitith des frommen David , die da vertrieb den bösen Geist vom Haupte Sauls , aber eine Geige ist doch ein Saiteninstrument , welches das Herz erquickt , und die Seele still und hungrig macht nach himmlischem Manna . Komm , spiele Deiner Braut einen Psalm vor , ich will Dich begleiten mit Lispeln und Lallen . Denn Harfenspiel und Psalmgesang gefallen Gott wohl . « Friedrich ließ sich geduldig zu Lucien führen , die ihrerseits ein paar Stühle vor das Sopha schob und sich so gegen einen etwaigen Angriff bestens vertheidigte . Ein Blick ihres schönen Auges rief mich zum Beistande auf . - Kannst Du es glauben , Ferdinand , daß der Pietist diesen blödsinnigen Friedrich alles Ernstes Lucien zum Gatten bestimmt hat ? Man könnte lachen über einen solchen Einfall , wäre die Erscheinung nur nicht so betrübend . Diese flach getretene Frömmigkeit erröthet vor nichts mehr . Sie hält für unmittelbare göttliche Eingebung , was scheinbar ihr heilloses Treiben zu fördern verspricht , und es gibt nichts so Abgeschmacktes auf Erden , das ein rechter eingefleischter oder eingeseelter Pietist nicht auszuführen im Stande wäre . Der blöde Spieler machte dem reichen Steinhuder eine tiefe Referenz . Sinnlichkeit lag nicht in seinen Mienen . Das Auge war gebadet in jener düstern Nebelwelle , die eine sichere Verkündigerin ist des gefangenen Gedankens . Und dennoch funkelte eine Begeisterungsflamme aus diesem getrübten Himmel , wie Meteorgeflimmer , wie unsicheres Umherwanken eines Nordscheines . Es war der letzte Rest der Göttlichkeit , der sich in das trübe Auge rettete , wenn der Ton die Trauerklage in der besaiteten Violine weckt . Friedrich spielte - keine Psalmen , keine Kirchenlieder - nein , Dithyramben , die den Wahnsinn apotheosirten und dem Irrthum nutzloser Werkheiligkeit den Staupbesen gaben . Nackt und blos unter dem gellenden Gelächter des vergnüglichen Pöbels peitschten die Töne aus Friedrichs ' Geige die seichte Tugendhaftigkeit durch die Welt , bis sie keuchend niederstürzte und die Menge achtlos über sie hinschritt . - Ich weiß nicht , ob Friedrich auch nur dunkel eine Ahnung hatte von dem Geiste seines Spieles , doch zweifele ich daran . Und dies ist das Unerforschliche in der menschlichen Seele , daß sie , gemisbraucht und abgestumpft in ihrer vollen Thätigkeit , doch gern das tiefste Vermögen , womit sie begabt von Natur war , auch noch beim Versinken in das Gemeine allein in einen sichern Winkel zu flüchten sucht . Dort baut sie sich an , bildet heimlich und unbewußt an der eigenen Göttlichkeit und wird nicht selten zum Rächer an dem , was die Veranlassung gab zu ihrem Ruin . Thörichte , geistig schwache , verrückte Musiker sind eine gewöhnliche Erscheinung . Es ist dies nichts Zufälliges , sondern eine nothwendige Folge der geistigen Construction eines durchaus musikalischen Menschen . Friedrich nun , glaub ' ich , hat nur das ihm ganz und allein Ursprüngliche in den Hintergrund seines Daseins geflüchtet , als Zufälle und Lebensverwickelungen ihm den hellen allgemeinen Glanz des Geistes verhüllten . Der Blödsinn ward zur Ironie in seinem musikalischen Menschen , und wenn dieser geschiedene Gott , der wie auf einem lichten Sterne lebt in der Nacht des übrigen Daseins , sich erhebt ; dann weint er die Trauer um den übrigen verlornen Menschen hinaus in die Welt , und scherzt und kos ' t in tollen Bajazzosprüngen um seinen eigenen Leichnam , ihn bekränzend mit Küssen und Rosen . - Während des Spiels kam Oskar . Friedrich , ohne sein stereotypes Lächeln zu verändern , drehte sich tanzend mit den knarrenden Theerstiefeln auf der gebohnten Diele . Lucie lag , einen türkischen Schawl über das Gesicht gezogen , auf dem Sopha . Steinhuder mit salbungsvollem Blick und gefalteten Händen brummte den 109 Psalm , dessen Inhalt zu Friedrich ' s Musik paßte , wie ein Faunentanz zu der Arie » Wie sie so sanft ruhn . « - Käme nun Einer und veranstaltete einen solchen burschikosen Gottesdienst , so schrien alle Heiligen » Wehe ! « schleicht sich aber der Schalksnarr der Weltgeschichte hinter die Perücke der Kopfhänger und treibt allerlei seltsame Dinge , so verbietet sich das Zetern von selbst . In solchen Conflicten erblickt man die Gerechtigkeitspflege der Vorsehung , die gern im furchtbarsten Ernste eine spaßhafte Miene annimmt . Möchten doch unsere modernen Dichter dies der Weltpoesie ablauschen , die im Leben offen zu Tage liegt , und deren lebendiger Commentar die fortschreitende Menschheit selbst ist ! Eine kleine Weile sah und hörte Oskar dem tollen Treiben ruhig zu , als dem Gesinge