Abends unter dem Titel : » Ein Gastmahl « , für Dich nieder . Eine unvermutete Wendung hatte ich der Sache zubereitet , indem ich in meiner Unschuld gegen die Frauen zum Verräter der Zusammenkunft geworden war , und diese dem Abende einen phantasievoll humoristischen Abschluß gaben . Ach , Lieber ! es ist mir zumute , als stehe mir die Poesie des Lebens so nahe , daß ich sie hinter jedem Busche jetzt und jetzt werde mit Händen greifen , aus jedem Blumenkelche in mich hineinsaugen können ! Da , dort , überall guckt die Elfe hervor und sieht mich mit Liebesaugen an . Ward denn jegliches Dasein bestimmt , wie eine der verwickelten algebraischen Gleichungen nur annäherungsweise ein Analogon von Auflösung darzubieten , oder gibt es nicht auch schlichte , plane Existenzen , die aus Sehnsucht und Erfüllung ein reines Fazit ziehen ? - Und was denkst Du Dir bei diesen geschraubten Worten , die da unwillkürlich meiner Feder entflossen sind ? Ich bin so wenig ein Dichter , als Du ein Schwarzwälder Uhrmacher bist , aber bisweilen bricht die Poesie aus jedem , wie die Träne aus der Rebe im Lenz . Das sind dann schicksalsschwangere Momente , Momente , in denen unsere Sterne sich rühren , und dadurch die Kräfte unsres kleinen Selbstes rühren und regen . Ich schrieb Dir von dem Spessarter Märchen , welches ich da hingeworfen , und nun ist ' s sonderbar , daß sich einzelne Elemente dieser Erfindung , z.B. das unvermutete Treffen eines Freundes , ein kurioses Waldabenteuer , körperlich hinstellen , freilich ganz verschieden von meinem Poem , aber im innersten Sinne doch verwandt , so daß es ist , als wollten mich meine Spessarter Zauberfiguren mit Wirklichkeit necken . Hiebei mußt Du Dir gar nichts Besonderes vorstellen ; es gibt nur so wunderbare Stimmungen , in denen man mehr seine Gedanken , als sein Leben lebt . So will mir das Waldgefühl nicht aus dem Sinn , es flutet grün und kühl mit frischem Borkengeruch durch meine Seele , und gelbe Funken kreuzen den stillen , tröstlichen Schein . In Leben und Tod , mein alter Ernst , Dein Narr N.S. Die arme Clelia dauert mich herzlich . Wie schlecht , daß ich ihrer erst jetzt gedenke ! Was mich betrifft , so mögen sie von mir schwätzen , was sie wollen . Dreizehntes Kapitel Der Jäger schießt und trifft Immer wurde unser junger Schwabe von seinen schwärmerischen Empfindungen wieder durch einen äußeren Eindruck abgezogen , der ihm etwas Neues zuführte . So besuchte er den Sammler , den wir auf dem Oberhofe kennengelernt haben , einige Tage , nachdem er den Brief an seinen Freund geschrieben hatte . Der alte Schmitz hatte ihm schon hin und wieder ein saures Gesicht gemacht , daß seine Schätze noch nicht früher in Augenschein genommen worden waren , indessen erheiterte sich dieses jetzt bald , als der Jäger , angelegentlich fragend , in der kleinen , engen und dunkeln Wohnung mit ihm durch die aufgestapelten alten Klosterbilder , Pergamenthaufen , Waffen , Urnen und Gefäße hindurchwanderte , und den gelegentlich erfolgenden Auseinandersetzungen : Wo Hermann den Varus geschlagen ? ein aufmerksames Ohr lieh . - Der Jäger sah manches ihm Neue und würde von der ganzen Beschauung noch mehr Nutzen gehabt haben , wenn ihm sein Führer Muße gelassen hätte , die einzelnen Stücke genauer zu betrachten . Allein , sobald er einige Sekunden lang bei einem verweilt hatte , riß ihn der Ungeduldige mit schreienden Worten zu einem andern hin , in der Besorgnis , daß irgend etwas übersehen bleiben möchte . Er lebte , nach Sammlermanier , ganz einsam und nur seinen Seltenheiten hingegeben . Ein großer , schwarzer Kater , welcher ihm treu anhing , machte seine ganze Hausgenossenschaft aus . Dieser ging denn auch heute , wie es seine Gewohnheit war , ernsthaft durch die Zimmer hinter den beiden menschlichen Beobachtern , wie ein dritter Altertumsfreund einher . Der Alte war eigentlich infolge einer unglücklichen Liebe Sammler geworden . In seiner Jugend hatte er einem schönen Mädchen sein Herz zugewandt , welche , zu früh elternlos , unter der Obhut oder vielmehr Nichtobhut eines schwachen , nachlässigen Vormundes stand und bei ihrem Leichtsinn zu unabhängig war , um verständig bleiben zu können . Nachdem sie den treuen Verehrer vielfältig durch Grillen und Zweideutigkeiten gekränkt hatte , setzte sie ihrem Benehmen durch offenbare Untreue die Krone auf . Der Himmel strafte sie aber doppelt dafür ; er ließ sie ihr Herz an einen Unwürdigen hängen und bald hernach in eine schwere Krankheit verfallen , von welcher sie nicht wieder erstand . Auf dem Totenbette trat die Reue ihren wankelmütigen Busen an , sie schickte nach dem Verlassenen , es erfolgte eine Aussöhnung , und sie setzte ihn zum Erben ihres Nachlasses ein . Unter diesem befand sich eine Menge goldener , silberner , emaillierter , seidner Kleinigkeiten , die das lebhafte Ding zusammengekauft , erbettelt , erstoppelt hatte , da ihr Auge , wie das der Elstern , an allen glänzenden Dingen hing , und ihre Hand besitzen mußte , was ihrem Auge gefiel . Der Hinterbliebene stellte nun daraus ein kleines Kabinett sehr ordentlich zusammen , aber bald wollte ihm das Vorhandene nicht mehr genügen , die Medaillen , die Figürchen , die gemalten Portefeuilles und Mappen forderten Gesellschaft , und er gab sie ihnen durch Münzen , Metallsachen , Siegelkapseln , schön geschriebene Pergamenturkunden . Dergleichen greift aber immer weiter um sich , es zieht gewissermaßen magnetisch das Gleichartige an , und ehe er es sich versah , hatte daher seine Umgebung und sein Leben die nachherige Gestalt bekommen . Da nun die Liebhaberei bei ihm gefühlvollen Urspungs war , so gab sie ihm auch nicht das Trockene und Leblose , wodurch die Sammler in der Regel der Abdruck ihrer Sachen werden ; er behielt vielmehr eine freundliche und milde Sinnesart . Der Jäger hatte neben einigem Guten viel Geringes besichtigen müssen . Jetzt fiel sein