schwer hinwandelndes Rind der allgemeinen Freude sein Leben zum Opfer bringen mußte , aber doch haben die leichten Truppen am Meisten gelitten , das Gakeln im Hühnerhofe hat sich seit der großen Katastrophe bedeutend vermindert . Die größte Beschwerde , bemerkte der Graf , verursacht bei solchen Gelegenheiten die große Menge Pferde und verschiedenartiger Bedienten , die alle wieder ihre Rangordnung unter einander haben , die anerkannt werden muß ; die begleitenden Kammerdiener dürfen nicht mit den gewöhnlichen Bedienten vermischt werden ; die Kutscher und Vorreiter trennen sich von diesen , die Kammerjungfern wollen höher geachtet werden als die Kinderwärterinnen , die auch bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen , und so gibt es in den unteren Zimmern zehn verschiedene Gesellschaften zu bewirthen , wenn sich eine in den Sälen des Hauses versammelt . Störend ist es mir gewesen , sagte St. Julien , daß oft auf eine Dame mußte gewartet werden , wenn ein Tanz anfangen sollte , weil sie eben ihr Kind tränkte , oder daß aus den entfernten Zimmern sich zuweilen das Geschrei der Kinder vernehmen ließ , deren Bedürfniß die Mutter nicht befriedigen konnte , weil die Quadrille noch nicht beendigt war . Es ist eine moderne Thorheit , sagte die Gräfin , daß die Frauen glauben , sie erfüllen eine wichtige mütterliche Pflicht , wenn sie ihre Kinder selbst tränken . Wie ! rief der Prediger , halten die Frau Gräfin dieß nicht für die erste Pflicht einer Mutter ? Wenn eine Mutter , erwiederte die Gräfin , ihr Kind so sehr liebt , daß sie ihm die erste Nahrung durchaus selbst reichen will , so ist dieß weder Tugend noch Pflicht zu nennen , die Mutter befriedigt bloß ihr eigenes Gefühl ; es versteht sich , daß ich hier nur von den wohlhabenden Müttern spreche , denn wenn eine arme Frau von schwacher Gesundheit , ohne hinreichende Nahrung und Pflege , die letzten Kräfte aus Noth und Liebe aufopfert , und recht eigentlich ihr Kind ihr Leben saugen läßt , so ist dieß ganz etwas anders ; ich spreche bloß von unseren Damen , und ich meine , wenn diese eine solche Pflicht übernommen haben , daß sie sie dann auch ganz erfüllen müßten . Nun dieß thun doch wohl alle Mütter , erwiederte der Prediger . Ich glaube , wenn eine dieser Mütter , sagte die Gräfin , eine Amme bei ihrem Kinde hätte , die es sich beikommen ließe , eine Nacht hindurch tanzen zu wollen , daß sie sehr unzufrieden damit sein würde ; aber , wie gesagt , es ist eine moderne Thorheit , und es wäre hart , wenn die jungen Frauen alle Lust des Lebens aufgeben sollten , weil sie etwas unternommen haben , was sich mit dieser Lust nicht vereinigen läßt . Es ist wahr , rief der Arzt , die Frauen sind auf die Häuslichkeit angewiesen von der Natur , dieß ist ihre wahre und einzige Bestimmung . Das ist eine Behauptung , der sich gar nicht widersprechen läßt , sagte die Gräfin , ob ich gleich überzeugt bin , daß wir beide einen ganz verschiedenen Sinn damit verbinden . Und ich denke , meinte der Prediger , der Begriff der Häuslichkeit ließe sich leicht feststellen , und es könnte nicht schwer fallen , die Pflichten einer Frau auseinander zu setzen , die hauptsächlich in hingebender Liebe bestehen . Ich habe es immer getadelt , daß bei der Erziehung der jungen Mädchen mehr darauf gesehen wird , daß sie glänzen sollen , als daß man sie zu künftigen Gattinnen bildet , die ihre Pflicht erfüllen könnten , die doch hauptsächlich darin besteht , den Mann zu beglücken . Ich möchte nicht gern , sagte die Gräfin , einen oft geführten Streit von Neuem führen , es sind so unzählige Bücher geschrieben worden , die davon ausgehen , den Satz als unbestreitbar hinzustellen , daß die Frauen dazu da sind , die Männer zu beglücken , und deren Verfasser sich nur in Rathschlägen erschöpfen , wie dieß am besten zu bewerkstelligen sei , daß viel Muth dazu gehört , sich gegen die allgemeine Ansicht aufzulehnen . Wie ! rief der Prediger , ist es möglich , an der edelsten Bestimmung des Weibes zu zweifeln ? Würden Sie nicht finden , Herr Prediger , sagte die Gräfin , daß es eine seltsame Anmaßung wäre , wenn Jemand behaupten wollte , es sei die erste und heiligste Pflicht der Männer , ihre Frauen zu beglücken ; sie wären eigentlich nur dazu da ; und halten Sie den Schöpfer für so partheilich , daß er ein Geschlecht bloß dazu erschaffen haben sollte , damit das Andere beglückt wird ? Ich glaube , daß sich beide Geschlechter ergänzen , daß aber beide ihre Selbstständigkeit bewahren müssen , und der größte Fehler in der weiblichen Erziehung liegt wohl darin , daß auf diese Selbstständigkeit wenig Rücksicht genommen wird und die armen jungen Mädchen nur für ihre künftigen Gatten gebildet werden . Der Geistliche wollte die Gräfin unterbrechen , aber , ohne es zu bemerken , fuhr sie fort : Warum sollen die Talente , die Fähigkeiten und alle schönen Eigenschaften der Seele eines jungen Mädchens nicht eben sowohl ausgebildet werden , als die eines Knaben , schon um ihrer selbst Willen ? Dann würden wir also lauter gelehrte Frauen haben , bemerkte der Pfarrer mit spöttischem Lächeln . So wenig , erwiederte die Gräfin , wie wir lauter gelehrte Männer besitzen , denn wo Neigung und Geistesfähigkeit nicht vorhanden ist , kann sie auch nicht ausgebildet werden ; ja ich glaube zu Ihrer Beruhigung versichern zu können , fuhr die Gräfin fort , daß es mit sehr wenigen Ausnahmen gar keine gelehrte Frau geben kann , so wenig wie eine Künstlerin im wahren Sinne des Worts . So geben also die Frau Gräfin hierin doch die Ueberlegenheit des männlichen Geschlechts zu ? fragte der Pfarrer . Nicht weil ich glaube , erwiederte die Gräfin , daß die Fähigkeiten des einen Geschlechts an sich