auf die höchsten Zinnen des Gebirges , Abschied von seinen Hochländern und eilte güterlos und geächtet hinab . Über das platte Land verbreitete sich der Friede weit und breit in schallender Freude ; er allein zog einsam hindurch , und seine Gedanken kann niemand beschreiben , als er die letzten Gipfel des Gebirges hinter sich versinken sah . Er gedachte wenig seiner eigenen Gefahr , da rings in dem Lande die feindlichen Truppen noch zerstreut lagen , von denen er wohl wußte , daß sie seiner habhaft zu werden trachteten . Er achtete sein Leben nicht , es schien ihm nun zu nichts mehr nütze . - So langte er an einem unfreundlichen , stürmischen Abend in einem abgelegenen Dorfe an . Die Gärten waren alle verwüstet , die Häuser niedergebrannt , die wenigen übriggebliebenen schienen von den Bewohnern verlassen ; es war ein trauriges Denkmal des kaum geendigten Krieges , der an diesen Gegenden besonders seine Wut recht ausgelassen hatte . An dem andern Ende des Dorfes fand Friedrich endlich einen Mann , der auf einem schwarzgebrannten Balken seines umgerissenen Hauses saß und an einem Stück trockener Brotrinde nagte . Friedrich fragte um Unterkommen für sich und sein Pferd . Der Mann lachte ihm widerlich ins Gesicht und zeigte auf das abgebrannte Dorf . Ermüdet band Friedrich sein Pferd an und setzte sich zu dem Manne hin . Er befragte ihn , wie so großes Unglück insonderheit dieses Dorf getroffen ? - Der Mann sagte gleichgültig und wortkarg : » Wir haben uns den Feinden widersetzt , worauf unser Dorf abgebrannt und mancher von uns erschossen wurde . Was kümmert mich aber das , und das Land und die ganze Welt « , fuhr er nach einer Weile fort , » mir tut ' s nur leid um mich , denn zu fressen muß man doch haben ! « - Friedrich sah ihn von der Seite an , wie er so an seinem Brote kauete , sein Gesicht war hager und bleichgelb , und sah nach nichts Gutem aus . Eine lustige Tanzmusik schallte inzwischen immerfort durch die Nacht zu ihnen herüber . Sie kam aus einem altertümlichen Schlosse , das dem Dorfe gegenüber auf einer Anhöhe stand . Die Fenster waren alle hell erleuchtet . Inwendig sah man eine Menge Leute sich drehen und wirren ; manches Paar lehnte sich in die offenen Fenster und sah in die regnerische Gegend hinaus . » Wem gehört das Schloß da droben , wo es so lustig hergeht ? « fragte Friedrich . » Der Gräfin Romana « , war die Antwort . Unwillkürlich schauderte er bei dieser unerwarteten Antwort zusammen . Erstaunt drang er nun mit Fragen in den Mann und hörte mit den seltsamsten Empfindungen zu , da dieser erzählte : » Als die letzte Schlacht verloren war und alles recht drunter und drüber ging , heisa ! da wurde unsere Gräfin so lustig ! - Ihr Vermögen war verloren , ihre Güter und Schlösser verwüstet , und als unser Dorf in Flammen aufging , sahen wir sie mit einem feindlichen Offiziere an dem Brande vorbeireiten , der hatte sie vorn vor sich auf seinem Pferde , und so ging es fort in alle Welt . Seit einigen Tagen hatte der Feind dort unten auf den Feldern sein Lager aufgeschlagen ; da war ein Trommeln , Jubeln , Musizieren , Saufen und Lachen , Tag und Nacht , und unsere Gräfin mitten unter ihnen , wie eine Marketenderin . Gestern ist das Lager aufgebrochen und die Gräfin gibt den Offizieren , die heute auch noch nachziehen , droben den Abschiedsschmaus . « - Friedrich war über dieser Erzählung in Nachdenken versunken . - » Ich sehe den Offizier noch immer vor mir « , fuhr der Mann bald darauf wieder fort , » der den Befehl gab , unsere Häuser anzustecken . Ich lag eben hinter einem Zaune , ganz zusammengehauen . Er saß seitwärts nicht weit von mir auf seinem Pferde , der Widerschein von den Flammen fiel ihm durch die dunkle Nacht gerade auf sein wohlgenährtes , glattes Gesicht . Ich würde das Gesicht in hundert Jahren noch wiedererkennen . « - Die Lichter in dem Schlosse , während sie so sprachen , fingen indes an zu verlöschen , die Musik hörte auf , und es wurde nach und nach immer stiller . Der Mann wurde seltsam unruhig . » Jetzt werden die Offiziere auch fortziehn , wollen wir ihnen nicht sicheres Geleit geben ? « - sagte er abscheulich lachend , und stand auf . Friedrich bemerkte dabei , daß er etwas Blitzendes , wie ein Gewehr , unter seinem Kittel verborgen hatte . Eh er sich aber besann , war der Mann schon hinter den Häusern in der Finsternis verschwunden . Friedrich trauete ihm nicht recht , er zweifelte nicht , daß er etwas Gräßliches vorhabe . Er eilte ihm daher nach , um ihn auf alle Fälle zu verhindern . Tief im Walde sah er ihn noch einmal von weitem , wie er eben eilig um eine Felsenecke herumbog ; darauf verschwand er ihm für immer , und er hatte sich vergebens ziemlich weit vom Dorfe in dem Gebirge verstiegen . Als er eben auf einer Höhe ankam , um sich von dort wieder zurechtzufinden , stand sehr unerwartet die Gräfin Romana plötzlich vor ihm . Sie hatte eine kurze Flinte auf dem Rücken und dieselbe feenhafte Jägerkleidung , in welcher er sie zum letzten Male auf der Gemsenjagd gesehen hatte . Versteinert wie eine Bildsäule blieb sie stehen , als sie Friedrich so unverhofft erblickte . Dann sah sie ringsherum und sagte : » Ich habe mich hier oben verirrt , ich weiß den Weg nicht mehr nach Hause - führe mich , wohin du willst , es ist alles einerlei ! « - Friedrich fiel das ungewohnte » Du « auf , auch bemerkte er in ihrem Gesichte jene leidenschaftliche Blässe , die ihn sonst schon oft an ihr gestört hatte .