was zu tun , wo jeder staunt , unwissend wohin es deute ; denn wo so verschlossene Wege sich öffnen , warum soll der Mensch da die gewöhnlichen des Lebens weiter gehen . Seit diesem Tage bemerkte er an dem Kleinen ein eignes Vergnügen den Leuten im Hause das Zukünftige zu sagen ; er ließ sich die Hände zeigen und wußte ihnen so ins Herz zu reden , daß sie vor ihm erbebten . Auch die Gräfin hielt ihm die Hand einmal hin , aber der Kleine hatte mit dem Kopfe geschüttelt und nichts sprechen wollen . Kleine Begebenheiten trafen wirklich ein und der Glaube an ihn vermehrte sich im Dorfe so gewaltig , daß selbst des Grafen Ansehen , wenn er auch den Willen dazu gehabt , den Zulauf nicht gehemmt hätte . Unsre Bücher schweigen von dem geheimen Volksglauben , weil die lesenden Stände ihn aufgegeben haben ; die nichtlesenden wissen von Thomasius nichts und es vergeht ihnen kaum eine merkwürdige Zeit ohne geglaubte außerordentliche Einwirkung der höheren Kräfte und Erscheinungen , die den Dichtern als eine unterhaltende Täuschung verziehen werden , deren sich aber die Historiker , ungetreu allen ihren Grundsätzen über die Benutzung der Quellen , immerdar noch schämen . Ich erzähle , wie ich die Geschichte empfangen , einzig besorgt , sie nicht zu entstellen . Alonso , der Bruder des kleinen Traugott , kam von Zeit zu Zeit seinen Bruder zu besuchen , aber ihr sonstiges Spiel hatte sich in einen Austausch von Zärtlichkeit und Ehrfurcht aufgelöst ; Alonso wagte es nicht mehr mit ihm zu spielen , und Traugott führte ihn mit Tränen an seiner Mutter Grab , wo er ihm von einer Blume erzählte , die nicht giftig wäre und doch gelb , zu der die Sonne wie ein Staub täglich neu fliege und falle , sie schwimme wie eine Wasserlilie auf dem Meere . Wenn Alonso nun fragte , woher er das wisse , so sagte Traugott , die Mutter habe es ihm gesagt . Und wenn er ihn fragte , ob er wohl ein Verlangen nach der Blume habe ? » Ei Gott nein « , antwortete er , » zu der bin ich noch lange nicht reif , vor der müßte ich ganz und gar vergehen ! « Der Prediger Frank interessierte sich lebhaft für Traugott ; er wollte ihn immer beobachten , aber der Kleine verschloß sich vor ihm wie das Nolimetangere vor jeder unkeuschen Berührung ; ja seine Nähe machte dem Kleinen physischen Schmerz . Der Arzt des Fräuleinstifts , der berühmteste der Gegend , kam einen Tag um den andern , aß bei dem Grafen , ging einen Augenblick zu Traugott , fühlte den Puls , besah die Zunge , und versicherte , er sei sehr zufrieden , es werde bald ganz gut werden . - Eines Tages sagte der Knabe , er werde seinen Vater bald sehen , und wirklich kam Waller den Nachmittag aufs Schloß geritten und brachte der Gräfin einen prächtigen , mit einem Helmgefäße in Bronze verzierten Kürassierdegen , den der häßliche Baron in einem der ersten Gefechte erbeutet . Seine Beschreibungen von der Armee waren sehr lächerlich ; er hielt sie für eine große Fuchtelmaschine und erzählte , wie der Schweizer vor den Gefechten so herum schleiche und heimlich seine heiligen Bilder mit Segenssprüchen zu hohen Preisen absetze , und wie der Prinzenhofmeister nach der Schlacht unter dem Schutze des Barons eine große Pharaobank aufgeschlagen , um den Rest des Geldes an sich zu reißen . Alle Taschen hatte er mit lustigen Soldatenliedern gefüllt , und im Lager hatte er ein großes Puppenspiel gehalten , worin er sich über alle kommandierende Feldherren unter veränderten Namen aufgehalten . » Keine Art von Menschen « , rief er , » hat mehr Sinn für echt lebendige Kunst als gemeine Soldaten , keine so wenig Sinn und Urteil als Offiziere ; ihr bißchen Taktik und ihre steifstellige Ehre und ihr schiefer Hut hindern sie einem Spaß gerade in die Augen zu sehen ; sie möchten gern recht vornehm fühlen , und da schämen sie sich mit den Soldaten zu lachen , wo sie es nicht kommandiert haben . « - Nach seinen Kindern hatte er weiter kein Verlangen , aber wohl nach seinen Werken , die damals so schnöde aus dem Wagen geworfen . Welcher Schrecken , als ihm der Graf den hohen Turmknopf als ihren gegenwärtigen Ehrensitz zeigte , und ihn fragte , ob er Lust hätte sich da hinaufziehen zu lassen , um die Kugel aufzumachen , und nachzusuchen . Er warf sich schwindelnd an die Erde und glaubte schon oben zu stehen , so stark trieb ihn die Versuchung dahin , er schwor , daß er hinauf müsse , und koste es ihm das Leben . Vergebens stellte ihm der Graf die künftige Unsterblichkeit vor , wenn nach mehreren Jahrhunderten der Kirchenknopf eröffnet würde , vielleicht bliebe er dann allein noch übrig von allen Dichtern ; er wollte den Ruhm in seiner Zeit und es mußte alles angeordnet werden , um die Kugel wieder zu eröffnen . Sehr beschäftigt mit diesem Gedanken , bat er sich zu seiner Stärkung ein neues Getränk aus , das allen im Schlosse noch gänzlich unbekannt war , er nannte es einen Brenner und bereitete es selbst . In eine große breite , nicht allzu tiefe Porzellanschale goß er mehrere Flaschen Rum und drückte ein paar Zitronen hinein , dann legte er zwei Degen quer über und auf die Degen große Stücken Zucker ; nun bat er die Gräfin die Flüssigkeit mit einem seiner Gedichte anzuzünden . Als die Flamme blau aufloderte , löschte er die Lichter aus , und bald erschienen die Menschen umher wie Geister , nämlich so wie Geister gewöhnlich gedacht werden , farbelos und unbestimmt . Waller durchkreuzte die Luft mit fürchterlichen Beschwörungen , und schrieb Charaktere auf den Boden ; jetzt flammte das rötlich gelbe Feuer des Zuckers auf und indem die Gräfin schauderte - sagte Waller , daß alles beendigt