zugleich schön sind , wenn sie auch nichts als sich selbst bedeuteten . Durch die Bedeutung erhält ein gutes Bild immer ein höheres Leben , denn es liegt so eine Geschichte in seiner Erscheinung , indem es , um schön zu sein , seine Bedeutung besiegt . Als ich auf dem Berge angelangt war , ergoß sich eine herrliche Aussicht um mich , die Sonne ging schön auf , und es war mir sehr wohl . Ein schöner Wald drängte sich von der entgegengesetzten Seite , und rauschte freudig mit seinen Zweigen des Friedens in der frischen Morgenluft . Ich fühle in einem Walde , bei den großen lebendigen Säulen der kühlen zusammenrauschenden Gewölbe , immer eine tiefe Berührung im Innern . Friede , Versöhnung , freudigen Ernst und schaffende Ruhe könnte ich nur singen in Wäldern , bei den allmächtigen Stämmen , die nicht streitbar sind , in der Ruhe freudig verwachsen , sich umarmen und ausweichen , still und ernst , leises Wehen ihrer Küsse , und leichtes Sinken sterbender Blätter . Fest auf sich selbst und aus sich selbst , im Sturme mächtiges Brausen , kräftige , schwingende Bewegung , oder großer stürzender Tod , daß die Erde erbebt und die nahen Freunde mit hinab müssen zu der Ruhe ; und wenn die Sonne aufsteigt und weggeht , wie die Gipfel sie golden begrüßen , und es niedersteigt an den Stämmen leise und feierlich , wie einer des andern Licht teilt und Dunkel , wie jeder seinen Schatten dann an den Boden streckt , das Maß seiner Größe , das endlich in allgemeiner Herrlichkeit zerrinnt , wenn der Mittag herabstrahlt und ihre Häupter in Pracht und Leben verglühen , während die Füße noch im kühlen Grabe der Schatten weilen , wie dann die Schatten wieder auferstehen , wenn die Sonne untergeht ; wie endlich der letzte Kuß der Sonne noch an den Wipfeln hängt , bis alle gleich werden in der tiefen Nacht , wie sie es in der Pracht des Mittags waren , oder der sanfte Mond nach denselben Gesetzen den milden Tag der Liebe und des innern stillen Treibens im Herzen über sie ausgießt . Friede , Versöhnung , freudigen Ernst und schaffende Ruhe möchte ich nur singen in Wäldern . An dem Ausgange des Waldes , der das ganze Tal erfüllte und auf der andern Seite wieder in die Höhe zog , wo er sich endigte , bemerkte ich einen hohen Rauchfang , auf dem ein Storch sein Nest erbaut hatte , und vermutete , daß dieses Gebäude zu dem Landgute gehöre . Der Storch war noch nicht wieder da , denn er hat eine weitere Reise zu machen als der Frühling . Die Seite des Bergs , an der ich hinabstieg , war meistens Felsenwand , und hin und wieder mit reinlichen steinernen Treppen unterbrochen . Es zog sich so freundlich hinab , um und um rauschte der Wald , die Sonnenstrahlen fielen schräg das Tal herein , und mein Schatten hüpfte und ging mir gesellig in allerlei gebrochenen Gestalten zur Seite . Ich war recht munter , blieb manchmal stehn , wenn mir mein Schatten gar zu wunderlich aussah , bewegte mich auf verschiedene Weisen , um ihn zu verändern , und freute mich über meine langen großen Schattenbeine ; dann dachte ich , wenn du nur so auf den Schattenbeinen hinuntergehen könntest , und hob einen Fuß auf , beinahe zwanzig Stufen wäre ich unten ; da ich aber nicht lange den Fuß so halten konnte , setzte ich ihn wieder nieder , und war auf dem alten Flecke . Über dem engen Tale voll Wald stieg ein zarter Nebel auf , und löste sich um mich herum in den Sonnenstrahlen , die höchsten Bäume schimmerten schon in der Sonne , und bald war der ganze Wald unter mir erleuchtet ; auch wurden die Vögel immer lustiger , und ich wünschte nur , auf der andern Seite bald wieder oben zu sein , damit ich bald an dem Schlosse wäre ; denn ich vermutete , da unten in der Wildnis möchte irgend eine allerliebste Anlage , ein Tempelchen oder dergleichen stecken , in das ich mich hineinsetzen , ausruhen und weiter gar nicht ans Weitergehen denken könnte . Ich vermutete so etwas , weil ich weiß , daß die Engländer immer viele Anlagen zu solchen Anlagen haben , und weil ich durch mein munteres , unregelmäßiges Gehen und besonders durch meine Schattenspiele etwas müde geworden war . Ich schritt darum wacker zu , der Rauchfang mit dem Storchneste war mir wie ein Magnet : es liegt etwas Heimliches , Getreues und Heimatliches in so einem Storchneste ; denn ein gastfreies Dach bedeckt gastfreie Menschen . So reflektierte ich , denn ich war hungrig , und um mir diese Reflexion zu bemänteln , machte ich geschwinde noch folgende über das Schreiten auf Schattenbeinen , und hob , um der Anschauung willen , die Beine noch einigemal , den Schritt des Schattens beobachtend . Drittes Kapitel Es giebt allerdings Leute , die so mit den Schattenbeinen zu gehen glauben und große Beschreibungen von solchen Reisen zu erzählen wissen . Ich meine eine gewisse Gattung junger Philosophen , denen die Sonne noch nicht grade über dem Kopfe steht , sondern hinter dem Rücken . Das Licht , das die Sonne vor ihnen hergießt , nennen sie ihr eignes Produkt , ihr ganzer Gesichtskreis ist ihnen ihr Objekt , und ihren Schatten nehmen sie als ihr Subjekt , ihr Ich , an , das ihnen durch Anschauung zum Objekt geworden ist . Erst stehen sie sehr ernsthaft still , schütteln in tiefen Gedanken den Kopf , schneiden Gesichter , und betrachten das im Schatten , und nennen es zum Selbstbewußtsein kommen ; dann heben sie wechselsweis Arme und Beine - so viel als möglich zierlich , der Ästhetik halber - und haben sie dies im Schatten beobachtet , so sind sie zum Bewußtsein der reinen Akte gekommen . Haben sie dieses alles einige Zeit getrieben