verschaffen . Eurybates war auch dabei . Zufälliger Weise hatte sich die schöne Droso mit ihrer Angelruthe auf einer unsichern Stelle zu weit hinaus gewagt ; der Fuß glitschte ihr aus , sie verlor das Gleichgewicht , und fiel ins Wasser . Eurybates , der es zuerst gewahr wurde , und , wie die meisten Athener , ein guter Schwimmer ist , springt ihr augenblicklich nach , er faßt sie beim ersten Auftauchen mit beiden Armen , und bringt sie glücklich ans Land . Der Schrecken des Falls und die Schamröthe , in nassem Gewande140 von dem tapfern Eurybates auf das dichtbegraste Ufer gelegt worden zu seyn , war , nebst den Scherzen , welche das arme Mädchen von ihren Gespielen beim Umkleiden auszuhalten hatte , das Schlimmste , was dieser Zufall nach sich zog . Das Beste davon ward ihrem edeln Retter zu Theil ; denn seit diesem Augenblick machte sich die holde Droso zur Beherrscherin seines Herzens , und von Lysandra war so wenig mehr die Rede , als ob sie nie in der Welt gewesen sey . Kleombrot ist in dieser Nacht verschwunden . Der Tag unserer Abreise nach Milet rückt heran . Ich begleite Lais , Kleonidas begleitet mich . Eurybates hat glücklicherweise Geschäfte zu Milet . Daß Musarion und die drei Grazien von der Partie sind , versteht sich . Mache mir die Freude , lieber Hippias , recht bald Nachricht von dir und dem schönen Syrakus zu erhalten , und von euerm Tyrannen , den ich ohne Bedenken zum Selbstherrscher aller eurer Demokratien und Oligarchien krönen würde , wenn König Jupiter , dessen Statthalter ( nach Homer ) die bescepterten Herren auf Erden sind , mir seine Machtvollkommenheit nur auf eine halbe Stunde überlassen wollte . 51. Hippias an Aristipp . Man ist es an den Athenern zu sehr gewohnt , daß sie ihren größten und verdientesten Männern am übelsten mitspielen , als daß die gerichtliche Mordung des alten Sokrates sonderliches Aufsehen in Griechenland gemacht haben sollte . Hätte sich Anaxagoras und noch vor kurzem Diagoras der Melier , der ein eben so wackerer Mann und ein noch besserer Kopf als der Sohn eines Sophroniskus war , nicht bei Zeiten aus dem Staube gemacht , so würde dieser die Ehre nicht erhalten haben , der erste zu seyn , den sie ( sagt man ) aus der Welt schafften weil er zu weise für sie war . Unter uns , Aristipp , ich glaube man sagt den Athenern und der Weisheit mehr Böses nach als sie verdienen . Der gute Sokrates141 hätte mit aller seiner Weisheit , die am Ende den Athenern weder warm noch kalt gab , ihrentwegen noch lange leben können , wenn er durch seine Ironie , und den Faunischen Muthwillen , alle Leute die sich mit ihm einließen zu necken und in die Enge zu treiben , und durch das ewige Einmischen in fremde Angelegenheiten und alles besser Wissen als andere , sich nicht schon seit langer Zeit verhaßt , und durch seinen anscheinenden Müßiggang und seine armselige Lebensart noch oben drein verächtlich gemacht hätte . Nach Solons Gesetzen soll jeder Bürger der dritten Classe entweder irgend eine nützliche und ehrliche Profession treiben , oder der Republik unmittelbare Dienste thun . Sokrates that , ihrer Meinung nach , weder dieses noch jenes : denn daß er tagtäglich an allen öffentlichen Orten zu sehen und zu hören war , und von einer Bude und Werkstatt zur andern ging , um die Leute mit seinen Fragen und Subtilitäten ( wie sie es nannten ) zu beunruhigen , wurde ihm natürlicher Weise von dem gemeinen Mann , und selbst von den meisten aus den höhern Classen , für keine Beschäftigung und zu keinem Verdienst angerechnet , wie gut er selbst es auch damit meinen mochte . Wenn wir niemand Unrecht thun wollen , Aristipp , müssen wir billig seyn . Um die Schuld der Athener in diesem fatalen Handel richtig abwägen zu können , müßten wir untersucht haben , ob sie in ihrer Lage und vermöge ihrer gewohnten Vorstellungsart anders von ihm denken konnten ; und wer dieß untersuchen wollte , müßte sich völlig an ihren Platz stellen können . Hier in Syrakus hört man die verschiedensten Urtheile über diese Tragödie , die , so lange sie die Neuigkeit des Tages war , auch das Einzige war wovon überall gesprochen wurde . Die meisten hatten viel an dem Benehmen des Helden auszusetzen , besonders wurde der spottende und trotzende Ton womit er sich gegen seine Richter vertheidigte oder vielmehr nicht vertheidigen wollte , fast allgemein getadelt . Doch fanden sich auch einige , denen dieser Ton der einzige schien , der sich für ihn schickte , wiewohl er leicht voraussehen konnte , was er ihm kosten werde . Aber in Einem Punkt stimmt ganz Syrakus überein , darin nämlich , daß er unrecht gethan habe , den Beistand zur Flucht , den ihm sein Freund Kriton anbot und beinahe aufdrang , so eigensinnig auszuschlagen . Wenn er auch ( sagt man ) auf sich selbst und seine Freunde und Weib und Kinder keine Rücksicht nehmen wollte , so war es Pflicht eines guten Bürgers , den Athenern die Nachreue über ein ungerechtes Urtheil und den Tadel aller übrigen Griechen zu ersparen . Vornehmlich wurde der Grund seiner Weigerung ganz unhaltbar gefunden . » Ich bin , sagte er , den Gesetzen der Republik Gehorsam schuldig ; meine gesetzmäßigen Richter haben mich nach dem Gesetz zum Tode verurtheilt ; also bin ich schuldig das Urtheil an mir vollziehen zu lassen . « - Gleichwohl ( wenden die anders Denkenden ein ) war er selbst überzeugt , daß er unschuldig verurtheilt worden sey . Hatte dieß seine Richtigkeit , so war er nicht nach dem Gesetz verurtheilt ; denn das Gesetz verdammt keinen Unschuldigen . - » Aber , sagte Sokrates , ich bin nicht zum Richter über meine Richter gesetzt ; ich kann mich also ihrem Urtheil deßwegen , weil es ungerecht ist ,