mit Ehren ! An den Galgen gehörte er von Rechts wegen - wenn ich auch die Posse mitmachen und ihm durch eine Beisetzung eine anständige Entsühnung geben will ... Ich beschwöre Sie , mein hochverehrter Freund ! Lassen Sie doch von nun an Ihre kleinen Fehden gegen den Geist der Zeit ! Mit unversöhnlicher Macht ergreift Rom jetzt die Zügel und ich weiß , es wird niemand mehr geschont werden ! Der Schrecken wird die Welt regieren - und es ist gut so , denn die Tyrannen hab ' ich immer menschlicher gefunden , als die Philosophen , die Humanitätsschwärmer , die Tugendhelden , die Volksfreunde , die Aufklärer , die Pietisten , die Gensdarmen , die Vertreter der unendlich suffisanten Ordnung und Richtigkeit des Lebens - die fand ich immer grausam , herzlos und da , wo sie recht tüchtig Widerstand finden , recht feige und erzdumm ... Denken Sie nur allein an die Intrigue , die mich damals zur Gräfin Sarzana machte - muß man nicht das italienische Volk gehen lassen , wie es ist ? Eine Bestie ist ' s und zum Gehorchen bestimmt ... Und , mein Freund - die Kirche ! Ich begreife in der That Ihr Reformen nicht ! ... Die katholische Kirche ist gerade darum so schön und rührend , weil sie ganz und gar eine Antiquität ist . Mir ist sie nun auf die Art geradezu eine wurmstichige alte Kommode geworden , in der ich meine liebsten Siebensachen , meine alten verblaßten Bänder , meine alten zerknitterten Ballblumen liegen habe ... Aus meinem im Herzen noch manchmal wiederkehrenden Frühling leg ' ich dann und wann eine Rose in die alten Schubläden hinein und deren Duft durchzieht dann die alte beweinenswerthe Herrlichkeit ... Ein bischen moderig bleibt ' s immer , nun ja ! aber der Duft der Rose dringt doch auch in das alte , wurmstichige Holz mit den messingenen Ringen und schnörkligen Schildern dran ein - ach ! auch schon manche Thräne ist mir in den alten Rumpelkasten gefallen ... Lassen Sie doch Ihre Principien , hochverehrter Freund ! Der alte Gott sorgt ja schon selbst für seine Anerkennung ! ... Der Vernünftigste , den ich seit lange beobachtet habe , war Ihr Vetter Benno , von dem ich gar nicht einen solchen Cäsar Montalto erwartet hätte - den dummen Rückfall ausgenommen , der ihn nach Rom unter die Narren von 47 trieb ! ... Glauben Sie mir , er hat in Paris und London glückliche Stunden verlebt ; er nahm , was sich ihm bot , und reflectirte nicht ... Kommen Sie nun auch endlich einmal ordentlich nach Rom ? - Sie müssen Cardinal werden , und mehr ! Nur beschwör ' ich Sie , machen Sie es einst , wenn Sie die dreifache Krone tragen , wie es alle machten , nicht etwa wie unser jetziger Phantast , der sich auf den Vatican , die Hochwarte des wenigstens mir sicher bekannten Universums , wie ein Kind hinstellen und aus einem thönernen Pfeifenstummel Seifenblasen puhsten konnte ! ... Wie leben Sie denn , mein hochverehrter Freund ? ... Ist die alte Gräfin auf Castellungo entschlafen in jenem HErrn , bei dem nur sie allein courfähig war ? ... O , des Hochmuths dieser Frommen ! ... Finden Sie nicht , mein hochverehrter Freund , daß Jesus in den Evangelien eigentlich nur recht bei denjenigen steht , die sich gegen Gesetz und Regel auflehnen , tief in der Irre gehen und mit den respectabeln andern Leuten auf gespanntem Fuße leben ? ... Rauft einer am Sonntag Aehren aus , gleich entschuldigt er ihn ; wäscht ihm eine Frau die Füße mit kostbaren Salben , gleich sagt er : Laßt doch die gute Närrin ! Alles , was Jesus that , war , wie ' s die andern Leute nicht thun - ... Und das wäre denn der Herr für diese wohlanständigen , vornehmen Seelen , deren Sünden höchstens Neid und Hochmuth sind ? Nimmermehr ! ... Auch das hat mich katholisch gemacht , daß mein allersüßester Jesus Mein ganz aparter Freund ist ... Im Dunkel einer kleinen Kapelle , da ein Gekennzeichneter , ein polizeilich Verfolgter , vom vornehmen Pharisäervolk Gesteinigter wie ich , gehört er ausschließlich Mir an ... Vor dem dunkelsten Altar , da , wo von einem Crucifix , von einem schlechten Tüncher geklext , die Tropfen Blutes am Haupt und in der Seite , zum Greifen dick , herunterfließen , da hab ' ich den Liebling meiner Seele und hör ' es , als sagte er : Lucinde - Alte , wie geht es dir ? Bist du immer noch in der Irre , immer noch unverstanden und ohne Herzen , die dich lieben ? ... Das ist wahr , vor der allerseligsten Jungfrau , zu der Sie mir vor langen Jahren riethen , mich besonders vertrauensvoll zu beugen , vor Maria entzündet sich noch immer nicht ganz mein Herz , wie ich möchte ... Ach , die Königin des Himmels hat einen Sohn verloren , hat den gelästert gesehen - das sind gewiß , gewiß große Leiden - aber sie selbst litt nicht viel unter Lästerungen ... Maria ist noch immer meine Feindin , wie alle Frauen ... Grüßen Sie Paula , die ich mehr liebe , als sie glaubt ... Hindern Sie den Grafen nicht , katholisch zu werden ... Es wird sich dann alles zwischen Ihnen leichter machen ... Die katholische Religion ist die der menschlichen Schwäche - und eben in seiner Schwäche liegt die Größe des Menschengeschlechts ... « Jahr ein , Jahr aus kamen diese Ausbrüche einer erbitterten Welt- und Lebensanschauung ... Näherer persönlicher , so innigst von ihr gesuchter Umgang war ihm mit Lucinden vor einigen Jahren in Coni unmöglich gewesen - eben durch die Art , wie sich ihre Denkund Gefühlsweise mit einer scheinbar tiefüberzeugten Art , allen , selbst den bigottesten Vorschriften der Kirche nachzukommen , vertrug und wie sie ihm dadurch den katholischen Glauben , dem er immer