fuhr Ambrosi , des Sichabwendens seines Besuchs nicht achtend , fort , für bestimmt , daß mein Vater todt wäre , er säh ' es im Geist , - doch sollte ich ihn nur aufsuchen ... Verlorenes , wenn auch Unwiederbringliches suchen wäre so gut wie es finden - - wenigstens fände man anderes , neue Schätze ... Seine Thränen deutete mein Gönner nicht allein auf die Theilnahme für den Vater , sondern auch auf die Erkenntniß , daß auch ihm aus tiefster Reue über seine begangenen Fehler , aus Suchen nach ewig Verlorenem erst die Kraft der Erhebung geworden wäre ... Bonaventura verbarg die Thränen in seinem Auge - er verrieth nichts von einer Ahnung , daß des Vaters fingirter Tod - wol gar mit dem wirklichen Tode des Professors Ambrosi zusammenhing ... Wenn hier eine Schuld des Vaters vorläge ? dachte er schaudernd ... Seine Hände zitterten ... Das erbrochene Grab des alten Mevissen , die aufgefundenen Angedenken , die Urkunde Leo Perl ' s , alles trat ihm gespenstisch entgegen ... Sein Vater - konnte doch - kein - Verbrecher sein - ! ... Ist Ihnen nicht wohl ? fragte Ambrosi , ihm näher tretend ... Bonaventura hätte sich ihm an die Brust werfen , alles offenbaren , alles von sich und von seinem Vater eingestehen mögen ... Aber diese neue Verwickelung wieder - war zu beängstigend - sie zwang ihn , seine Worte zu hüten ... Nachdem er sein Befinden als wohl bezeichnet , wagte er noch ein Entscheidendes , indem er leise , gleichsam nur in Hindeutung auf den verschollenen Vater Ambrosi ' s , die Worte sprach : Räthsel - Räthsel ... Fiat lux - in perpetuis ! ... Eine Bewegung in den Mienen des Cardinals blieb aus ... Sein Antlitz blieb ruhig ... Von einem besondern Sinn dieser Worte schien er nicht betroffen ... Nun mahnten die Caudatarien wiederholt ... Ambrosi mußte Abschied nehmen und sofort für längere Zeit , da ihn unmittelbar nach dem Consistorium Ausgrabungen am untern Lauf der Tiber zu einer Reise veranlaßten ... Noch sprach er sein sichres Vertrauen aus , daß der an die Krone von Piemont gehende Vorschlag , das Erzbisthum Coni an den Bischof von Robillante zu geben , Erfolg haben würde - rieth aber , nach dem Entschluß des Papstes sofort nach Turin zu reisen ... Er wünschte Bonaventura Glück und trennte sich von ihm , nur noch mit einer bedeutungsvollen Erinnerung an die einst zwischen ihnen auszutauschende Freundesbeichte und einer vollkommen unbefangenen Versicherung , daß es aufgeklärte , brave und wohlwollende Priester auch in Rom gäbe ... Ueber den Eremiten im Silaswalde würde er ihm unfehlbar binnen kurzem nach Coni schreiben ... Bonaventura wurde vom apostolischen Stuhl zum Erzbischof von Coni vorgeschlagen ... Auch Ceccone verlangte , daß er , um Intriguen vorzubeugen , sofort nach Turin eilte ... Den Cardinal Ambrosi hatte Bonaventura seitdem nicht wiedergesehen ... Aber ihr Briefwechsel blieb der lebhafteste , blieb die Fortsetzung ihrer ersten Begegnung ... Bonaventura sah das Wachsen des Lichts und der Aufklärung auch in Italien ... Ambrosi gestand in aller Offenheit , daß schon lange und noch immer eine fortgesetzte Beziehung zwischen ihm und Frâ Federigo bestand ... Aber das Wort desselben : Er beschwöre den Erzbischof von Coni , bis zu einer bestimmten Zeit seiner Spur nicht zu folgen ! wurde von ihm ohne die mindeste Ahnung der Verwandtschaft wiederholt ; es wurde nur auf die Lage des Erzbischofs , seine Theilnahme für einen Deutschen bezogen ... Unterwarf sich Bonaventura diesem Befehl ? ... Die That eines Mannes , sagte er sich zuletzt über diese schmerzliche Lücke seines Lebens , darf nicht halb sein ... Darf ich den Vater hindern , seinen Ausgang aus dem Leben so weit zu vollenden , als er ihm ohne den Selbstmord möglich schien ? ... Noch lebt die Mutter ... » Es ist eine der grausamsten Handlungen , die es geben kann , jemand an einem schon begonnenen Selbstmord hindern « , hatte ihm der Onkel Dechant geschrieben und noch in dem letzten , theilweise Armgart dictirten Briefe an Bonaventura stand : » Ich nehme dein Ehrenwort , Bona - nehme es nicht vom Priester , sondern vom Asselyn , daß du vor dem Tod deiner Mutter den Eremiten vom Silaswalde nie suchst - nie kennst - « ... Bonaventura gelobte es ... Sein Brief kam zwar nach Kocher am Fall zu spät , das Gelöbniß blieb aber gegeben ... Mit Freuden riß sich damals der so mannichfach gebundene und durch seinen Beruf , durch das ihm auch in Rom geschenkte Vertrauen so mannichfach willensunfrei gewordene Priester von der ewigen Stadt los ... Er sah die Leidenschaft Olympiens für Benno - er sah die Aussöhnung der ihm schon in Wien nur wenig sympathischen Mutter mit ihren ärgsten Feindinnen ... Er sah die Zurüstungen der Reise , durch die Ercolano Rucca » an die Brust seines besten Freundes zu gelangen « wünschte ... Er ahnte alles , was kommen mußte , las es aus den Mienen Lucindens , die wol auch ganz offen sagte : » Benno liebt ja Olympien ! Man liebt mit Leidenschaft nur das , was man versucht sein könnte unter andern Umständen zu hassen ! Er sieht alle ihre Fehler , aber er wird sich überreden , sie verbessern zu können . Und ist es unmöglich ? Wir Frauen sind die Erzeugnisse unseres Glücks oder unseres Unglücks ! « ... Bonaventura traute Lucinden mit dem Grafen Sarzana , nachdem er die Bedingung gemacht , daß ihm Beichte und Examen ( beide müssen jeder Trauung vorangehen ) vom Pfarrer der Apostelkirche , der die Cession gegeben , abgenommen wurde ... Wie traten ihm die Stimmungen jener Tage aus dem Briefe wieder entgegen , mit dem Lucinde ihr heutiges Geschenk begleitet hatte ! ... Grade heute hatte sie ihm geschrieben : » Dieser Sarzana ! So hat er denn die Glorie seines Lebens gefunden , der tückische Schurke , den sie in die Grube geworfen haben ordentlich