von List sogar blitzte aus seinem Antlitz ... Einige Worte wagte er in deutscher Sprache ; seine Gedanken wurden nicht klar ; er sprach wieder italienisch ... Anerkennend urtheilte er von Klingsohr ' s Gelehrsamkeit ... Vom Bruder Hubertus sagte er : Dem kommt es zu statten , daß der geistliche Stand im Süden Europas etwas anderes ist , als im Norden ... Unsere Mönche sind schwer an ihre Regel zu bannen ... Sie ergreifen jede Gelegenheit , ihrem Temperament zu folgen und viele gibt es , die immer unterweges sind ... Aufträge gibt es genug und wenn sonst kein Entschuldigungsgrund vorliegt , wird dem Drang zum Betteln als einer heiligen Vocation Gehör gegeben ... Ich war zugegen , wie der Todtenkopf den Auftrag erhielt , den Bischof von Macerata zu befreien , und noch dringender , den Gefangenen des Grizzifalcone , den Pilger von Loretto ... Eines gelang ihm durch List , das andere , hör ' ich , durch wunderbare Abenteuer , an denen - sogar die Treue eines Hundes betheiligt ist ... Der Cardinal erzählte , was Bonaventura durch Klingsohr wußte ... Die Vertraulichkeit kehrte wieder ganz zurück ... Mit leiser Stimme gaben sich diese Gefangenen ihrer Würde der Geständnisse immer mehr ... Ambrosi gab die Bestätigung der Schilderungen , die Bonaventura von Benno nach seiner Befreiung von Frankreich aus über die Loge bei Bertinazzi und den Brief Attilio Bandiera ' s erhalten hatte ... Bonaventura hörte die Vermuthung , daß sein unglücklicher Vater in seiner Gefangenschaft die Doppelrolle Grizzifalcone ' s hatte unterstützen müssen , die Dienste , die er dem Fürsten Rucca im Interesse der römischen Finanzen und die er dem Cardinal Ceccone im Interesse der Politik leisten sollte ... Nur angedeutet zu werden brauchte diese Vermuthung , um auch die Gefahr auszusprechen , in die sich Federigo gestürzt haben würde , wenn er , durch die Kunst der Federführung zum Vertrauten des verschmitzten , beutegierigen Räubers geworden , nach Rom gekommen wäre und seine Geständnisse wirklich dem alten Rucca hätte aus dem Gedächtniß wiederholen wollen ... Ich würde sagen , schloß der Cardinal , vom erglühten Aufhorchen seines Besuches nicht zu auffallend befremdet , ich würde sagen , beide , der Gefangene und sein muthiger Befreier , verabscheuten die Rückkehr in eine so verderbte Welt , wenn nicht auch der stille Waldesfriede , den sie dann gefunden haben , wiederum von menschlicher Verworfenheit wäre heimgesucht worden ; man sagt , daß im Silaswald der von Grizzifalcone angelegte Verrath zum Ausbruch kam und auch dort der muthige Mönch seine Mission der strafenden Gerechtigkeit an einem der gedungenen Verräther vollziehen konnte ... Bonaventura hörte zum ersten mal von den näheren Umständen , unter denen die Invasion der Bandiera gescheitert war ... Bisher hatte er nur gewußt , daß die kleine Schaar durch einige aus ihrer Mitte verrathen wurde ... Die Caudatarien hatten sich zurückgezogen , blieben jedoch hörbar ... Der Cardinal sah auf die Uhr ... Er hatte nur noch einige Minuten Zeit ... Wir sehen uns leider so bald nicht wieder ! sprach er mit Trauer ... Ich muß einige Tage von Rom fort und auch Sie werden Eile haben , in Turin die Wünsche des Consistoriums früher geltend zu machen , ehe dort die Intriguen Fefelotti ' s ankommen ... Lassen Sie sich ' s nicht verdrießen , daß Ceccone es ist , der Ihre Erhöhung fördern muß ... » Die Gottlosen richten ihre Schemel auf und erheben nur die Gerechten « ... Nicht wiedersehen - Nach Turin eilen - dachte Bonaventura mit Schmerz und stand im Kampf mit sich selbst ... Sollte er dem Cardinal sagen , daß es auch ihn aufs mächtigste nach dem Silaswalde zog ? ... Aber - wie konnte er es - da sein Vater offenbar nur vor ihm , nur vor seines Sohnes wunderbarer Verpflanzung nach Robillante geflohen war ... Cardinal Ambrosi sagte , daß er nichts unterlassen würde , sich durch die Klöster über Federigo ' s Befinden zu unterrichten und dann seinem muthigen Vertheidiger über ihn Kunde zu geben ... Ohne das mindeste Anzeichen , als wäre ihm Federigo ' s näheres Verhältniß zu seinem Besuche bekannt , kam er wieder auf seine Heimat und seinen eignen Vater zurück ... Dieser war ein Lehrer der Mathematik auf dem Lyceum zu Robillante gewesen , hatte eine Alpenreise gemacht , war nicht wiedergekehrt und nie wieder aufgefunden worden ... Um im Berner Oberland , wo er Höhenmessungen hatte vornehmen wollen , Spuren seines Verbleibens aufzufinden , hatte der junge Student des Seminars von Robillante bei Federigo Deutsch lernen wollen ... Die Reise , die er dann wirklich gemacht , war ohne Erfolg geblieben ... Bonaventura , der dies Verhältniß nie so vollständig übersehen hatte , wie nach dieser Erzählung , stand wie an einem Abgrund ... Warum nur trat ihm die furchtbare Morgue auf dem Sanct-Bernhard vors Auge ! ... Er gedachte : Wie muß diese Eröffnung des jungen Mannes damals auf den Vater gewirkt haben , der eine mit dem Vater des Cardinals so ganz gleiche Lage - nur fingirt hatte - ... Federigo konnte damals - wol noch nicht lange - bei Castellungo sein - ? fragte er ... Als ich ihn zuerst sah ? ... Als Ihr Vater vermißt wurde - ... Einige Wochen erst ... Sprach Ihnen - Federigo - nie - von den Gefahren des Schnees - denen auch - Er - ? ... Ambrosi blieb dem plötzlich stockenden Wort ein unbefangener Hörer und verweilte nur bei seinem eigenen Leid ... Ohne Mutter , ohne Verwandte , wär ' er nur der Zögling der Liebe seines Vaters gewesen ... Als er ihn verloren , hätte er ein Gefühl der Theilnahme bei allen gefunden ; doch ein solches , das ganz seinem Schmerze gleichgekommen , nur bei Federigo ... Dieser Edle hätte seine Thränen aufrichtig zu denen gemischt , die er selbst vergossen ... Er hätte ihn seinen Sohn genannt - ... Bonaventura stand über eine dunkle Ahnung zitternd ... Er versicherte mich ,