uns fortgeführte Melodie alter Hoffnungen und Tröstungen ! ... Wer kann die Heiligen mit einem Federstrich tilgen ! Sie leben so gut wie Christus ... Aber auch hier : Sie können immer mehr dem rein äußerlichen Bann ihrer Bilder entschweben , können immer mehr in ihren irdischen Farben erbleichen und vergeistigt in die Herzen der Menschen einziehen - das soll und muß und wird kommen - ... Aber wie soll unsere Kirche diese Formen so schnell zertrümmern ohne Gefahr , auch das Gute zu verlieren , das sich an sie knüpft ? ... Zumal in südlichen Ländern , wo Jahrtausende hindurch die Religion nur auf dem Weg der Phantasie in die Herzen zog ... Bonaventura sah die Richtung seiner eigenen Stimmungen ... Auch ihn band Pietät ... Doch hatte sein Glaube angefangen , alles auf die Bibel zu geben ... Und er sagte dies ... Sorgen Sie nur , daß sie alle lesen können ! ... erwiderte der Cardinal mit einem Seufzer ... Das Bild des Aberglaubens im Volke , der Unbildung der Massen lag nun ganz vor den beiden freigesinnten Priestern ... Ambrosi hörte die beredte Schilderung des Bischofs , wie Deutschland so weit voraus wäre ... Wie Italien dagegen zurückstand , zeigte die Erinnerung an die Gefangenschaft Federigo ' s unter den Räubern - alle ihre Qualen verdankte der Unglückliche allein seiner Schreibekunst ... So sprachen beide noch lange fort und Bonaventura ahnte die Erfüllung seiner kühnsten Träume in den Gedanken einer gleichgestimmten Seele ... Die Formen der katholischen Kirche aufzugeben und so zu denken , wie Luther dachte , war ihnen nicht gegeben - sie wollten diese Formen zurückgelenkt sehen in die Bedürfnisse des Gemüths , diese geläutert durch einen Geist , dessen allgemeiner Ausdruck die Anerkennung der bisher im katholischen Kirchenleben verpönten Bibel war ... Im Haß gegen die Gesellschaft Jesu waren sich beide gleich ; beide gelobten , sie mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen ... Das läßt mich meinen Krummstab lieben , daß er in diesem Feldzuge ein Commandostab ist , keine schwache einzelne Kriegerwaffe - ! ... sagte Bonaventura ... Bald verrieth Ambrosi ' s leuchtendes Auge , daß auch ihm der Protest eines einzelnen Pfarrers oder Mönches nur ein Tropfen auf einen glühenden Stein war ; das zischt auf und hinterläßt nichts , als ein wenig Rauch ... In der Frage , die er dann an den Bischof richtete , ob er diesen oder jenen Namen der Hierarchie schon kannte , lag die Andeutung , wie schon die Zahl der Gegner Ceccone ' s und Fefelotti ' s im Wachsen war ... Bonaventura versprach , sich den genannten zu nähern ... Die hohe Wonne , die dem Menschen Uebereinstimmung gewährt , verklärte sein Angesicht ... Noch mehr , selten ist das Glück gewährt , noch in späteren Lebensjahren , in Stellungen , die den Anschluß der Herzen nicht mehr erleichtern , eine Freundesbrust zu gewinnen ... Das hob ihm jetzt die seinige ... Das Gespräch wurde lebhafter und zutraulicher ... Diesem Priester , den Bonaventura einen » heiligen Scheinheiligen « hätte nennen mögen und mit mancher ähnlichen Erscheinung der Kirchengeschichte , mit Philippo Neri verglich , hätte er sich ganz entdecken mögen ... Kämpfend mit dem , was in ihm hindernd noch dazwischenlag und doch schon auf sein Bedürfniß der vollen Hingebung zielend , sagte er : So vieles in unserm Glauben ist wie die Beichte ... Auch ihr liegt eine Erfahrung des Gemüths zum Grunde , die ohne höhere Einbuße niemanden entzogen werden kann ... Aber wie sie jetzt besteht , ist sie doch der unwürdigste Zwang ... Eine Zeit wird kommen , wo man erkennt , daß sie dem Priester das Unmögliche zumuthet ... Was drückt unsere innere Würde mehr als die Beichtbürden , die wir tragen , ohne das Gute befördern , das Schlechte , das wir erfahren , verhindern zu können ... Wenn die Unmöglichkeit und der nothwendige Heuchelschein des katholischen Priesterthums erst erkannt sein wird , dann - ... Bonaventura brach ab und erhob sich , weil ein Geräusch vernehmbar wurde ... Auch der Cardinal erhob sich und betrachtete Bonaventura mit heißen , glänzenden Augen ... Ich möchte nur von dem die Beichte hören , dem ich sie selber spräche , sagte er ... Ein Austausch des Vertrauens unter Freunden - ... Ihnen - - könnt ' ich wahr sein - ... wallte Bonaventura in seiner deutschen , vom Herzen kommenden Regung auf und hielt dem Cardinal die Rechte hin ... Der Cardinal nahm sie zitterndbewegt - ... Da trat einer der Caudatarien ein und erinnerte an die vorgerückte Stunde ... Eine Sitzung des Consistoriums rief ihn ab ... Der Caudatar ließ die Thür offen , durch die er gekommen und wieder gegangen war , und harrte im Nebenzimmer ... Es handelt - sich heute - um Ihre Ernennung zum Erzbischof von Coni - sprach Ambrosi tief bewegt . Sie sollen an die Stelle Fefelotti ' s kommen ... Bonaventura ' s Mienen drückten einen Schmerz aus , als trüg ' er zu schwer schon an seinem gegenwärtigen Kleide des Nessus ... Der Cardinal winkte ihm - zu schweigen - Die Zahl der Diener , die draußen harrten , mehrte sich ... Denken Sie an Ihren Commandostab ! sprach er ... Es muß ein Feldherrnstab sein - , den wir in unsern Händen haben ! Was ist ein - einzelnes Kriegerschwert ! ... Der Ton dieser Worte war so muthig , so offen - daß Bonaventura seine Vision bestätigt sah ... Ambrosi hatte Jahre lang sich selbst getödtet , um eine Auferstehung zur That zu feiern ... Kein Zweifel , daß diese Annahme die richtige war ... Und nun hätte er weiter forschen , von seinem Vater beginnen mögen , fragen , ob nie über dessen Herkunft , über dessen frühere Verhältnisse von ihm gesprochen wurde - nur seiner Mutter wegen hemmte er den Drang der Mittheilung , der immer höher stieg - Endlich begann Ambrosi , der Umgebung lauschend , von gleichgültigen Dingen ... Ein Schimmer