! Es ist auch vielleicht besser , ich läse nicht mehr an den Läden die nun erst gar mit den Eisenbahnen frisch angekommenen Austern und sähe nicht auf den Straßen sogar , denke auf unsern Straßen ! - Seefische , die man auch sonst nur in unsrer Komthurei zuzubereiten verstand ! Von Hackert erfuhr ich lange nichts . Ich hätt ' ihn gern nach einem gewissen Ringe gefragt . Er lebt meist in der Brandgasse , jagt Mäuse und Ratten . Pax wird ihn so lange an sein Herz drücken , bis er sich seinen Henker und Nachfolger in ihm großgezogen hat . Der Lauf der Welt ist so . Auf dem Markt seh ' ich immer in die Körbe der Krebsfischer ! Wie ' s darin wimmelt , so ist die ganze Erde . Aber was Krebse ! Der September hat ein R ! Es gibt jetzt keine Krebse . Adieu , mein Kind ! Amor schütze dich ! « Wehmuthsvoll , das Haupt gebeugt , zerrissen von dem in diesen Zeilen durch tiefen Schmerz aufschreienden Humor , angekettet an ein freudenarmes Loos , das der Welt so beneidenswerth erschien , saß Melanie und hing den trübsten Empfindungen nach . Es war ihr schon lange manchmal wie einem Wandrer auf einsamer felsiger Höhe , den nie von ihm gesehene dunkle Vögel umkreisen und ihm zuzurufen scheinen : Wende um , du findest in diesem Trümmermeere keinen Ausweg und die Nacht wird dich überfallen ! Was zur Fürstin sie erhoben , sah Melanie wohl im Zusammenhange vor sich , aber räthselhaft blieb ihr die Folge dieser Umstände , die Kette dieser Zufälle doch . Sie konnte sich sagen , daß sie die Männer fesselte , blendete , aber nie hatte sie Vertrauen fassen dürfen auf die Dauer der Neigungen , die sie einflößte . Sie hatte mit zu bittrer Erfahrung erlebt , daß man sich in der Liebe zu ihr beherrschen , bekämpfen , sich ganz überwinden konnte selbst dann , wenn man ahnen mußte , daß sie selbst liebte . Immer nur der Augenblick hatte ihr wie ein flüchtiger Genius , ein lachender Engel mit Schmetterlingsflügeln schwankend auf einer Blume oder gar einer großen bunten Seifenblase , unsichtbar zur Seite gestanden . Weil ihr der innere Glaube an sich selbst fehlte , weil sie sich eines Nixenlooses , eines gebundenen Sirenenschicksals fast mit Wehmuth bewußt war , hatte sie sich von dem Bedeutenden , das sie fürchtete wie das ihren Zauber lösende zerstörende Beschwörungswort , fast ängstend entfernt gehalten . Nun war ihr ein Schicksal gekommen , das sie äußerlich , ihre kühnsten Hoffnungen überflügelnd , emportrug , und innerlich schien ihr doch der Tod ihr Verhängniß zu sein , der Untergang ihr Schicksal . Sie hatte diesen Fürsten Egon , diesen ihren Beschwörer , bei der Geheimräthin kennen gelernt . Nie würde er sie gefesselt haben . Es fehlte ihm die herausfordernde neckende Elasticität , die die Frauen , selbst wenn sie wissen , daß solche Männerscherze und Männerspiele nicht immer und zu Hause am wenigsten getrieben werden , dem Charakter , der Solidität und den Tugenden der aufrichtigsten Ehrbarkeit vorziehen . Sie wollen nun einmal umflattert sein , sie wollen den Schein der Freude , sie wollen sogar die Verstellung , wenn sie nur nichts Anderes lügt als Ergebenheit und Huldigung . Dieser Egon von Hohenberg aber tändelte und scherzte so selten , er war so ernst , dabei doch so siegesgewiß , so kalt und dann doch zuweilen so seltsam heiß . Der Heiterkeit Maaß fehlte ihm dann . Sie hatte kein Vergnügen an seiner Bewerbung . Lange freilich währte es , bis sie diesen Eindruck selbst errieth . Sie gab sich Egon , wie sie sich Dankmar Wildungen , als sie ihn für Egon hielt , gegeben hatte . Der Unterschied war nur der , daß Egon gefesselt blieb , während Dankmar mistraute . Egon war der Fürst von Hohenberg , warum sollte er an Enttäuschung glauben ? Er war in der That nur glücklich bei Paulinen von Harder , der Feindin seiner Mutter , nur glücklich , wenn es hieß : Ist Melanie noch nicht da , wann kommt sie , wie bleibt sie so lange , jetzt rollt ein Wagen , das ist sie nicht , das ist sie ! Und dann ließ er diese beiden Frauen um sich leben und weben , walten und schalten , genoß mit Behagen , daß sie für ihn lebten und webten , für ihn walteten und schalteten . Er ruhte sich bei ihnen von seinen gewaltigen Geistes-Anstrengungen aus . Die gescheuteste und die schönste der Frauen in der Residenz gehörten ihm . Und für immer wollte er Beide an sich fesseln , nie wollte er Melanie in eines Andern Armen wissen . Aber seltsam ! Sein Ideal schwang sich , grade weil sie nicht liebte , zum Charakter auf . Sie verweigerte jede Gunst , die über die Grenze einer leichten Koketterie hinausging . Sie war , allein , gegen Egon nur so , wie sie es im Beisein Paulinen ' s sein durfte . Lange besann sich der Fürst , was da zu thun . Er wählte den Ausweg einer Standeserhöhung . Die vielgefeierte , allerdings für verlobt , verlobt mit einem zweideutigen Charakter geltende Melanie , Tochter eines seither hochangesehenen stadt- und landbekannten Mannes , konnte dieses Vorzugs nur gewürdigt werden , wenn damit zugleich ein glänzendes Zeugniß für Melanie ' s Sittlichkeit ausgesprochen wurde . Man würde eine illegitime Verbindung ewig verurtheilt haben , während man sich an die legitime in Kürze gewöhnte und sich ganz einfach sagte : Fürst Hohenberg ist arm , er will eine Häuslichkeit ohne ein Haus zu machen . Er hat eine Frau genommen , die er Niemanden zu zeigen nöthig hat und macht dabei die besten Geschäfte , er spart und hält die Hausfreunde ab . So die Welt . Egon aber ? Ob wol in ihm der Gedanke lebte : Nach Louison und Helene , nach