Darauf machte mich Frâ Federigo aufmerksam , dem ich mein Leiden klagte ... fuhr der Cardinal mit voller Zustimmung , offenbar über seine Worte wachend , fort ... Warum suchten Sie ihn auf ? ... fragte Bonaventura ... Ich wollte deutsch von ihm lernen , um in die Schweiz zu reisen ... Ich brachte es nicht weit ... Ihre Heimatsprache ist schwer und wir plauderten wenig über die Grammatik , mehr über Gott und die Welt ... Bonaventura sah den Einfluß seines Vaters auf den jungen Theologen und fragte : Sie wußten , daß Sie mit einem Ketzer sprachen ? ... Das wußt ' ich ... Ich ging auch mit großer Angst zu ihm ... War ich aber bei ihm und es wurde Nacht und ich ging dann heim , so erschien ich mir wie Jakob , der auf dem Felde einem Engel begegnete und im Nebel mit ihm rang ... Ich kämpfte oft einen Riesenkampf gegen diese mächtige Erscheinung und doch suchte ich meinen Gegner wieder auf , gerade weil ich bei ihm die Kraft fand , um mit jenem Engel im Nebel , mit Gott zu ringen ... Jeder Schlag , den ich von Gottes allmächtigem Geist empfing , verbreitete Kraft durch meine Glieder ... Sie hatten Recht , mein theurer Bruder , sich für diesen edlen Landsmann zu verwenden ... Ich denke , Sie sind jetzt über ihn beruhigt ? ... Bonaventura ' s Brust hob sich mit dem Gefühl der Beseligung und zugleich der Spannung auf die Möglichkeit , daß Ambrosi seine nähere Beziehung zum Eremiten kannte ... Ist es wahr , begann er nach einigem Schweigen , während dessen seine Augen umirrten , daß Sie doch zuletzt vor seinen Lehren geflohen sind ? ... Der Cardinal erröthete , wie öfters , so auch jetzt - gleich einem Mädchen ... Dann wiegte er den schönen Kopf wie über die Seltsamkeit aller solcher Gerüchte und über sein Antlitz verbreitete sich ein mildes Lächeln ... Er hatte geschwiegen , aber seine Geberden sagten ein Ja ! und wieder auch ein : Nein ! ... Nur ein Italiener oder ein Orientale besitzt die Fähigkeit eines so ausdrucksvollen Mienenspiels ... Ein Mönch zu sein ! fuhr Bonaventura beobachtend fort . Konnte - Sie das so reizen - so zu den staunenswerthesten Entbehrungen - ? ... Ein Mönch in alten Tagen , unterbrach der Cardinal die ihm dargebrachte Huldigung mit lächelnder Miene , war ein lebensmüder Einsiedler ... In den unsern bedeutet er entweder weniger oder - mehr ... Ich stellte mir mit meinem Verlangen nach Gott eine Aufgabe ... Ist es nicht mit unserm ganzen Glauben so , daß wir unsere Schultern nur zum Tragen göttlicher und unsichtbarer Dinge stärker machen wollen ? ... Diese Reliquien , diese Seligsprechung , von der Sie eben hörten - diese rechne ich auch zu dem , was mit dem Baldachin des Himmels , der Offenbarung , der Verehrung für überirdische Dinge überhaupt zu tragen ist ... Warum tragen wir es noch und handeln danach ? ... Noch ? wiederholte Bonaventura ... Ein flüchtiges Zittern bewegte die Augen- und Mundwinkel des Cardinals ... Wieder folgte ein vielsagendes Mienenspiel , ein beredsames Schweigen ... Wie mit plötzlicher Erleuchtung glaubte Bonaventura eine Vision zu sehen ... Dieser Priester , sagte er sich , ist ein Schüler deines Vaters ! ... Alle Grundsätze desselben hat er eingesogen ! ... Um sie in die katholische Kirche einzuführen trachtete er danach , eine hohe Würde zu erklimmen , die ihm möglich machte , Reformator mit Erfolg zu sein ... Unter allen Mitteln , um zu steigen , wählte er das - eines Lebens der Ascese ... Bonaventura gedachte der Mahnung an die Eichen von Castellungo , an den Tag des heiligen Bernhard , an den Tag , wo Scheiterhaufen oder göttliche Läuterungsflammen der Kirche sich erheben würden ... Fiat lux in perpetuis ! schwebte auf seinen Lippen ... Schon wollte er die geheimnißvolle Losung aussprechen ... Da fuhr der Wagen mit dem heiligen Xystus vom Hause ab ... Nicht zu weit entfernt vom Sopha , auf dem sie saßen , stand ein Tisch , auf dem eine Anzahl jener gelben , wie Ockererde zerbröckelnden Reliquienknochen lag ... So mußte er seine Vision wol als eine Vorstellung des Wahns wieder von seinen Augen bannen ... Sie sind befremdet , sprach der Cardinal , der ihn so in Gedanken verloren fand , wenn ich Ihnen gestehe , daß ich diesem Ihnen vielleicht verdrießlich erscheinenden Amte sogar mit Liebe obliege ? ... Es erinnert mich doch gewiß an Eines - an den Tod , der unser aller sicherstes Loos ist ... Aber diese Reste der Vergangenheit verehren ? entgegnete Bonaventura mit wiederkehrendem Muthe ... Sogar Wunder verlangen von diesen - todten Knochen ? ... Ich habe in meinem Wirken als Pfarrer und Bischof die Reliquienanbetung - nie unterstützt ... Es war ein gewagtes Wort , das Bonaventura gesprochen - ... Der Cardinal nahm es ruhig hin ... Der Aufgeklärte und Denkende , sprach er , wird immer trauern , wenn er sieht , daß diesen todten Resten der Vergangenheit eine göttliche Ehre erwiesen wird ... Aber trägt man denn nicht auch den Ring einer Geliebten , das Haar einer theuern Mutter , und treten Sie nicht mit feierlichem Gefühl in die Gruft der Scipionen , die Sie auf der Via Appia finden ? ... Ist nicht der Besuch der Gräber die heiligste Gelegenheit , unsere irdischen Gedanken zu läutern und von uns so vieles abzustreifen , dem wir allzu thöricht nachjagen ? ... So möcht ' ich auch diese Gebeine , die man tausend Jahre lang heilig hielt , nicht sofort , wie die Sansculotten mit den Gräbern der französischen Könige in Sanct-Denis thaten , auf die Straße werfen ... Aber den wahren Sinn des Sicherinnerns im Kirchenleben wünsch ' ich allerdings gedeutet und die Verehrung vor den Reliquien nur zu einer Sache der Dankbarkeit gemacht ... Bewundert doch , möcht ' ich rufen , den Zusammenklang der Zeiten ! Diese von