hier unternahm , bewunderte , ihm wol gar verloren gehen könnte , wenn ihn , was er nicht hoffe , dringende Depeschen zeitiger vom Schlosse Hohenberg abriefen , als zu bleiben seine Absicht gewesen war . Die Fürstin fand nach den mannichfachen Konversationen über Nichts , in denen sie bei solchen Standesbesuchen Meisterin war und nur zu lange , zu bezaubernd die Menschen fesselte , kaum noch Zeit , ihre Mittagstoilette mit Muße und Umsicht herzustellen . Sie hatte neue Umgebungen . Von jener Jeannette , die einst hier gewaltet hatte und bei dem jetzt arrangirten Lasally Faktotum geworden schien , war hier keine Rede mehr . Neue Verhältnisse , neue Menschen . Und neue Kleider ! Die Putzsucht war Melanien geblieben . Der Fürst bestärkte sie darin , da ihm ihre Metamorphosen gefielen . Sie verrieth auch durch ihr Wesen nie , wenn sie ein neues Kleid trug . Sie kam mit Stoffen , die eben noch fast schon am Körper von den Nätherinnen fertig geworden waren und wo noch möglicherweise irgendwo zum Entsetzen der Kammerjungfern ein Seidenfädchen konnte unausgezogen geblieben sein , aber sie kam so in den Salon , als wenn diese neue Tracht schon längst mit ihr verwachsen war , ja als wäre sie mit ihr auf die Welt gekommen . Dieser letztere Ausdruck gehörte ihrer guten Mutter , Johanna Schlurck , geboren Arnemann . Diese brave Frau war in der Erziehung ihrer Tochter immer nach dem Prinzip verfahren : Einem Mädchen muß man es ansehen können , ob es mit Glaçeehandschuhen auf die Welt gekommen ! Diese guten Justizraths ! Sie existirten für Hohenberg nicht . Fürst Egon schloß sie von allen Beziehungen zu sich , zu seinem Palais , zu seiner Existenz radikal aus . Die Mutter litt darunter und zwar furchtbar , entsetzlich . Nicht deshalb , weil ihre Tochter eine Fürstin war : an alles Außerordentliche gewöhnt sich der Mensch sehr rasch ; sondern weil die Fürstin nicht mehr , wie sonst , ihre Tochter sein durfte . Aber Franz Schlurck fand diese Trennung ganz in der Ordnung . In dem Briefe , den seine Tochter nach abgehaltener Tafel z.B. heute von Hause vorfand , sagte er ihr : » Mein gutes Kind ! Dein Leben wird von tausend vereinzelten Kleinigkeiten so in Anspruch genommen sein , daß du solche Gedankenstriche und Ausrufungszeichen , wie sie in deinem letzten Briefe vorkamen , ganz aus deinem Systeme der Interpunktion entfernen solltest . Du hast nie gegrübelt , warum willst du es jetzt thun ? Du bist die Fürstin von Hohenberg , Durchlaucht . Basta ! Den Groll der Mutter , die nach ihrem sonst vernünftigen Naturell sich mit der Zeit in ihre Zurücksetzung finden wird , ertrage als eine vorübergehende Frauenlaune und sei versichert , daß ich dich in dem großen und wahrhaft philosophischen Lehrgange , den du mit deinem hohen Herzens- und Pflegebefohlnen befolgst , immer unterstützen werde . Den tiefern Sinn deines Wahlspruches : Entweder ein Bettler oder ein Fürst ! hab ' ich nie ergründen mögen , die Alternative war so schroff gestellt , daß ich jedenfalls lieber der zurückgesetzte Schwiegervater eines Fürsten , als der geliebkoste eines Bettlers bin . Also ! Weiter im Text ! Die Gedankenstriche , die bei der Stelle über meine Lage stehen , hab ' ich eher verstanden . Doch waren deren drei nicht nöthig . Ich hielt schon den einen für überflüssig . In meiner juristischen Praxis , wenn ich alte Briefschaften und Familiennachlässe zu durchstöbern hatte , waren mir als die gemeinsten Briefe immer die erschienen , wo Väter und Mütter an ihre gutverheiratheten Kinder um Unterstützung schreiben . Du wirst sie auch in keinem gedruckten Briefsteller verzeichnet und in etwaigen Schematen dazu vorgemerkt finden . Und doch werden sie unglaublich oft geschrieben , was wiederum nicht für die Armuth mancher Eltern , wol aber für die Herzlosigkeit vieler Kinder ein schlimmer Beweis wäre . Bei uns ist Das anders . Ich weiß , meine Melanie ließe mich , wie es irgendwo heißt , mit Kapaunen und Nichtsthun auffüttern , selbst wenn beide , weil sie zu fett machen , überhaupt meine Sache wären . Herzenskind , laß das Alles gehen , wie ' s geht ! Ordne dein überraschendes Verhältniß , wappne dich gegen die neidische Welt , schmiege dich unter deinen erzwunderlichen Gatten , ohne seine Sklavin zu werden und lausch ' ihm die kleinen Lichtschimmer seiner mir eigentlich wie der Saturn so dunklen , aber ohne Zweifel doch großen Natur ab , für das Übrige müssen unsre unfreiwilligen guten Grundsätze sorgen . Die Mutter war von jeher für das Wasser und ein gewisser Pindar schon , ein alter Odensänger , der die irdische Belohnung der Dichter bereits zu kennen schien - trotz Guido Stromer ' s neulicher Anstellung im Süden mit 5000 Silbergulden - Pindar schon sagte : Wasser bleibt immer das Beste ! Er hatte Recht . Der Mensch ist Erde und nichts ist der Erde nothwendiger als Wasser , wenn sie nicht - Staub werden soll . Sieh , die verdammten Gedankenstriche ! Da mach ' ich eben selber einen und einen recht kläglichen . Noch aber ist Das nichts als dumme Koketterie von mir . Ich denke nicht an ' s Sterben ; ich lebe , wenn auch nicht vom Wasser , wie die Mutter , doch von der Luft . Die Luft ist klar und blau und hell , ich gehe viel spazieren . Schulden machen will ich nicht . Meine Prozesse haben abgenommen . Entweder ist die Welt friedlicher geworden oder die jungen Advokaten verstehen noch mehr Einreden als in den Pandekten und im Schmidt stehen . Mit meiner mündlichen Vertheidigung hab ' ich Fiasko gemacht . Meine Jungfernrede vor den Assisen war Kinderlallen . Ich weinte , als ich nach Hause kam , obgleich mein Klient freigesprochen wurde . Die Qual , die ich letzten November ausstand , als die angeschwollenen , polnischen Zins-auf-Zins-Summen der Äbtissin Sibylle vom Kloster zum Herzen Jesu da