Ruine da . 55 In Begleitung der beiden türkischen Offiziere befand sich auch ein » Verpflegungs- und Reise-Generaldirektor « , von dem Brugsch eine ganz vorzügliche Schilderung gibt . Ich entnehme derselben folgendes : » Er , dem die Adjutanten des Sultans die volle Ausrüstung und Verpflegung der prinzlichen Karawane übertragen hatten , war ein christlicher Syrier . Seiner Abstammung nach dem Lande der Philister zugehörig , nannte er sich auf seiner Visitenkarte trotz alledem › Alexander Howard ‹ oder › Monsieur Alexandre , Entrepreneur et Directeur générale ‹ . « Wie die meisten Leute seines Schlages sprach er alle möglichen Sprachen , war dabei stark und von eiserner Gesundheit . Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein rötlich leuchtendes Vollmondgesicht mit den freundlich lächelnden Zügen . Er war der erste auf den Beinen und der letzte im Bett . Während des Marsches galoppierte er in unsinniger Hast neben den Pferdevermietern einher . In hohen Reiterstiefeln mit mächtigen Sporen , im Beduinenmantel und mit der syrischen dunklen Kopfbedeckung , Pistolen im Gürtel , die Nilpferdpeitsche oder den Kurbadsch in der Rechten , so flog er an uns vorüber und sein Adlerblick erkannte im Nu , wo seine Gegenwart nottat . Das Frühstückszelt ward um die Mittagszeit aufgeschlagen . M. Alexandre erschien dann in der Tracht eines türkischen Effendi , d.h. in schwarzem Stambulin mit rotem Fez , in weißer Binde und mit weißen Handschuhen . Er übersah mit wohlgefällig-prüfendem Blick die reich gedeckte Tafel , half jeder mangelhaften Bedienung sofort ab und schätzte sich glücklich , Sr. Königlichen Hoheit selber servieren zu dürfen . Und nun erst am Abend , wenn die Reisegesellschaft an der Mittagstafel versammelt war und Lampen und Kandelaber ihren Glanzschimmer durch das lange Zelt verbreiteten ! M. Alexandre präsentierte sich dann als vollendeter Salonmensch in schwarzem Leibrock und weißer Binde , dazu weiße Weste und funkelnagelneue Glanzstiefel , alles wie fertig für den Ball . Alles in allem hat sich M. Alexandre um die Reise des Prinzen wohl verdient gemacht und seine Wahl von seiten der Adjutanten des Sultans war sicherlich keine schlechte . In seiner frühesten Jugend ein toller Kopf , hatte er damals , in Gemeinschaft mit einem französischen Abenteurer , Palmyra erobern und ein neues Königreich herstellen wollen . 56 Diese Kränkung war groß , aber sie konnte kaum ausbleiben . Von Anfang an hatte der Prinz eine mehr als kritische Stellung zu dem seit 1853 wieder ins Leben gerufenen Orden eingenommen und zwar derart , daß sich sein eigener Vater , der alte Prinz Karl , zu dem den Kommendatoren des Ordens erteilten Rate veranlaßt gesehen hatte : » Das Herrenmeisteramt nicht auf seinen Sohn übergehen zu lassen . « Danach wurde denn auch verfahren und der Prinz mußte ( wie vielfach ) für das leiden , was er durch seine der freien und freiesten Meinung ausdruckgebende Haltung selbst verschuldet hatte . 57 Beim Hinscheiden Kaiser Friedrichs ( 15. Juni 1888 ) ist die Frage nach der eigentlichen Todesursache des Prinzen Friedrich Karl wieder aufgeworfen worden und dabei mehrseitig von einem auch bei diesem letzteren vorhanden gewesenen Krebsleiden gesprochen worden . Aber mit Unrecht . Eine Notiz der National-Zeitung erklärte dies Gerücht aus folgendem . » Ein Jahr vor dem Tode des Prinzen wandelte sich eine bis dahin harmlose kleine Hautwarze auf der rechten Wange unterhalb des Auges in eine bösartige Neubildung um , die mit dem medizinischen Ausdruck › Epithelium ‹ ( Krebs der Haut ) bezeichnet wird . Professor von Bergmann schlug die operative Entfernung der Warze vor , welche damals noch klein und unbedenklich war . Nachdem Kaiser Wilhelm I. seine Zustimmung zur Operation erteilt hatte , wurde dieselbe von Professor von Bergmann mit bestem Erfolg ausgeführt . Die Operationswunde heilte glatt und sicher und Prinz Friedrich Karl hatte seitdem keinerlei Belästigung davon . Ein Rezidiv ist nicht aufgetreten . « 58 Dieser Annahme des Rentiers Heydert ist nur zuzustimmen . Jedenfalls ist die , die hier ruhte , nicht die Frau des Hans Kohlhaas gewesen ( Kleist nennt ihn irrtümlich Michael ) . Alle diese Sagen entstammen der alten , längst widerlegten Annahme , daß Kohlhaase in dem dicht bei Stolpe gelegenen Kohlhasenbrück gelebt habe . Dies ist aber falsch . Kohlhasenbrück hat mit Kohlhaase weiter nichts zu schaffen , als das eine , daß der für sein Recht kämpfende Roßkamm sich an eben dieser Stelle verbarg und von hier aus den kurfürstlichen Hüttenfaktor Konrad Drahtzieher überfiel und beraubte . Was dann mit Kohlhaas ' Hinrichtung ( er ward aufs Rad geflochten ) endigte . Kohlhaas wohnte in Berlin , Fischerbrücke Nr. 27 , in einem Hause , das noch im Jahre 1866 in seiner alten Gestalt bestand und Stallung für vierzig Pferde hatte . Erst 1867 , nachdem es noch im Jahre vorher als Lazarett gedient , ward es umgebaut und in ein Gasthaus modernen Stils verwandelt ; beim Umbau wurden einige Münzen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gefunden . 59 Erst das Jahr 1877 gab der Kirche zu Nikolskoe diese Gruft , aber schon von 1837 an war ein Kirchhof da . Derselbe befindet sich hundert Schritte weiter zurück und ist Begräbnisplatz vieler auch in weiteren Kreisen bekannt gewordener Persönlichkeiten . Hier ruht , unter einem mächtigen schwarzen Syenit , Oberlandforstmeister Ulrici ; neben ihm sein Schwiegersohn Oberst von Kayser . Hier ruht ferner Frau Friedrich , die sogenannte » alte Friedrich « , von der ich in dem Kapitel Pfaueninsel ( Band III meiner » Wanderungen « ) ausführlich erzählt habe . Hier endlich hat auch der viele Jahre lang auf der Pfaueninsel installierte , später mit einer Potsdamerin verheiratete Sandwichs-Insulaner Maitay seine letzte Ruhestätte gefunden . Ein Steinkreuz , mit Maitays Namen in Front , bezeichnet seine Grabstelle , während es an der Rückseite des Kreuzes , in einer für Mark Brandenburg höchst charakteristischen Weise heißt : » Hier ruhen des Sandwichs-Iusulaners Maitay Schwiegereltern « . In jedem andern alten Kulurlande würde sich auch der edelste Sandwichs-Insulaner immer noch seinerseits in der Benötigung einer Berufung