beschämt von soviel Glück und Erfolg , hatte Bonaventura den Trost , zu sehen , daß seine Sache wenigstens von einigen unabhängigen Männern und Richtern aus Ueberzeugung gefördert wurde ... Er hatte gehört , daß seine Angelegenheit besonders freundlich Ambrosi vertrat ... Diesen seltsamen Menschen , für den er ja selbst in Robillante Bischof geworden und von dem er mit doppelt begründeter Rührung vernommen , daß sein Vater ein Professor in Robillante war , der auf einer Alpenwanderung , wo Vermessungen von ihm vorgenommen werden sollten , umgekommen - diesen besuchte er jetzt ... Wie drängte es ihn , zu hören , ob sein Vater , der einen solchen Tod nur fingirt hatte , wirklich als Lehrer oder Verführer zu ketzerischen Gesinnungen mit ihm in näherer Verbindung stand ... Im früheren germanischen Collegium liegt die » Custodia der Reliquien und Katakomben « ... In dem untern Geschoß des düstern Palastes befinden sich lange , an den Fenstern vergitterte Säle , in denen die alten Steinsärge ihres Inhalts entleert , die vermoderten Knochen gesäubert und in grünangestrichene Kisten gesammelt werden ... Nach den Inschriften der Särge werden die Namen der Bekenner festgestellt ... Findet man kleine Phiolen mit einer eingetrockneten Flüssigkeit , die vielleicht Blut war , so hegt man die Ueberzeugung , die Knochen eines Märtyrers gewonnen zu haben ... Ueberall liegen hier Glassplitter , zerbrochene thönerne Lampen , selbst Kleiderreste einer uralten Vergangenheit ... Soeben war Cardinal Ambrosi beschäftigt , einen von einem Professor des Collegiums , einem Jesuiten , » getauften « heiligen » Xystus « nach Amerika zu versenden , wo man in Mexico das dringendste Bedürfniß ausgesprochen und viel Geld darum nach Rom gesandt hatte , für eine neugebaute Kathedrale den kostbarsten Schmuck in einem heiligen Reliquienleib zu besitzen ... Bonaventura wartete in einem Nebenzimmer und gedachte an das Wort : » Ich ziehe in die Katakomben ! « ein Wort , das Frâ Federigo zu Klingsohr und Hubertus gesprochen hatte ... Ueber Hubertus hatte sich Bonaventura schon bei Klingsohr beruhigt , den er mehrmals in Santa-Maria besuchen wollte , endlich nur im Archiv des Vatican fand , wo Pater Sebastus die deutschen Schriften excerpirte , die Rom auf den Index setzt - Wohl eine Thätigkeit , die Bonaventura an Benno ' s Wort vom Vatermorde erinnern konnte , dessen dieser den Sohn des Deichgrafen mehr bezichtigte , als seinen eigenen Vater , den Kronsyndikus ... Klingsohr ' s demüthiger Brief aus San-Pietro in Montorio nach Robillante , den Lucinde damals besorgen sollte und besorgt hatte , stand im auffallendsten Widerspruch - mit einer Cigarre , die Pater Sebastus am offenen Fenster in der Nähe der Loggien des Raphael zu rauchen wagte ... Soviel stand fest - die Situation hier oben , dieser Blick auf die Größe Roms , dieser heraufströmende Duft aus den lieblichen Gärten des Vatican - es verlohnte sich , mit dem deutschen Vaterland , mit Schiller , Goethe , Kant gebrochen zu haben ... Klingsohr analysirte sein Glück mit der ganzen Kraft der ihm zu Gebote stehenden poetischen Reproduktion - ... Die » dummen , albernen Wahngebilde « in den Büchern vor ihm , die ewige Schönheit Raphael ' s um ihn her - auch Lucindens beseligende Nähe - alledem wußte der kahlköpfige , hektisch hustende Mönch goldene Worte zu leihen ... Von Hubertus berichtete er , daß dieser den Pilger von Loretto aus der Gefangenschaft der Räuber mit Lebensgefahr befreit hatte , dann aber leider , den Verfolgern ausweichend , mit dem Geretteten nach dem Süden verschlagen wäre ... Hubertus unterhandelte damals mit dem General der Franciscaner um die Erlaubniß , in dem Kloster San-Firmiano , am Eingang in den Silaswald , für immer bleiben zu dürfen und schon hatte seine Bitte die Unterstützung Lucindens und Ceccone ' s gefunden - Beide waren froh , den Unheimlichen in der Ferne zu wissen ... In ruhiger Ergebenheit ließ Bonaventura Klingsohrn die Gelegenheit , alle Erfahrungen seines Gemüthes gegen einen Mann durchzusprechen , der ihm so mannichfach nahe stand ... Und wie orakelte Klingsohr ! ... Am längsten verweilten seine Einfälle und Paradoxen diesmal beim Leben - der » Thierseele « ... Hubertus sollte den Pilger mit Hülfe eines Hundes , ohne Zweifel des seinem Herrn bis nach Loretto und dann bis an die Bai von Ascoli nachgelaufenen » Sultan « entdeckt haben ... Den Pilger selbst charakterisirte Klingsohr als einen Deutschen , der der alten Zeit des Turnerthums und der Romantik entlaufen wäre und » sozusagen Eichendorff ins Protestantische übersetzt hätte - « , wahrscheinlich hätte er in Loretto » die Andacht statistisch studiren « und das hochheilige Wunder von der durch die Lüfte nach Loretto getragenen Heilandskrippe in der Darmstädter Kirchenzeitung lächerlich machen wollen ... Grizzifalcone hätte einen scharfen Blick verrathen , als er diesen Mann zu seinem Schreiber machte ... Bonaventura hielt seinen heftigsten Zorn und Unwillen zurück und rühmte nur die Bildung des Verschollenen ... Klingsohr räumte diese ein und erzählte : Als wir in einer Nacht im Walde campirten und ich nicht schlafen konnte , sang er , neben mir im Moose liegend , ein provençalisches Lied ... Von einer edlen Dame , glaub ' ich , der ein in den Kreuzzug ziehender Ritter seinen Hund und seinen Falken zurückläßt ... Ich übersetzte es - glaub ' ich : Weil ich Dich , Liebste , lassen muß , Wie darf ich je noch fröhlich werden ! Nimm hin noch mit dem letzten Kuß Das Liebste mir nach Dir auf Erden ! - - Bonaventura ging dann erschüttert ... Er sah ja den Abschied des Vaters von Gräfin Erdmuthe ... Als er erfahren hatte , daß sich in Santa-Maria vielleicht eine Möglichkeit fand , mit dem Silaswald in Verbindung zu treten , als Klingsohr mit elegischem Aufschlag seiner schwimmenden hellblauen Augen von Lucindens Macht und Einfluß und , Bonaventura ' s fast spottend , von ihrer baldigen Grafenkrone gesprochen hatte , verließ er ihn , um ihn nicht wiederzusehen ... Klingsohr behandelte ihn , im Hinblick auf Lucinden ,