eintreten zu sehen . Wäre Das möglich ? konnte erschreckend die Verlassene doch nun nicht umhin zu erwidern und ihren Schmerz noch deutlicher in den Mienen auszudrücken . Sie werden bald davon hören , gute Frau ! sagte Egon . Ohne Extrem geht es bei diesen Naturen nicht ab . Das ist die übliche deutsche Entwickelung , die Genialität , der Universitätsdünkel des aparten Geistes , dem die gegebene Welt nicht genügt und der sich luftige Bahnen baut , auf die leider , wie unsre ganze deutsche Geschichte zeigt , Kirche , Staat , Wissenschaft , Schule und Leben mit in die Lüfte nachgeschleppt werden ! In Kunst und Poesie derselbe Dünkel , dieselbe Kritik , die nur Das für genial hält , was entweder im Irrenhause endet oder sich eine Kugel vor den Kopf schießt . Zittern Sie nicht , liebe Frau ! Dieser Phantast endet so nicht , der endet behaglicher . Die ewig unbefriedigte Sehnsucht wird bei ihm zuletzt durch Würden , durch äußern Glanz , durch eine Art von Ruhestand , in den sich auch das Denken versetzt , befriedigt werden . Danken Sie Gott , liebe Frau , daß Sie von diesen Fesseln erlöst sind . In allen halben Dingen ist reine Rechnung das Sicherste . Sich hinschleppen zwischen der Erkenntniß und der Furcht vor ihr , hinschleppen zwischen Dem , was man sieht und nicht sehen will , sich das Leben verbittern durch ewige Befangenheit , die den Muth nicht hat , das für besser Erkannte wirklich zu wagen , das heißt den schönsten Theil des Lebens gradezu verlieren . Ergreifen Sie diese Nothwendigkeit des Bruches mit Heroismus ! Geben Sie Ihre gerichtlichen Depositionen mit der ganzen Würde einer tiefverletzten Frau ! Ich versichre Sie : Sie gewinnen sich ganz und verlieren nur Halbes . Mit diesen Worten trat der Fürst von der Mauer zurück und glaubte die überraschte Pfarrerin mit einer innem Erhebung , mit gewonnenem Muthe zurückgelassen zu haben . Und in der That ! Hätte er nur liebevoller gesprochen , die Wahrheit seiner Worte fühlte sie schon ; sie erwartete Ackermann , um sie ihm wiederzuerzählen und vielleicht nach ihnen zu handeln . Als Egon seinen Arm der Fürstin wieder gereicht hatte und mit ihr den Friedhof verließ , um sich dem Schloßgarten zuzuwenden , brach er , dann und wann hüstelnd und wie es schien , in einer andauernden Reizbarkeit , in die Worte aus : Dieser Elende ! Wenn mir irgend etwas den Geist der Konfusion , der in der ganzen Welt die Köpfe verwirrt , vergegenwärtigt , so ist es dieser wildgewordene , von Dünkel und lächerlicher Selbstüberschätzung aufgeblasene Halbpoet ! Unfähig , nur eine einzige dauernde Schöpfung hervorzubringen und wär ' es ein Gedicht von einigen Versen , zerschlägt er die ganze Welt in Trümmer und macht diese jeder Halbheit , jedem Verbrechen zu einer beschönigenden Anlehnung . Jede Partei , die seiner Eitelkeit schmeichelte , hatte ihn . Eine Zeit lang wünschte man , daß er die Kritik der schönen Künste übernahm . In jeder Schöpfung sah der Schwätzer nur den Verstand , nur die Kombination , immer schrie er : Offenbarung , Genie , Genie ! Jeder sich seiner Kraft bewußte und mit ihr harmlos spielende Geist war ihm ein Rechnenkünstler . Alles , was Logik und Zusammenhang hatte , wies er mit dem Wort zurück : Poesie fehlt ! Ah , dies Guido-Stromerisiren ist die deutsche Erbsünde . Der Kerl war dabei voll Eitelkeit wie ein Komödiant . Jede Schauspielerin , die ihn besuchte , jede Tänzerin , die ihm gestattete , ihre Hände zu küssen , wurde im » Jahrhundert « dafür gepriesen . Man mußte ihm , weil er vor Eitelkeit halb wahnwitzig wurde , diese Branche förmlich mit Gewalt nehmen . Er wollte nun zur Politik , zu mir , zu Pauline ' n zurückkehren . Aber keine einzige positive Thatsache war ihm anzuvertrauen . Er hatte nichts , was ihm treu blieb , nichts als seinen Styl . Eine Mischung von Naivetät und Erhabenheit , von Bildern und von Abstraktionen war ihm immer das einzig Gegenwärtige , wie einem Arzt sein Latein , auch wenn er noch gar nicht weiß , welche Krankheit er vor sich hat . Mit diesem Styl , den zuletzt auch Pauline wegen seiner Indiskretionen verwarf , lief er in allen Zirkeln , die sich ihm durch uns eröffnet hatten , wie ein herrenloser Hund umher , der ein Halsband sucht , und klagte uns der Undankbarkeit an , drohte sogar . Seinen Styl bot er dem Meistzahlenden an und in der That hat der Ritter Rochus vom Westen gut daran gethan , ihn für die Sophistik seines Kabinets zu gewinnen . Er wird dort viel Geld verdienen , es durchbringen mit den Frauen , deren Schönheitslinien er seit Jahren zu studiren vorgibt , mit Bildern , die er vielleicht kauft , mit Gourmandise und wird im Übrigen jede Sache mit scheinbarer Gluth vertheidigen , sie mag noch so schlecht sein und innerlichst ihn noch so kalt lassen . Ah pfui ! Die Lüge dieser Menschen ist fürchterlich und vielleicht fängt bei diesem Stromer für die Welt und ihr Urtheil die Wahrheit damit an , daß er uns , die wir ihn emporzogen , nun haßt , nun verfolgt , nun in verzerrten Schattenrissen an die Wand malen wird . Meine Feinde , die Äußersten , haben ihm auch schon Offerten gemacht . Sie würden ihn gewonnen haben , wenn dieser Präsident von Flottwitz , diese Excellenz von Trompetta in der Provinz nicht so arm wie die Kirchenmäuse wären und der Hof sich zur Zeit noch schämte , Geld herzugeben , um mich bekämpfen zu lassen . Rochus hat mit seinen Dukaten mehr Glück gemacht und nur Schade , daß man dem Hofrath unsrerseits nun nicht noch offen mit dem Staubbesen ein Buon viaggio ! nachrufen kann . Melanie erwiderte auf diesen Zornausbruch nichts . Sie gedachte , zum Schlosse aufblickend , jenes Abends , wo