und verkauft auf seinem eigenen Grund und Boden . Ihm gab man den Namen des Herrn , und seine Mutter sah man als die eigentliche Herrin an . Wenn sie sich auch hütete , offen als solche aufzutreten , ihre Befehle gelangten doch in die Hände der Untergebenen und wurden unverzüglich befolgt , gegen die Waldemars aber stand Wilicza in geheimer , aber fest geschlossener Opposition . Was nur möglich war an Intriguen und Ausflüchten , das wurde gegen ihn ins Werk gesetzt ; was nur geschehen konnte , um seine Befehle zu durchkreuzen , seine Maßnahmen zu verwirren , das geschah , aber stets in einer Weise , welche die Verantwortung wie die Strafe ausschloß . Niemand verweigerte ihm direkt den Gehorsam und doch wußte er , daß Kampf und Ungehorsam die Parole war , die täglich gegen ihn ausgegeben wurde . Wo er sich an der einen Stelle Unterwerfung erzwang , da hob die Widersetzlichkeit an zehn andern ihr Haupt empor , und wenn er heute seinem Willen Geltung verschaffte , so trat ihm morgen schon ein neues Hindernis entgegen . Mit Entlassungen konnte er nicht vorgehen – sie hätten dem ganzen Beamtenpersonale gelten müssen , und teils banden ihn ihre Kontrakte in dieser Hinsicht , teils fehlte ihm jeder Ersatz . In einer solchen Zeit konnte überhaupt jeder Gewaltakt verhängnisvoll werden . So wurde der junge Gutsherr in eine Stellung gedrängt , die für eine Natur wie die seinige die schwerste war , weil sie der Thatkraft keinen Raum gönnte , weil sie nur ruhiges besonnenes Ausharren erforderte , und gerade darauf hatte die Fürstin ihren Plan gebaut . Waldemar sollte allmählich in dem Kampfe ermatten , den er ihr angeboten ; er sollte erkennen lernen , daß er schließlich doch nichts in einer Sache vermochte , in der ganz Wilicza zu ihr und gegen ihn stand . Er sollte in seinem Unmute darüber die Zügel wieder fahren lassen , die er ihr so gewaltsam aus der Hand genommen , Geduld war ja niemals seine Sache gewesen . Aber sie täuschte sich auch diesmal in ihrem Sohne , wie sie sich von jeher in ihm getäuscht hatte – er zeigte ihr jetzt die zähe Energie , den unbeugsamen Willen , den sie gewohnt war , als ihre ausschließliche Charaktereigenschaft in Anspruch zu nehmen . Nicht einen Schritt wich er all den Hindernissen und Widerwärtigkeiten , die sich vor ihm auftürmten ; eine nach der andern warf er sie zu Boden . Sein Auge und seine Hand waren überall , und wo man es wirklich einmal wagte , ihm den Gehorsam zu versagen , da ließ er den Gebieter in einer Weise fühlen , daß die ersten Versuche auch die letzten blieben . Das trug ihm freilich die Zuneigung seiner Untergebenen nicht ein . Wenn man früher nur den Deutschen in ihm gehaßt hatte , so haßte man jetzt Waldemar Nordeck persönlich , aber man war bereits dahin gelangt , ihn zu fürchten , und bequemte sich auch allmählich , ihm zu gehorchen . Unter diesen Umständen war die Furcht das einzige , was noch den Gehorsam erzwang . Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn wurde auf diese Weise immer unhaltbarer , wenn es sich auch äußerlich noch auf dem Fuße höflicher Kälte behauptete . Jene erste Erklärung zwischen ihnen war auch die einzige geblieben . Sie waren beide keine Freunde von unnützen Worten und fühlten , daß von keiner Versöhnung und Verständigung die Rede sein konnte , wo sich die Charaktere und Grundsätze so schroff gegenüber standen wie hier . Waldemar versuchte es nie , die Fürstin zur Rede zu stellen ; er wußte , daß sie ihm auch nicht das geringste von dem zugeben würde , was doch unleugbar von ihr ausging , und sie ihrerseits that nie eine Frage in dieser Hinsicht . So blieb das Zusammenleben wenigstens möglich und nach außen hin leidlich ; was es für Stacheln in sich barg , das freilich wußten nur die beiden allein . Waldemar zog sich in eine noch größere Abgeschlossenheit zurück als früher . Er sah die Mutter höchstens bei Tische , oft auch da nicht einmal , die Fürstin dagegen war sehr oft in Rakowicz bei ihrer Nichte und blieb meist längere Zeit dort . Wanda hatte Wort gehalten und Wilicza nicht wieder betreten , wahrend Waldemar auf seinen Ausflügen sogar das Gebiet von Rakowicz vermied . Mehr als drei Monate waren seit der Abreise des Grafen Morynski und seines Neffen vergangen . Man wußte allgemein , daß sie sich inmitten des Aufstandes befanden , bei welchem der Graf eine bedeutende Rolle spielte , während der junge Fürst Baratowski unter dem Oberbefehl seines Oheims ein Kommando führte . Trotz der Entfernung und der Hindernisse standen beide in ununterbrochenem Verkehr mit den Ihrigen . Die Fürstin sowohl wie Wanda hatten stets genaue und ausführliche Nachricht von allem , was drüben geschah , und sandten ebenso häufig ihre Botschaften hinüber . Die Bereitwilligkeit , mit der sich in den Grenzbezirken jedermann zu Botendiensten hergab , spottete aller Schwierigkeiten . Es war um die Mittagsstunde eines ziemlich kalten Tages , als Assessor Hubert und Doktor Fabian vom Dorfe herkamen , wo sie einander begegnet waren . Der Herr Assessor steckte in dreifacher Umhüllung ; er wußte noch von Janowo her , was eine Erkältung bedeutete . Auch der Doktor hatte den Mantelkragen schützend in die Höhe geschlagen . Das strenge Klima schien ihm nicht zuzusagen ; er sah bleicher als sonst und angegriffen aus . Hubert dagegen schaute äußerst wohlgemut darein . Die augenblicklichen Verhältnisse an der Grenze führten ihn sehr oft nach Wilicza oder in dessen Umgegend . Auch jetzt hatte er wieder eine Untersuchung zu führen , die ihn einige Tage in der Nähe festhielt . Er hatte sich wie gewöhnlich im Hause des Administrators einquartiert , und sein vergnügtes Aussehen zeigte , daß er sich sehr wohl dabei befand . » Es ist großartig , « sagte er in seinem feierlichen Amtstone . » Unbedingt