gegenüberstand , und deren Schönheit sie geradezu vernichtend berührte . „ Signora Eleonore Almbach ! “ begann sie endlich . „ Ich bedaure , Ihnen erklären zu müssen , daß Ihr Incognito bereits verrathen ist . Vorläufig allerdings nur mir , ich glaube aber nicht , daß Sie es auf die Dauer werden behaupten können . “ „ Und auf wen würde das fallen ? “ fragte Ella ruhig . „ Ich schonte nicht mich , als ich mir dieses Incognito auferlegte . “ „ Wen denn ? Vielleicht Rinaldo ? “ „ Ich kenne Signor Rinaldo nicht . “ Die Worte klangen in so eisiger Bestimmtheit , daß ein Zweifel an dem , was sie ausdrücken sollten , gar nicht möglich war und Beatrice einen Moment lang davor verstummte . Sie war völlig außer Stande , einen Stolz zu begreifen , der den einmal begangenen Treubruch selbst einem Rinaldo nicht verzieh . „ In der That , auf diese Verleugnung war ich nicht vorbereitet , “ entgegnete sie . „ Wenn Rinaldo – “ „ Sie haben mich sprechen wollen , “ unterbrach die junge Frau sie , „ und ich versprach , Sie anzuhören . Daß mir der Entschluß nicht leicht geworden ist , brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu versichern ; zum Mindesten erwartete ich nicht , diesen Namen von Ihnen zu vernehmen , und wünsche es auch nicht . Lassen Sie diese Unterredung so kurz wie möglich sein ! Was haben Sie mir zu sagen ? “ „ Vor allen Dingen habe ich Sie zu bitten , daß Sie einen andern Ton für unser Gespräch wählen , “ fuhr Beatrice gereizt auf . „ Sie sprechen mit Beatrice Biancona , deren Name Ihnen wohl noch in anderer Weise bekannt ist , als nur durch unsere persönlichen Beziehungen zu einander , und die wohl Haß und Feindschaft von Seiten einer Gegnerin erträgt , nicht aber die Verachtung , die Sie auszudrücken belieben . “ Ella blieb völlig unbewegt dieser Forderung gegenüber . Sie trat etwas seitwärts in den Schutz der hohen Blattgewächse , so daß sie von der Galerie aus nicht gesehen werden konnte , und wandte sich dann wieder zu der Sprechenden . „ Ich habe diese Unterredung nicht gesucht . Sie waren es , Signora , die mich gewissermaßen dazu zwang , also werden Sie es wohl auch ertragen müssen , daß ich den Ton festhalte , der mir geeignet erscheint . Mir steht Ihnen gegenüber kein anderer zu Gebote . “ Ein Blick wilden tödtlichen Hasses schoß aus den Augen Beatricens , aber sie fühlte , daß , wenn sie jetzt ihrer Leidenschaftlichkeit nachgab , ihr dies alle Haltung rauben und der Gegnerin nur einen neuen Triumph bereiten würde . Sie kreuzte deshalb die Arme und erwiderte mit vernichtendem Hohne : „ Sie lassen es mich hart büßen , Signora Almbach , daß ich Siegerin blieb in einem Kampfe , dessen Preis die Liebe Ihres Gatten war . “ „ Sie irren , “ versetzte Ella kalt . „ Ich kämpfe überhaupt nicht um die Liebe eines Mannes . Das überlasse ich den [ 588 ] Frauen , die sich solch einen Preis erst mühsam erstreiten und dann ewig zittern müssen , ihn wieder zu verlieren . “ Die letzten Worte schienen eine wunde Stelle berührt zu haben . Beatrice erblaßte . „ Freilich , Sie hatten ja ein Recht , ihn kraft des Traualtars zu fordern , “ sagte sie , noch immer den früheren Hohn festhaltend . „ Leider nur schützt auch dieser Talisman nicht vor jedem Unglücke , zum Beispiel vor dem Verlassenwerden . “ Jetzt war sie es , die schonungslos nach einer Wunde zielte , die sie selbst geschlagen hatte , aber der Pfeil prallte machtlos zurück . Die junge Frau richtete sich hoch und stolz auf . „ Allerdings nicht vor dem Schmerze eines solchen Schicksals , aber doch mindestens vor seiner Schande . Der verlassenen Gattin bleibt die Theilnahme , die Sympathie der ganzen Welt , der verlassenen Geliebten – nur die Verachtung . “ „ Nur diese ? “ sagte Beatrice dumpf . „ Sie irren Signora ; es bleibt ihr noch etwas Anderes – die Rache . “ „ Soll das eine Drohung gegen mich sein ? “ fragte Ella . „ Wer Ihre Rache herausfordert , mag sich davor zu schützen suchen . Ich weiß mich frei davon . “ „ Gewiß , Sie stammen ja aus dem Norden , wo man die Leidenschaft nicht kennt , wie wir das Wort verstehen , “ stieß die Italienerin hervor . „ Bei Euch stehen ja immer und ewig die Vorurtheile , die Pflichten , die Meinung der Welt im Vordergrunde – die Liebe einer Frau kommt erst in zweiter Linie . “ „ Allerdings erst in zweiter Linie . “ Ella ’ s Ton klang jetzt in unverschleierter Verachtung . „ In der ersten steht die Ehre der Frau ; wir sind gewohnt , sie unbedingt und überall voran zu setzen – ein Vorurtheil freilich , dessen sich Signora Biancona längst entäußert hat . “ Die junge Frau kannte die Gegnerin nicht , welche sie reizte , sonst hätte sie es vielleicht nicht gewagt , den Stolz der tief beleidigten Frau in so furchtbar vernichtender Weise sprechen zu lassen ; die Wirkung war eine erschreckende . Es war , als ob sich auf einmal ein Dämon in der Italienerin aufbäumte , als ob ihr ganzes Wesen wirklich „ Tod und Verderben sprühte “ ; so loderten die dunklen Augen auf ; ein halb erstickter Ausruf der Wuth entrang sich ihren Lippen , und Alles um sich her vergessend , that sie einige Schritte vorwärts . Ella wich zurück bei [ WS 4 ] dieser mehr als drohenden Bewegung . „ Was soll das , Signora ? “ sagte sie fest . „ Vielleicht gar ein Attentat ? Sie vergessen , wo wir uns befinden . Ich sehe , daß ich Unrecht that , auf