unabsichtlich , belauscht habe , daß dieser Bedientenklatsch imstande gewesen sei , » Donna de Valmaseda « von der stolzen Höhe ihres Selbstbewußtseins herabzuschleudern , ihr die Herrschaft über das empört aufstürmende , leidenschaftliche Blut zu rauben . Vorhin , in der Flurhalle hatte es ihr allerdings auf den Lippen geschwebt , ihm in das Gesicht hineinzusagen : » Ich will mit dir nichts zu schaffen haben , mit dem verheirateten Mann , zu dem mich die Gemeinheit anderer in ein zweideutiges Licht bringt ! Du trägst die Schuld , weil du dich zu der Pflege des Kindes gedrängt , weil du mich von der ersten Stunde an verhindert hast , ein Haus zu verlassen , dem die Herrin fehlt , dem sie böswillig den Rücken gekehrt hat ! « – Aber jetzt , wo diese tiefen Augen so nahe auf sie herabsahen , daß sie meinte , durch das köstlich schimmernde , dunkle , und doch so klare Blau in seine Seele hineinsehen zu können , jetzt fand sie nicht den Mut , dem Mann , der ihr in treuer Hingebung Stab und Stütze gewesen , dessen jedesmaliges Erscheinen sie zuletzt selbst ersehnt , egoistisch die ganze Verantwortung aufzubürden und ihm mit schneidendem Undank zu lohnen ... » Warum noch ein Wort über die Gründe verlieren , die der ärztlichen Entscheidung gegenüber selbstverständlich fallen müssen ! « sagte sie achselzuckend und sah auf die feinen Fingernägel ihrer Rechten . Er lächelte ironisch , bitter über dieses abermalige Ausweichen . » Ja , dieser Ausspruch hat verfügt , daß weder hinsichtlich des Zimmers , noch der Pflege irgend ein Wechsel eintreten soll , « wiederholte er langsam betonend , und sein Blick ? ? ? finerte durchdringend , fast wie in lauernder Prüfung , das Gesicht , das sich ihm plötzlich zuwandte . » Darüber werde ich doch noch ein Wort mit dem Doktor sprechen , « sagte sie rasch . » Oder vielmehr , wir , die Pflegenden , müssen uns über vorzunehmende Änderungen verständigen ... In den furchtbaren Leidenstagen war ich selbstsüchtig genug , Opfer anzunehmen , wo sie mir geboten wurden – das muß aufhören . Ich darf nicht länger dulden « – eine jäh aufsteigende Blutwelle überflutete ihr das ganze Gesicht – » daß Sie sich an der Pflege beteiligen – « » Also doch Laune , wie ich richtig vermutete ! « fiel er kalt ein . Sie zuckte zusammen . Er hatte eine wehe Stelle in ihrem Herzen berührt , die Stelle , wo die Reue leise schlummert , um bei irgend einem Klang , einem Wort aufzuschrecken ... Ja , sie war einst , in den strahlend schönen Tagen , wo noch der breite Strom des Glückes und die Wogen des üppigsten , sonnenhellsten Lebens sie geschaukelt , launenhaft , übermütig gewesen ! Alle diese Toten , die da im Bild die Ecke füllten , sie hatten die einzige Tochter des Hauses vergöttert und verzogen und dafür unter ihren wechselnden , unberechenbaren Launen oft genug gelitten ! – » Die Lebensgefahr ist vorüber , und da gewinnen die bösen Geister die alte Macht , « fuhr er fort . » Sie wollen mir wehe tun , wie Sie vielleicht stets gewohnt gewesen sind , mit den armen Seelen zu verfahren , die in Ihren Lichtkreis treten mußten . Aber Sie dürfen nicht vergessen , daß Sie es hier mit einem schwerfälligen Deutschen zu tun haben – wir wissen mit dem pikanten Lustwesen › Laune ‹ – nichts anzufangen und suchen nach ehrlichen Gründen ... Und so möchte ich doch noch einmal fragen : Warum soll ich verbannt werden ? « Sie sah deutlich , ihm kam nicht die leiseste Ahnung von ihren Beweggründen – er fühlte sich jedenfalls zu rein in seinen Absichten , um zu deuten , daß ein böses Licht auf seinen Verkehr im Krankenzimmer fallen könne . Nun führte er aber alles auf Launen ihrerseits zurück , und dieses Unrecht erbitterte sie ; allein ihr unbändiger Stolz , der sie in solchen Fällen stets verhärtete , litt es auch jetzt nicht , daß sie sich auch nur zu einem Schein von Rechtfertigung herablasse ... Der böse Zug grenzenlosen Hochmutes , der die Dame im violetten Samt da oben charakterisierte , glitt in verblüffender Ähnlichkeit , abstoßend und verhäßlichend auch um den Mund der Tochter . » Ich habe es bereits gesagt – es widerstrebt mir , fernere Opfer anzunehmen , « versetzte sie in eintönig frostiger Wiederholung , aber ohne aufzusehen . Er trat mit einer ungestümen Bewegung vom Schreibtisch weg . » Ich könnte Ihnen entgegnen , daß Felix sein Kind so gut unter meinen Schutz gestellt hat , wie unter den seiner Schwester , so daß da , wo die Pflicht gebietet , von einem freiwilligen Opfer gar nicht die Rede sein kann – wir erfüllen eben beide nur unser gegebenes Wort , « sagte er , ihr das Gesicht über die Schulter zuwendend . » Ich habe aus dem Grunde dieses Zimmer – « er zeigte nach der Krankenstube – » bisher als vollkommen neutralen Boden betrachtet , auf dem wir einmütig wirkten : und müßte ich befürchten , daß mit meinem Ausscheiden aus der Pflege auch nur der mindeste Nachteil für José erwüchse , so wiche ich nicht um eine Linie von meinem Posten – sicher nicht ! Ich weiß jedoch das Kind wohlbehütet , und so gehe ich ! – « » Sie gehen im Zorne ! « sagte sie mit blassen Lippen : allein sie stand da , als sei ihre schlanke Gestalt zu Marmor geworden – sie machte nicht die leiseste Bewegung , ihn zurückzuhalten ; auch ihre Stimme klang trotzig und gereizt , fast , als gefalle sie sich im Widerstand . » Ja , ich grolle ; aber zumeist mit mir selber , mit meiner Vertrauensseligkeit , die mich täppisch , gegen besseres Wissen , in eine demütigende Lage gebracht hat ... Ich habe schon böse Worte von Ihren Lippen gehört