» Das ist einzig und allein Ihre Sache – handeln Sie , wie Ihnen beliebt ! « sagte sie – ihre Stimme klang schneidend , vernichtend . » Ich habe allerdings innig gewünscht , Gabriel zu retten – ich würde mich vielleicht sogar zu einem Fußfalle vor – der Herzogin , um des guten Zweckes willen , haben hinreißen lassen ; aber in Gemeinschaft mit einem – Jesuiten zu handeln , das vermag ich nicht ... Ich kann dem Knaben nicht mehr helfen – mag sich sein grausames Geschick erfüllen ... Aber , wahrlich , Deutschland ist im Rechte , wenn es diese Gesellschaft Jesu von seinem Boden verjagt , wenn es endlich die Rute aufnimmt , um die grimmigsten Feinde des patriotischen Sinnes , der geistigen Entwickelung und des konfessionellen Friedens in das Gesicht zu schlagen ... Das war mein letztes Wort an Sie , Hochwürden . Und nun gehen Sie , um die › Briefintrigue ‹ gegen mich einzufädeln – fein , aber mit unvergleichlicher Sicherheit – wie es dem Jünger Loyolas ziemt ! « Sie wandte ihm den Rücken und wollte mit raschen Schritten den Saal verlassen , da wurde seitwärts eine Thür geöffnet , und der Hofmarschall , auf seinen Krückstock gestützt , sah herein . » Wo bleiben Sie denn , verehrter Freund ? « rief er – seine Augen fuhren suchend durch den Salon . » Mein Gott , braucht es denn so lange Zeit , einen Schlüssel abzuziehen ? « Die junge Frau war bei seinem Erscheinen stehen geblieben und wandte ihm voll das Gesicht zu , während der Hofprediger in seiner Stellung am Kamine verharrte und nur seine weißen , vollen Hände gegen die Flammen hielt , als friere er . Der Hofmarschall stelzte herein ; er vergaß , die Thür hinter sich zu schließen , so sehr frappierte ihn die Situation . » Ei , meine Gnädigste , Sie auch schon hier ? « sagte er , den Krückstock vor sich auf das Parkett stemmend . » Oder wie – Sie können doch unmöglich die ganze lange Zeit über in dem halbdunklen Salon verblieben sein – undenkbar bei Ihrer Gewohnheit , jede Sekunde spießbürgerlicherweise thätig auszunützen . « Urplötzlich , als dämmere eine Ahnung in ihm auf , wandte er den Kopf nach dem Schreibtische mit den Raritätenkästen – das verhängnisvolle Schubfach war noch so weit aufgezogen , daß man meinen konnte , es falle im nächsten Moment aus den Fugen . Ein langgezogenes » Ah ! « kam von den Lippen des alten Herrn . » Wie , meine Gnädigste , Sie haben – gekramt ? « fragte er unter einem grausamen Lächeln fast sanft , wie ein gewiegter Untersuchungsrichter , der einen gewandten Angeklagten eben den Stützpunkt verlieren sieht . Er wiegte bedächtig den feinen Kopf . » Impossible – was sagte ich ? Diese schönen Hände , diese aristokratischen Hände einer Dame , die so glücklich ist , sich die Enkelin einer Prinzessin von Thurgau nennen zu dürfen , ich sage , solch hochgeborene Hände können sich doch unmöglich so weit herablassen , in dem Eigentume anderer Leute herumzustöbern – fi donc – Verzeihung , meine Gnädigste ! Ich habe unpassend gescherzt ! « Er humpelte nach dem Schreibtische , sah in den Kasten , und sich mit der Linken mühsam auf den Stock stützend , warf er suchend die Papiere durcheinander . Liane kreuzte die Arme krampfhaft fest unter dem Busen – sie sah Furchtbares kommen . Dort der Mann im langen schwarzen Rock bog sich so angelegentlich nach den Flammen hin , als höre er nicht ein Wort von dem , was hinter seinem Rücken vorgehe – er war wohl bereits fertig mit seinem Feldzugsplane . Der Hofmarschall drehte sich um . » Sie haben auch gescherzt , meine Gnädigste , « rief er und zeigte lachend sein schneeweißes Gesicht . » Sie haben mir einen kleinen Schabernack zufügen wollen . Nicht mehr als billig – ich bin heute der Frau Herzogin gegenüber ein wenig indiskret gewesen – aber ich will künftig artiger sein – ich verspreche es Ihnen . Und nun , bitte , bitte , geben Sie mir mein reizendes Billetdoux zurück , an welchem mein ganzes Herz hängt , wie Sie wissen ! – Wie , Sie weigern sich ? ... Ich wollte drauf schwören , ich sähe dort aus Ihrer Kleidertasche ein herziges , rosenfarbenes Briefeckchen gucken . – Nein ? – Wo ist der Brief der Gräfin Trachenberg , frage ich ? « fügte er plötzlich mit völlig veränderter , zornig knurrender Stimme hinzu – im Uebermaße seiner hervorbrechenden Wut vergaß er sich so weit , den Krückstock drohend zu heben . » Fragen Sie den Herrn Hofprediger ! « antwortete die junge Frau mit totenbleichen Wangen . » Den Herrn Hofprediger ? Ist die Gräfin Trachenberg seine Mutter ? ... Hm ja , möglicherweise hat er – den kühnen Eingriff belauscht , und Sie appellieren nun an seine Ritterlichkeit und christliche Milde , respektive an seine rettende Hand – aber das hilft Ihnen nichts , schöne Frau . Ich will direkt aus Ihrem Munde hören , wo der Brief ist . « Die junge Frau zeigte nach dem Kamine . » Er ist verbrannt , « sagte sie in klanglosem , aber festem Tone . In diesem Augenblicke wandte der Hofprediger zum erstenmal den Kopf ein wenig – er warf einen verstörten , halb wahnwitzigen Seitenblick nach der Sprechenden , der es nicht einfiel , zu dem einzigen Mittel , dem Leugnen , zu greifen . Der Hofmarschall stieß einen heisern Wutschrei aus und sank , unfähig , sich länger auf seinen kranken Füßen zu halten , in den nächsten Lehnstuhl . » Und Sie sind Zeuge gewesen , Hochwürden ? Sie haben diese Infamie ruhig geschehen lassen ? « preßte er zwischen den Zähnen heraus . » Ich kann Ihnen in diesem Momente nicht darauf antworten , Herr Hofmarschall – Sie müssen erst ruhiger werden . Die Sache liegt