– es sind ja Buben . Wie gut das ist ! Keine arme , beklagenswerte Prinzessin ! Ach , und da draußen die Welt ! Ob man es dort wußte ? Ob man lächelte und flüsterte über die verratene Frau , welche die Geliebte ihres Mannes für eine Freundin hielt ? Sie stöhnte schmerzlich auf , der Druck auf der Brust wurde immer schwerer . Wäre der Tag erst vorüber ! Wäre die Nacht da , wo sie allein sein und weinen durfte ! Unten rollten Wagen in den Hof , auf dem Flur erklangen Schritte geschäftiger Diener , Schleppen rauschten , die Gäste verfügten sich nach dem Zimmer vor dem alten Geroldschen Bankettsaal , der in einem Zwischenbau lag , welcher die beiden Flügel des Schlosses verband . Auch Klaudine , die in ihrem Zimmer regungslos in einem Sessel saß , hörte es . Sie wandte bei jedem Tritt ihr Haupt , und wenn er vorüberging , lief eine flüchtige Röte über ihr Gesicht . Warum befahl die Herzoginmutter sie nicht ? Warum kam nicht wenigstens Fräulein von Böhlen , ihre Nachfolgerin bei der alten Hoheit , sie zu begrüßen ? Es war doch üblich , daß die Damen sich besuchten . Und bei Frau von Katzenstein hatte die blasse junge Dame mit dem rötlichblonden Haar und den unzähligen Sommersprossen schon vor einer halben Stunde angeklopft . Vor ihr auf dem Tischchen lag die Uhr . Um dreiviertel auf zwei mußte sie hinübergehen nach dem grünen Zimmer , wo die Herzogin sie erwartete , um dieselbe von dort zu den Gästen zu begleiten . Es war Zeit zum Gehen . Auf dem Flur traf Klaudine mit Fräulein von Böhlen zusammen , die augenscheinlich in das Zimmer ihrer Gebieterin wollte . Die Damen kannten sich von den Hoffestlichkeiten her , Fräulein von Böhlen war namentlich oft bei der Herzoginmutter im kleinen Kreise gewesen . Aber Fräulein von Böhlens rotblonder Kopf war vermutlich von einer Art Krampf in den Nacken zurückgezogen , sie schien ihn mit aller Gewalt nicht zu einem Gruß beugen zu können . Klaudine , die in ihrer vornehmen , stillfreundlichen Art ihr die Hand entgegenreichte , stand plötzlich allein . Die cremefarbige Schleppe der jungen Dame war ohne Aufenthalt an ihr vorübergerauscht und verschwand in einer der hohen altersbraunen Flügeltüren am Ende des Ganges . Gelassen wandte sich Klaudine und trat in das kleine Vorzimmer zu den Gemächern der Herzogin . Frau von Katzenstein machte ein so seltsames Gesicht , so gutmütig , mitleidig und so verlegen . » Hoheit hat noch kein Lebenszeichen von sich gegeben « , stotterte sie , dann ward sie still , die Herzogin war auf die Schwelle getreten . Ihr erster Blick streifte die Freundin , Klaudine sah vielleicht nie schöner aus , als in dem leichten mädchenhaften Kleid . Die Herzogin neigte leise den Kopf und schritt durch das Gemach der gegenüberliegenden Tür zu . Man vernahm dort innen die gedämpfte Stimme des Herzogs und das kalte Organ der Prinzeß Thekla . Die Herzogin war stehen geblieben . » Gib mir deinen Arm , Klaudine « , sagte sie dann fast heiser , und so traten sie nebeneinander unter dem roten Türvorhang hervor , welchen die Diener zurückrafften . In dem Zimmer , wo sich ungefähr zwanzig Personen befanden , herrschte augenblicklich eine lautlose Stille . War das noch die Herzogin ? Eine kleine zierliche Gestalt , dort hinter den Fächerpalmen halb verborgen , griff wie nach Halt suchend in den Purpursammet der Vorhänge , die zitternden Knie versagten fast den Dienst bei der tiefen Verbeugung . Prinzeß Helene trat auf den Wink der Mutter ein paar Schritt vor , aber ihr dunkler Kopf senkte sich vergeblich , der Kuß der fürstlichen Cousine unterblieb heute . Man setzte sich nicht . Plaudernd stand man umher . Baron Gerolds Augen hingen an Klaudine . Der Arm der Herzogin lag noch immer in dem des Mädchens . Ihre Augen waren auf die Mitteltür gerichtet , und jetzt ging die Röte der Freude über ihr schönes Gesicht – die Herzoginmutter war eingetreten . Auf diesem gefurchten gütigen Antlitz , unter dem silberweißen Scheitel , lag heute eine ungewöhnliche Härte . Aber Klaudine sah es nicht . Auf des Mädchens Arm gestützt schritt die Herzogin ihrer Schwiegermutter entgegen und beugte sich auf die Hand der alten Dame nieder , während Klaudine sich tief verneigte . Die Augen des jungen Mädchens sahen erwartungsvoll freudig in das Antlitz der fürstlichen Greisin . » Ah , Fräulein von Gerold , ich bin erstaunt , Sie hier zu sehen . Sagten Sie mir nicht , daß Sie Ihrem Bruder unentbehrlich seien ? « Die alte Dame hatte die Hände fest übereinandergelegt , bei den letzten Worten sah sie zu Frau von Katzenstein hinüber , als wäre Klaudine nicht anwesend . Stolz trat Klaudine zurück , und einen einzigen Augenblick trafen ihre Blicke die des Vetters . Atemlos still war es , nur die alte , jetzt so milde Frauenstimme sprach freundlich weiter mit der › lieben ‹ Katzenstein . Klaudine sah sich nicht um , es war ein lähmendes Entsetzen über sie gekommen , sie wollte sprechen , aber in diesem Augenblick wurden die Türen geöffnet , der Erbprinz , der heute die Ehre hatte , seine Großmama zur Tafel zu geleiten , trat feierlich vor die alte Dame mit seiner kleinen Person , und schon im nächsten Augenblick rauschte die silbergraue Schleppe der durchlauchtigsten Mutter über den Teppich . » Gestatten Hoheit , daß ich mich zurückziehe « , stammelte Klaudine zu der Herzogin gewendet , » meine heftigen Kopfschmerzen – « Einen Augenblick regte es sich in dem Herzen der unglücklichen Frau wie Mitleid mit dem Mädchen , dessen geisterhaft blasse Züge eine furchtbare Gemütserregung verrieten . » Nein ! « erwiderte sie flüsternd , denn eben kam Seine Hoheit herüber . » Ich selbst bin krank und kämpfe . Kommen auch Sie – « Klaudine schritt mit den anderen den Flur hinab und trat neben