großmächtigen Linnenschrank und holte das feinste von den selbstgewirkten Tafeltüchern heraus für die Weihnacht , indes die Mägd am Backtrog standen und den Teig zum Kletzenbrot kneteten . Und da etliche Tag darnach der heilig Abend anbrach , stellte die liebste Frau die alte Hauskrippe unter den Altar , steckte rings um den Tisch rote Kerzen auf und trug schwere Schüsseln voll Äpfel , Nüsse und Weihnachtsbrot in die Stube . Darnach stellte sie alle die armseligen Figürlein und Sachen , so ich ihr als Knab geschenkt , an ihren Platz und steckte eine große Kerze dazu . Am End aber wies sie mir auch meinen Platz , indem sie ein Licht neben das ihre klebte und eine feine Silbertruhe , darin ein goldens Herz und in diesem ein alter Fingerring lag , dazustellte , worauf sie hinauslief , ihre Leut zu holen . Nun legte auch ich meine Verehrung für sie , ein goldens Medaillon , sowie eine Statuette ihrer Patronin zu ihren Sachen und setzte mich darnach still auf die Ofenbank . Lachend und schwatzend erschienen nun alle im Festgewand , wünschten mir einen guten Abend und knieten sich darnach um die Krippe . Da trat auch die Kathrein in hohem Staat ein , trug einen brennenden Wachsstock in der Hand , lächelte leise zu mir herüber und entzündete die Kerzen , indem sie mit bewegter Stimm das Weihnachtslied begann . Da fielen alle ein und sangen : » Was Wunder ist gschehen zu dieser Nacht , Da uns die Jungfrau den Christ hat bracht ! Ein Jauchzen dringet vom Himmel her ; Englein tun singen : Gott sei die Ehr ! Es knieet Maria wohl auf dem Stroh Und ist der erfülleten Botschaft froh , Hälts Kindlein voll Lieb wohl in dem Arm Und singet : Nun schlafe , mein Söhnelein , warm ! Ich wiege dich sanft und ich wiege dich fein , Schlafe , mein herzliebes Kindelein , ein ! - Ihr Manne , der Joseph , das Bettlein aufmacht In der Krippen , darein er ein Strohbund hat bracht ; Maria die legt ihren Schleier dazu Und bettet ihr Söhnlein zur gueten Ruh . Ein Ochs und ein Eslein , die wehren der Kält Und halten fein warm den Erlöser der Welt . Viel Engelein fliegen durchs nächtliche Tal , Besingen das Kindlein in Bethlehems Stall , Frohlockend des Wunders der heiligen Nacht , Da Jerichos Rose das Blümlein hat bracht . « Nach solchem Singen standen alle auf , und ein jegliches nahm sein Licht vom Tisch ; das Kathreinl aber reichte ihnen den üblichen Christtaler , verteilte den Inhalt der Schüsseln unter sie und nahm darnach auch unser beider Verehrung vom Tisch , legte es in ihre Schürze und setzte sich schweigend zu mir , indes die Mägd aufdeckten und die Mahlzeit hereinbrachten . Also ward fröhlich gegessen und getrunken , gelacht und gescherzt , indes das Feuer im Ofen krachte und der Kienspan knisterte . Das Kathreinl trug nun unsere beiden Lichter samt den Gaben hinauf in meine Kammer und setzte sich darnach wieder auf die Ofenbank . Sie schien müd und abgeschlagen zu sein , also daß ich meinte , sie mög sich doch hinlegen ; - die heilig Nacht ging auch ohne ihr Zutun fröhlich hinüber . Aber sie wollte nicht . Und da es Zeit war , zur Metten zu gehen , und das Krachen der Böller und das Geläut der Glocken durch das Tal hallte , richtete sie die Laternen zu , schob den langsamen Zeiger der Uhr auf halb zwölf vor und hüllte sich in ihren großen Schal . Dann sagte sie zu mir : » Wirst wohl noch munter sein , wann ich wiederkomm , Mathiasl ; - laß mir halt kein Unhold ins Haus und krieg den Weillang nit . « Worauf sie mir lächelnd einen Weichbrunn gab , gute Nacht wünschte und den andern folgte . Ich aber saß nachdenklich auf meiner Bank und dachte , daß das Kathreinl heut gar nicht wohl ausgesehen hätt , und daß sie besser tat , wenn sie den Hof verkaufte und sich zur Ruh setzte . Und hing also einsam meinen Gedanken nach , als dumpfer Lärm an mein Ohr drang und mich erschreckt auffahren ließ . Ich lief hinaus fürs Haus , - da kamen die Knecht und die Mägd - und trugen - heiliger Gott - meine Kathrein . - Sie wär ihnen ganz gerecht nachgekommen , erzählte der Oberknecht , - sei noch eine Weil dahingegangen , - hätt dann mit einem Mal ein erschreckliches Husten hören lassen - die Arm gählings in die Höhe geworfen - und sei wie ein Baum zusammengebrochen . - Und da sie voll Schrecken hinleuchten , ist der Schnee rings gerötet . - Wir legten sie aufs Bett . Bleich und ohne Leben lag sie da . Wir wuschen ihr das Gesicht mit Essigwasser , und ich hielt bebend ihre kalten Händ in der meinen , indes die einen zum Wundarzt liefen , - die andern zum Pfarrer . Das übrige Gesind war leise hinausgegangen , und ich vernahm aus der Wohnstube herauf das gedämpfte Beten für die Kranke . Meine liebste Frau öffnete die Augen , sah mich matt und hilflos an und schloß sie wieder . Nach geraumer Weil kamen die andern zurück und meldeten : der Wundarzt wär nicht daheim , - käm auch nicht heim , die Nacht , - und der Herr Pfarrer hätt nicht der Weil , - und der Koprator auch nicht , - die müßten jetzt die Metten singen und das Christamt halten . Dann gingen sie hinab zu dem übrigen Gesind . Also saß ich allein am Bett meiner Kathrein , indes die hohe Uhr ihr langsames Tick Tack hackte , das Wachslicht flackernd niederbrannte und das murmelnde Beten zu mir heraufdrang . Da schlug sie noch einmal die Augen auf , - sah mich an , - öffnete den Mund und flüsterte meinen Namen . Ich beugte