, wie durch Magie gebannt . Hingerissen sank ich auf die Knie , bedeckte ihre Hand mit Küssen und flüsterte : » Und du ? Wie entscheidest du ? « » Dein bin ich , « - hauchte sie - » dein , Johannes ! « Ach und dann schloß ich sie in meine Arme , und jener Strom , der entsprungen , wo Adam und Eva einander umfingen , seit Jahrtausenden durch die Menschheit rauschet und immer jubilieret : » Seid eins , wie ihr im Paradiese eins gewesen « - der Strom riß uns hin mit schmeichelnden Wellen . Wie ich nun die Braut an mich preßte , drängte sie mich sanft zurück , und in ihrem Liebesblicke war frommer Ernst , als sie flüsterte : » Ein Sakrament ist die Ehe ! « Ich küßte ihre Hand und gab zur Antwort : » Unsere Liebe ist unser Sakrament . Einen Priester haben wir nicht - einen Priester brauchen wir nicht - alles geht ja zugrunde - unser letztes Stündlein nahet . « Da strahlte Theklas Auge : » Sei du unser Priester ! Traue dich mir an in frommer Feier , Johannes ! Gib uns das Sakrament der Ehe - Gott wird es gelten lassen - wie ihm eine Nottaufe gilt . « Mit heiligem Glück erfüllte mich die Aufgabe , und ich erhub mich stracks . » Ja , unser Priester will ich sein - zurüsten will ich einen Altar . Mag meine Traute indessen hinunter sich begeben in den unterirdischen Gang , gleichsam in ihre Kemenate , um abzutun das kriegerische Mannsgewand und hochzeitlich sich einzukleiden , so gut es in dieser Verlassenheit gelingen will . Mag auch das Bette nicht vergessen , allwo wir des Pförtners harren wollen , so uns aus dieser Gruft zur lichten Höhe erlöset . « Nun hielt ich Umschau im Gewölbe und plante die Feier , halb in Andacht , halb wie ein spielend Kindlein . Breitete über die Truhe das Altartuch von schwarzem Sammet , stellte die zween dreiarmigen Silberleuchter darauf und besteckte sie mit Kerzen , die ich anzündete . Thekla war indessen mit brennender Laterne , Tüchern und Gewändern durch den offenen Sarg hinunter in den Gang gestiegen . Da ich keinen Kruzifix fand , zog ich mein Schwert aus der Scheide und stieß es in den Altar , daß es zwischen den Leuchtern aufrecht stund , mit seinem kreuzförmigen Griff anzuschauen wie des Gekreuzigten Symbolum . Obwohl ein geistlich Gewand vorhanden , beschloß ich , als ein Kriegsmann die Trauung zu vollziehen . Einen gefüllten Silberbecher und das Kästchen mit den Oblaten stellte ich auf den Altar . Da hub sich aus dem Sarge eine schimmernde Gestalt - meine Thekla , nicht mehr als Jungfer Jaroslaus anzuschauen , sondern als sanfte Jungfrau , angetan wie ein Engel mit wallendem Linnen , das die weichen Arme bloß ließ , über der Hüfte durch einen Gürtel zusammengehalten . Die dunkeln Locken kränzte Silberflitter wie eine Hochzeitskrone . Ich ging der Braut entgegen , reichte ihr die Hand und führte sie zum Altar , allwo wir in die Knie sanken zu stillem Gebet . Dann stund ich auf , hub die Braut mir zur Seite und legte ihr Haupt an meine Schulter . » Siehe , meine Traute , wie hold die Kerzen schimmern - vom ewigen Licht der Gnade entzündet , daß wir in dieser finstern Öde einander ins Auge schauen , allwo noch holdere Lichtlein erblühn , ihren Docht aus unseren Herzen nährend . « Sie schlang ihre Arme um meinen Hals und bebete vor Weinen . Ich streichelte ihr Haar . » Stille , mein Kind ! Nun laß uns Gott geloben , einander als Gatten anzugehören - und laß uns das Abendmahl darauf nehmen . Nicht vom Geistlichen ist es geweiht , der Gekreuzigte und Auferstandene aber , so im Geist und in der Liebe lebet , er weiß auch ohne Priester die Herzen zusammen zu tun . Laß uns denn bedenken , wie er tat . Und er nahm das Brot , dankete , brach ' s - Das ist mein Leib , der für euch gegeben wird - Desgleichen auch den Kelch - und sprach : Das ist das Neue Testament in meinem Blute , das für euch vergossen wird . « Nach diesen Worten löste ich mich aus der Jungfrau Armen , brachte ihr eine Oblate an die feinen Lippen und tat eine zweite in meinen Mund . Auch den Kelch reichte ich ihr , sie nippte - worauf ich selber trank . » Und nun , mein Gott , habe Dank , Dank - und tue , wie du willst - wie du willst ! « sprach ich , in die Knie sinkend . Aufschluchzend kniete Thekla neben mir ; und sie war , was ich längst ersehnt , mein angetraut Gemahl . Doch in welcher Verfassung der irdischen Dinge ! Meine Hoffnung , die früher keck zu stolzen Höhen hinangeblickt , hielt nun die Augen verzweifelt niedergeschlagen . Ehemann und Eheweib waren wir worden , doch nur , um in einer Gruft , lebendig begraben , Arm in Arm den Tod zu erwarten , während über uns die Welt in Gluten zusammenstürzte . Auf einmal tut mein Herz einen heftigen Schlag und steht still ; ein Krachen droben , als sei das Dach ins Kirchenschiff herniedergefahren . Die Erde bebet , wie lang hinrollender Donner poltert es über unsern Häupten . Meiner lieben Frau Arme schlingen sich um mich , ich fühle , wie sie schaudert . Dann wird es droben wieder ruhig , nur die tolle Orgel hören wir heulen . » Der Organist ! « - flüstert mein Weib , und ich erwidere : » Der ist uns längst vorangegangen - den trug sein Feuerwagen in die Ewigkeit - vielleicht , daß er uns jetzo anmeldet . « Und aber dumpf Gepolter ob uns , die Balken der Decke ächzen und beugen sich , Staub und Schutt