der Dunkelheit des Ufers in das schwärzlich glänzende Wasser hinaus . Unnatürlich riesenhaft ragten die Berge zum Himmel auf . Die Sterne waren nicht sehr zahlreich . Kleine , graublaue Wölkchen hingen in der Luft . Die Ruderer saßen auf zwei quergelegten Brettern ; in der Mitte des Kahns auf schmalen Bänken , einander gegenüber , die beiden Paare : Georg und Anna , Demeter und Therese . Alle waren zuerst ganz schweigsam . Erst nach einigen Minuten unterbrach Georg die Stille . Er nannte den Namen des Berges , der den See nach Süden abschloß , machte auf ein Dorf aufmerksam , das wie in unendlicher Entfernung an einer Felsenlehne ruhte und doch in einer Viertelstunde zu erreichen wäre ; erkannte das weiße , leuchtende Haus auf der Höhe über Lugano als das Hotel , in dem Demeter und Therese wohnten , und erzählte von einem Spaziergang , den er neulich unternommen , zwischen besonnten Weinbergen weit ins Land hinein . Anna hielt unter dem Plaid , während er sprach , seine Hand gefaßt . Demeter und Therese saßen ernst und korrekt nebeneinander , gar nicht wie Liebesleute , die einander erst vor kurzem gefunden haben . Nun erst gewann Georg für Therese allmählich seine Neigung zurück , die während ihres lauten , heftigen Redens beinahe geschwunden war . Wie lang wird diese Geschichte mit Demeter währen ? dachte er . Wird sie zu Ende sein , wenn der Herbst da ist , oder wird sie am Ende so lange oder länger dauern , als meine mit Anna ? Wird diese Fahrt auf dem dunkeln See auch einmal eine Erinnerung an vollkommen Entschwundenes sein , so wie die Fahrt auf dem Veldeser See mit dem Bauernmädel , die mir jetzt seit Jahren zum erstenmal wieder einfällt ... wie die Reise mit Grace übers Meer ? Wie seltsam . Anna hält meine Hand , ich drücke sie , und wer weiß , ob sie nicht in diesem Augenblick ganz ähnliches in Hinsicht auf Demeter empfindet , wie ich in Hinsicht auf Therese ? Nein , doch nicht ... sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen , das sich sogar schon regt ... Deswegen ... ach Gott ... Auch mein Kind ist es ja ... Nun fährt unser Kind auf dem See von Lugano spazieren ... ... Werd ich es ihm einmal erzählen , daß es vor seiner Geburt auf dem See von Lugano herumgefahren ist ... ? Wie wird das alles nun werden ? In wenigen Tagen ist man wieder in Wien . Existiert denn dieses Wien überhaupt ? Es ersteht erst langsam wieder , während wir zurückfahren ... Ja , so ist es ... Sobald ich zu Hause bin , wird ernstlich gearbeitet . Ich werde ruhig in meiner Wiener Wohnung bleiben und Anna immer nur besuchen ; nicht mit ihr auf dem Lande wohnen höchstens in den allerletzten Tagen ... Und im Herbst ich in Detmold ? Und wo wird Anna sein ? Und das Kind ? Bei fremden Menschen irgendwo auf dem Land ? ... Wie unwahrscheinlich ist das alles ... Aber es war auch heute vor einem Jahr sehr unwahrscheinlich , daß ich mit Fräulein Anna Rosner , und Stanzides mit Fräulein Therese Golowski auf dem See von Lugano spazieren fahren würde ... und jetzt ist es die selbstverständlichste Sache von der Welt . Mit einem Male hörte er neben sich , überdeutlich , als wenn er eben erwachte , Demeters Stimme . » Wann geht unser Schiff morgen ab ? « » Um neun Uhr früh « , erwiderte Therese . » Sie ist nämlich der Reisemarschall « , sagte Demeter , » ich brauche mich um gar nichts zu kümmern . « Nun stand mit einemmal der Mond über dem See . Es war , wie wenn er hinter den Bergen gewartet hätte und nun zum Abschied aufgestiegen käme . Ganz weiß und nahe lag plötzlich jenes unendlich ferne Dorf an der Berglehne . Der Kahn legte an . Therese erhob sich und sah , von der Nacht umgeben , auffallend groß aus . Georg sprang aus dem Kahn und half ihr beim Aussteigen . Er spürte ihre kühlen Finger , die nicht zitterten , sondern sich wie mit Absicht leise bewegten , in seiner Hand und fühlte den Hauch ihrer Lippen nah . Nach ihr stieg Demeter aus , dann kam Anna , schwerfällig und müd . Die Schiffer dankten für das reichliche Trinkgeld , und die beiden Paare spazierten heimwärts . Auf einer Bank in der Uferallee , in einem langen , dunkeln Mantel saß der Prinz , rauchte eine Zigarre , schien auf den nächtlichen See hinauszusehen und wandte den Kopf , offenbar um nicht gegrüßt zu werden . » So einer könnte einem manches erzählen « , sagte Therese zu Georg , mit dem sie immer weiter zurückblieb , während Demeter und Anna vor ihnen gingen . » So bald also fahren Sie schon nach Wien ? « fragte Georg . » In vierzehn Tagen , finden Sie das so bald ? Jedenfalls werden Sie vor uns daheim sein , nicht ? « » Ja , in ein paar Tagen reisen wir . Es läßt sich nicht länger verschieben . Auch werden wir einigemale unterbrechen müssen . Anna verträgt das Fahren nicht gut . « » Wissen Sie denn schon , daß ich noch gerade vor meiner Abreise die Villa für Anna gefunden habe ? « sagte Therese . » Wirklich ? Sie ? Haben Sie denn auch gesucht ? « » Ja , ich hab meine Mutter ein paarmal aufs Land begleitet . Es ist ein kleines , ziemlich altes Haus in Salmansdorf , mit einem schönen Garten , der direkt auf Wiese und Wald hinausführt , und der Vorgarten ist ganz verwachsen ... Anna wird Ihnen schon mehr erzählen . Ich glaub , es ist das letzte Haus im Ort , dann kommt noch ein Gasthof , aber ziemlich weit davon . « » Sollt ich dieses Haus