nicht so edel gedacht , wie unsere Religion es von uns fordert . Verzeihen Sie ! Wie kann ich es dem Einzelnen entgelten lassen , daß er nicht anders denkt , als seine Allgemeinheit denkt ! Ich werde ihm Abbitte leisten . « » Abbitte ? Das halte ich denn doch nicht - - - « » Natürlich nicht so , wie Sie es auffassen wollen , « unterbrach er mich . » Der Wunsch nach Verzeihung braucht nicht grad über die Lippen zu gehen , um sich verständlich zu machen . Darf ich fragen , als wen und was mich die beiden Gentlemen kennen ? Selbstverständlich sind Sie nach mir gefragt worden . « » Sie sind Dr. med . Tsi , der in Deutschland und Frankreich studiert hat . Ihr Vater hat Sie dort abgeholt und ist Ihnen , weil Ihr Beruf Sie veranlaßte , hier zu bleiben , nach China vorausgereist . Ich habe Sie und ihn in Kairo kennen gelernt . Hoffentlich stimmen Sie dieser Auskunft , welche ich gegeben habe , bei ? « » Es ist die mir liebste , welche Sie geben konnten . Ein junger Arzt ist ein Mann , mit dem man sich nur dann abgibt , wenn man ihn braucht ; ich werde hier also zurückgezogen leben können , und das ist mir lieb . Ich sah Mary Waller an Bord kommen . Weiß sie , daß ich auch mit hier bin ? « » Nein . « » Sie - - Sie - - - Sie haben ihr nichts , gar nichts davon gesagt ? « stotterte er beinahe . » Kein Wort . « » Aber , ich bitte Sie ! Was soll sie denken , wenn sie sieht , daß ich - - daß - - - daß - - - « Er sprach den angefangenen Satz nicht aus . Das Lächeln , welches ich nicht ganz unterdrücken konnte , machte ihn irr . Er errötete sogar . » Ja , was soll sie denken ? « fragte ich . » Daß sie Ihnen Dank schuldet , weiter nichts ! Sie haben sich keinen Augenblick besonnen , sondern alle Ihre Verpflichtungen liegen lassen , um mit uns zu gehen und Ihren Vater zu retten . Meinen Sie etwa , daß sie darüber zürnen soll ? « » Nein , das nicht ; aber ich hätte sie fragen sollen , ob sie es mir erlaubt . « » Jede gute Tat ist erlaubt ; ja , man soll sie sogar ohne Erlaubnis tun ! Aber es gab ja auch gar keine Zeit zur Frage . Als Sie zu mir in das Hotel kamen , war Miß Mary soeben von uns gegangen , und wir haben sie nicht eher wiedergesehen , als bis sie vorhin an Bord kam . Es war also unmöglich , ihr zu sagen , daß sie außer mir noch einen zweiten Gefährten aus Kairo hier treffen werde . Wünschen Sie , daß ich sie auf diese Ueberraschung vorbereite ? « » Ich bitte sogar darum ! Es würde mir außerordentlich peinlich sein , sie in einer für mich nicht erfreulichen Weise überrascht zu sehen . Auch hege ich meines Namens und Standes wegen gewisse Bedenken . Sie weiß da nicht , woran sie mit mir ist . « » Nicht ? Nun , das soll sie sofort erfahren ! « Mary war soeben aus ihrem Raume getreten , um einen Scheideblick auf Penang zu werfen , denn die » Yin « begann , sich zu bewegen . Ich wendete mich von dem Chinesen ab , um zu ihr zu gehen , und hatte meine Worte selbstverständlich nur im Scherze gemeint ; da ergriff er meinen Arm und sagte ängstlich : » Was wollen Sie ? Wie wollen Sie zu ihr , zu - - zu - - - - « » Ich werde ihr Alles sagen , Alles ! « fiel ich ihm in die Rede und machte meinen Arm frei . » Aber ich bitte Sie um - - - ! « Mehr hörte ich nicht , weil ich mich schnell von ihm entfernte . Mary kam mir auf halbem Wege entgegen . Sie wollte irgend eine Bemerkung , eine Frage aussprechen ; ich ließ ihr aber keine Zeit dazu , sondern erkundigte mich bei ihr : » Haben Sie vielleicht grad jetzt grausam viel zu tun , Miß Waller ? « » Nichts , gar nichts , « lächelte sie . » Ich möchte Ihnen einen Herrn vorstellen . « » Welchen , wo ? « » Bitte , kommen Sie ! « Ich führte sie nach Tsis Kabine , in welche er wieder geschlüpft war . Er sah uns kommen und war also gezwungen , wieder herauszutreten . Welch eine Ueberraschung für die Amerikanerin ! » Das ist Herr Doktor Tsi , welcher Medizin studiert hat und ein untrügliches Mittel gegen Dysenterie kennt , « sagte ich ernst und feierlich , als ob ich überzeugt wäre , daß sie einander noch nie gesehen hätten . » Dieser junge Arzt , « fuhr ich fort , » ist auch den beiden Englishmen , deren Gäste wir sind , als Doktor Tsi bekannt . Mehr ist wohl auch nicht nötig . « Hierauf verbeugte ich mich und ging fort . Ich war mir bewußt , Tsi in eine unendliche Verlegenheit gebracht zu haben , doch aber so vollständig gefühl- und gewissenlos , mir nichts daraus zu machen . Die letztere Bemerkung hatte ich nicht unterlassen wollen , weil Mary Waller doch wissen mußte , als was unser chinesischer Freund hier auf dem Schiffe zu gelten hatte . Nun wendete ich meine ganze Aufmerksamkeit dem letzteren zu . Raffley kommandierte selbst . Er war der Mann welcher bei der Ankunft der » Yin « den großen Strohhut auf dem Kopfe gehabt hatte ; er trug ihn jetzt wieder , um seine Augen gegen die Strahlen der schon schief-stehenden Sonne zu schützen . Es war eine