dem sie sagte : » Ich sah den Schlüssel stecken , Effendi , und dachte mir gleich , daß du hier im Zimmer seist . Ich habe zwar keine Zeit , doch für dich immer , und so wollte ich dich fragen , ob ich dir das von meinem Aschyk sagen darf . « » Laß es hören ! « » Und du wirst aber nichts verraten ? « » Ist es denn ein Geheimnis ? « umging ich diese ihre Frage . » Ja , natürlich ! « antwortete sie wichtig . » Ich habe eine ganze Menge von Geheimnissen , von denen Niemand Etwas wissen darf . Dir aber sage ich vielleicht einige davon . Das notwendigste von ihnen allen sollst du jetzt gleich hören . Nämlich mein Aschyk kommt immer nach vier Wochen ; das habe ich dir schon mitgeteilt . Kürzlich aber war er einmal außer dieser Zeit hier ; das weißt du noch nicht . Kannst du vielleicht erraten , weshalb er kam ? « » Nein . Sag es , und mach es so kurz wie möglich ! « » Warum das ? Ich spreche ja immer kurz , Effendi ! Mein Aschyk hat nämlich beschlossen , mit unserem Ustad zu reden und ihm Vieles mitzuteilen , was ihn vom Tode erretten kann . « » Wen erretten ? Den Aschyk oder den Ustad ? « » Den Aschyk ; vielleicht aber auch beide ; ich weiß es nicht genau . Ich soll dem Ustad sagen , daß er nächsten Sonntag kommen werde , grad um Mitternacht . Ich aber komme schon eine Stunde vorher mit ihm zusammen . « » Und hast du das dem Ustad mitgeteilt ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Weil - - - weil - - - weil ich mich vor ihm fürchtete . « » Vor mir aber nicht ? « » Doch auch ! Aber die Zeit verging ; der Sonntag ist schon nahe , und wenn ich mich so weiter fürchte und nichts sage , so verliere ich meinen Aschyk . Er hat mir nämlich gesagt , daß er niemals wiederkommen werde , wenn ich nicht ganz gewiß dafür sorge , daß er mit dem Ustad sprechen dürfe . Darum habe ich mir endlich ein Herz gefaßt und diese Bitte zu dir gebracht , weil der Ustad nächsten Sonntag noch nicht wieder hier sein kann . Was sagst du nun dazu ? « Sie wischte sich die feucht gewordene Stirn und atmete erleichtert auf . Es war ihr doch schwer geworden , sich an mich zu wenden . » Ist es denn dem Aschyk gleich , ob er mich oder den Ustad trifft ? « fragte ich . » Ich denke es . Du stehst ja an des Ustad Stelle , und da die Sache nicht aufgeschoben werden darf , so muß er einverstanden sein . « » Weiß noch Jemand davon , daß er Sonntag kommt ? « » Nein . « » Auch Tifl nicht ? « » Tifl ? Diesem Schwätzer darf man solche Dinge nicht mitteilen . Er weiß kein Wort ! « Das war eine Lüge , wurde aber mit der ehrlichsten und aufrichtigsten Miene der Welt gesagt . Die kleinen Aeuglein blickten mich dabei so offen , so treuherzig an , daß ich fast glaubte , mich besinnen zu müssen , ob ich mich nicht täusche . » Hat der Aschyk gesagt , an welchem Orte er mit dem Ustad zu sprechen wünscht ? « fuhr ich fort . » Nein . Das hast nun du zu bestimmen . Willst du mir sagen , wo ? « » Heut noch nicht . Ich werde es dir noch rechtzeitig mitteilen . Und nun höre mich an ! Du schweigst gegen Jedermann , auch gegen Tifl ! Wenn du einem einzigen Menschen sagst , daß dein Aschyk kommt , um mir etwas zu sagen , so rede ich nicht mit ihm und jage dich aus dem Hause ! « » Effendi , « rief sie aus , indem sie erschrocken zurückfuhr . » Was machst du mir da für fürchterliche Augen . Du hast ja plötzlich ein ganz anderes Gesicht ! « » Das ist mein Gesicht , wenn ich mir etwas vornehme , was ich unbedingt auch ausführe . Du hast es noch nicht gesehen . Hüte dich vor der Wiederkehr ! Wenn du nicht schweigst , lasse ich dich noch mitten in der Sonntagsnacht über die Grenze schaffen , ohne zu fragen , was dann aus dir wird ! Verstanden ? « » Ja , ja , ganz genau ! « versicherte sie , vor Schreck in sich zusammenkriechend . » Effendi , der Ustad ist doch freundlicher als du . Wer hätte das gedacht ! « » Jedes an seinem Orte , die Strenge sowohl als auch die Freundlichkeit ! Hast du noch etwas zu sagen ? « » Nein . « » So geh ! « Sie machte in ihrer inneren Zermalmung einen ganz verkehrten Knix und entfernte sich bedeutend weniger vertraulich , als sie hereingekommen war . Ich aber schloß die Wohnung sorglich ab und ging , mit Schakara zu sprechen . Wie kam es doch , daß ich gar nicht nach ihr fragte , sondern daß es mir war , als wisse ich ganz genau , wo sie sei ? Ich ging durch den Garten . Bei der Quelle angekommen , sah ich die » Schwester « bei den Pferden . Die Sahm knusperte mit Ghalib im Grase herum . Assil aber hatte sich gelegt . Schakara saß neben ihm und flocht , über seinen Hals gelehnt , aus den Mähnenhaaren Zöpfe , in die sie Veilchen wand . Der Rappe langte von Zeit zu Zeit mit dem Maule herüber , um sie freundschaftlich in den Arm zu kneifen . Ich beobachtete das eine ganze Weile ; dann ging ich hin und setzte mich zu ihnen . Es war nichts