, dies zu erfahren , doch gelang es mir nicht , ein Wort der Frage auszusprechen . Aber ich fühlte , daß meine Augen sich öffneten ; das war so eigenartig , so ganz als ob es nicht meine leiblichen , sondern die seelischen seien . Da sah ich in ein liebes , ernstes , reines Frauengesicht . Es war von einer so frommen , edlen Schönheit , wie man Heilige abzubilden pflegt . Die Augen waren dunkel und trotzdem doch so hell , so licht , so klar . Es ging von ihnen eine Wärme aus , welche auf mich überfloß . Mir war , als ob ich dieses Antlitz schon einmal gesehen habe , nicht gleichgültig und vorübergehend , sondern sorgsam und mit derselben Herzenswärme , welche ich jetzt zurückempfing . Nun breitete sich ein frohes Lächeln über die so kinderholden und doch so frauenhaft sinnigen Züge , und die Lippen , welche vorhin meine Hand berührt hatten , fragten mich : » Erkennst du mich , Sihdi ? Ich bin Schakara , welche du vom Tode errettet hast . « Ich wollte antworten , konnte aber nicht . Ich hörte nichts , als ein unverständliches Flüstern , welches aus meinem Munde kam . Da fuhr sie fort : » Ich bin das Mädchen , welches damals in Amadijah die Oelim kires72 gegessen hatte . Deine Hand brachte mir das schon fast entflohene Leben zurück73 . Kannst du dich erinnern ? « Ich bewegte meine Augenlider , um ihr anzudeuten , daß ich sie verstanden habe . Zu sprechen war mir nicht möglich . Da legte sie ihre Rechte auf meine Stirn und sagte : » Die Krankheit hat dir das Reden verboten . Aber sei getrost ! Chodeh ist die Barmherzigkeit . Er wird uns nicht das schreckliche Leid anthun , dich bei uns sterben zu lassen . Der Ustad hat für euch gebetet , und die Güte des Himmels wird ihn ganz gewiß erhören . Schau , da kommt er . Siehst du ihn ? « Sie fragte mich so , weil mir jetzt die Augen zugefallen waren ; ich konnte sie nicht wieder öffnen . Doch hörte ich Schritte , welche sich näherten . » Kam er noch nicht zu sich ? « wurde Schakara gefragt . Das war dieselbe tiefe , wohllautende Männerstimme , welche ich schon gehört hatte . » Er öffnete die Augen und sah mich an , « antwortete sie . » Sprechen konnte er nicht . « » Hat er dich erkannt ? « » Ich glaube es . « » So liegt er nun wieder in der vorigen Bewußtlosigkeit . Ihn werden wir wohl retten . Von seinem Gefährten dort aber kann ich das leider nicht auch sagen . Er steht bereits sehr nahe am Tode . « Da hörte ich Halefs Stimme laut und zornig erklingen : » Am Tode ? Sein Gefährte ? Also ich ? Ihr glaubtet wohl , ich schlafe ? Ich bin soeben aufgewacht und habe euch gehört . Ich stehe nicht am Tode ! Nein , nein , nein ! Ich bin Hadschi Halef Omar , der Haddedihn vom Stamme der Schammar . Mich kennt man überall ; einen Tod aber giebt es nicht ! Darum ist das , was ihr sagt , ganz unmöglich . Ich befinde mich nicht am Tode - - - am Tode - - - nicht , nicht - - - am - - - - - Tode ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ich hörte diese Worte meines Hadschi , wußte aber nicht , wo er lag . Es war , als ob irgend eine Frage nach ihm sich in mir emporringen wolle ; sie trat aber weder in das Bewußtsein noch in den Willen , denn ich hatte die Empfindung , als ob ich jetzt emporgehoben und weit , weit fortgetragen werde , und wie in unendlicher Ferne hörte ich die Worte verklingen : » Am Tode - - - am Tode - - - ! « - - - Wie lange ich fern von mir gewesen war , oder , durch die gewöhnliche Redensart ausgedrückt , wie lange ich nun wieder ohne Bewußtsein dagelegen hatte , das weiß ich nicht . Hierauf schien es , als ob mir Harfenklänge nahten . Es war aber umgekehrt : ich kam zu ihnen ; die Besinnung kehrte mir zurück . Es bedurfte jetzt keiner Anstrengung für mich , die Augen zu öffnen , doch fühlte ich eine mir unbekannte Schwere in den Lidern . Ich war außerordentlich matt . Als ich versuchte , den Kopf zu bewegen , dauerte es eine ganze Weile , bis es mir gelungen war , das Gesicht auf die von der Wand abgewendete Seite zu legen . Ich hatte den Mund offen , und sonderbarerweise war es mir , als ob dies so sein müsse ; es fiel mir gar nicht ein , ihn zu schließen . Und doch war ich mir zu derselben Zeit vollständig darüber klar , daß dies zu den Krankheitserscheinungen des exanthematischen Fiebers gehöre . Nun sah ich , wo ich mich befand . Es war ein hoher , lichter , weiß getünchter Raum , dessen Wände augenscheinlich aus starken Mauersteinen bestanden . Die beiden Seiten waren nicht durchbrochen . In der Hinterwand gab es eine breite Doppelthür , für die Gegend , in welcher wir uns befanden , eine große Seltenheit . An der Vorderseite standen zwei Säulen , die mit den Mauerwerken drei offene Bogen bildeten , durch welche Luft und Licht mehr als genugsam Zugang fanden . In der einen Ecke lag ich , in der andern Halef , mit den Füßen nach der Thür gekehrt , damit die vorn hereinbrechenden Sonnenstrahlen nicht direkt in unsere Augen fallen möchten . Längs der ganzen Hinterwand waren blühende Pflanzen aufgestellt , zur Augenweide für uns , wie ich